Der neue Roman von Mareike Krügel

Und irgendwann werden auch die anderen einsehen und begreifen, was mir jetzt schon klar ist, weil es verborgen in meinem Inneren längst begonnen hat: dass es ans Sterben geht.

War es nicht Kilian, der mir damals in unserer WG-Küche erklärt hatte, jedes Leben lasse sich von hinten her verstehen, vom Sterben aus gesehen, weil der Tod einen Schatten wirft auf alles, was vor ihm kommt, weil er bereits in allem steckt, alles getränkt hat mit seinem Geheimnis?

In all die fremden Wohnungen schaute ich, und zum ersten Mal, seit ich von zu Hause weggezogen war, begriff ich etwas von der höchst irritierenden Tatsache, dass es für jeden von uns ein anderes Leben gibt, dass kein Leben dem anderen gleicht.

Es gibt eine Liste in meinem Notizbuch mit dem Titel: Fragen, die ich gerade lieber nicht gestellt bekäme. Ich habe sie vor zwei Wochen geschrieben, kurz nachdem ich einen Knoten in meiner Brust gefunden habe. Dort steht:
Wie geht es dir?
Wo siehst du dich in zehn Jahren?
Was willst du jetzt tun?
Glaubst du an ein Leben nach dem Tod?


Münsteraner Forum für Theologie und Kirche (MFThK)