Der neue Roman von Ulrich Peltzer:
"Das bessere Leben"

  • Zumindest darf man ja mal fragen nach der Moral von der Geschicht. Aber vielleicht hat sie keine, hatte nie eine, wird auch nie eine haben, grundlos von Beginn an. Jedes Geschehnis so wahrscheinlich wie sein Gegenteil.
  • Die Bejahung des eigenen Schicksals wäre der erste Schritt aus der Gefangenschaft einer Realität, deren Schöpfer man nicht kennt, sei es ein böser, sei es ein guter Geist.
  • Sich in die Wirklichkeit stürzen wie ein Leser in die Seiten eines Buches, besteht denn nicht darin die wahre, die einzige und letzte Freiheit?
  • Bis wohin muss man zurück, um eine Situation zu verstehen, Entscheidungen, die getroffen worden sind? Damit alles einen Sinn hat, irgendeinen Sinn, sonst wäre man der Unvernunft schutzlos preisgegeben. Das durfte nicht sein, weil Aberglaube die Folge wäre, beziehungsweise ... man könnte dann gar nicht anders, als Geister in den Wolken anzurufen, um sich vor den Fährnissen des Lebens zu schützen. Opfer, die anonymen Mächten opfern, anstatt sich einer wissenschaftlichen Betrachtungsweise zu befleißigen, und sei es die primitivste.
  • So viele Dummköpfe um einen herum, fortschrittsgläubige Narren, die von Formeln träumen, die sie erlösen könnten. Von ihrem Menschsein, der Natur, mit der sie geschlagen sind.
  • Die Zeit besitzt nur eine Richtung, die Geschichte, und das Ende ist für jeden gleich, einfache Wahrheiten, die zu schlucken sind.
  • Jeden Morgen beim Blick in den Spiegel glasklar, der Tod guckt dich an und weicht nicht mehr von dir, bestell deinen Hof, lass es geschehen ...
  • Was soll hier unten, unter uns Sterblichen, denn von Bedeutung sein, was uns fesseln?
  • Die meisten klammern sich an Objekte, deren Besitz sie mit ihrem Heil verwechseln. Erfreue dich an ihnen, aber wisse, dass sie nichts bedeuten. Suche in ihnen keinen Sinn, suche überhaupt keinen.
  • Um ihn herum Geschnatter und Blicke, die sich kreuzten. Trost, den man sich spendet, kleinkarierte Träume. Wie die Leute ihr Leben gestalten, um ihm eine Winzigkeit Inhalt zu geben, puh ... Küsschen, Küsschen, das hört nie auf. Bis es zum Erwachen kommt, immer zu spät. Dann werden Stoßgebete nach oben gerichtet in der Hoffnung, es noch einmal hinbiegen zu können. Doch noch von der Schippe zu springen. Für was denn?
  • Selbst wenn die Forschung Erkenntnis auf Erkenntnis häuft, bleibt doch im Kern ein schwarzes Loch. Das größer wird statt kleiner, je mehr man weiß.
  • Ist jedes einzelne Kunstwerk die Bestätigung, es würde mehr geben, viel mehr als ... als diese Unzahl von Banalitäten, aus denen sich das Leben zusammensetzt, ewig gejagt von Ansprüchen, die in Frage zu stellen schwierig bis unmöglich ist?
  • In der Kunst kann man sich verlieren, ohne verlorenzugehen, irgendwie göttlich, ein göttliches Gefühl.
  • Wer oder was hält unsere undurchschaubare Welt zusammen: Träume, Geldströme, Gott oder der Teufel?

Münsteraner Forum für Theologie und Kirche (MFThK)