Mainpost, 10.12.2004 16:19

Redeverbot für schwulen Ex-Priester

Bischof Hofmann verbietet Radiobeitrag

Würzburg (wal) Würzburgs Bischof Friedhelm Hofmann hat die Ausstrahlung eines Kurz-Interviews mit dem ehemaligen Schweizer Priester Pierre Stutz unterbunden. Der dreiminütige Beitrag sollte am 28. November in der Sendung "Kirchenmagazin" des Kirchenlokalfunks zu hören sein. Das Magazin, in Würzburg unter "Cappuccino" bekannt, wird sonntags zwischen 8 und 10 Uhr auf der Frequenz von Radio Charivari in Würzburg, Primaton in Schweinfurt beziehungsweise Primavera in Aschaffenburg ausgestrahlt.

Als Grund für das Verbot sieht Stutz selbst seine Homosexualität, die er offen und "verantwortungsvoll" leben will. Dem ehemaligen Priester wolle der Würzburger Bischof "keine Plattform bieten", erklärte Stutz auf Anfrage. Aus dem Kreis der Katholischen Hochschulgemeinde in Würzburg (khg) war zu hören, dass das Vorgehen des Bischofs "ziemlich lächerlich" sei.

Stutz hatte im November auf Einladung der khg über Psalmengebete referiert. Seit zweieinhalb Jahren hält er als Autor und spiritueller Begleiter Vorträge und leitet Seminare. In der khg war er zum zweiten Mal Gast. Schreiben sei für ihn ein "inneres Feuer" geworden, seine 30 Bücher haben sich mehr als 500 000 mal verkauft. Während seines Besuchs in Würzburg sprach Petra Langer, Redakteurin beim Kirchenlokalfunk, mit dem Ex-Priester.

Das Bistum Würzburg nahm zu dem Vorfall keine Stellung. Pressesprecher Bernhard Schweßinger sagte lediglich, man habe "Irritationen bei den Hörern und den Katholiken befürchtet". Das Ganze sei eine interne Angelegenheit, die zwischen der Redaktion des Kirchenmagazins und dem Bischof diskutiert wurde. Von einer "Verfügung von oben" war hingegen aus khg-Kreisen zu hören.


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