Das neue Buch von Maja Lunde

Angesichts der Biene konnte man nur schwer glauben, dass es dort draußen etwas noch Perfekteres gab, nicht einmal Gott.

"Hat Gott dich verlassen, Vater?" Wenn es nur so einfach gewesen wäre, wenn es nur etwas mit unserem Herrgott zu tun gehabt hätte. Dagegen, seinen Glauben zu verlieren, gab es ein einfaches Heilmittel: ihn wiederzufinden. Während meines Studiums hatte ich mich immer wieder in die Bibel vertieft. Sie war mein ständiger Begleiter gewesen, jeden Abend hatte ich sie mit ins Bett genommen. Unablässig suchte ich nach einem Zusammenhang zwischen meinem Fach und der Schrift, zwischen den kleinen Wundern der Natur und den großen Worten auf dem Papier. Vor allem die paulinischen Schriften hatten es mir angetan. Ich konnte gar nicht zählen, wie oft ich mich schon in Paulus' Brief an die Römer vertieft hatte, weil er so viele seiner Grundgedanken enthielt. Näher konnte man einer paulinischen Theologie gar nicht kommen. Freigemacht aber von der Sünde, seid ihr Sklaven der Gerechtigkeit geworden. Was bedeutete das? War vielleicht nur der wirklich frei, der auch gefesselt war? Das Rechte zu tun konnte ein Gefängnis sein, eine Gefangenschaft, aber man hatte uns den Weg gewiesen. Warum gelang es uns dann nicht? Nicht einmal in der direkten Begegnung mit dem Schöpfungswerk, das so überwältigend war, dass es einem den Atem raubte, glückte es dem Menschen, das Rechte zu tun.

Zwei gläubige Zoologen spielen in dem Roman von Maja Lunde eine wichtige Rolle: der Naturforscher und Mystiker Jan Swammerdam, der mit dem Seligen Niels Stensen befreundet war, und der Priester und Bienenforscher Johann Dzierzon. Über Swammerdam heißt es:
Er hatte im 17. Jahrhundert gelebt und war von seinen Zeitgenossen nie richtig anerkannt worden, vielleicht gerade weil er die Schöpfung in all ihren natürlichen Facetten so deutlich in Beziehung zur Schöpferkraft setzte.
In dem Roman wird aus Swammerdams "Biblia Naturae" zitiert:
"Aus so wenigen Beispielen kann man ersehen, was für Wunder an den Insekten zu bemerken sein müssen, und wie dienlich uns die Untersuchung ihrer natürlichen Beschaffenheit zur Verherrlichung des göttlichen Rahmens sein könne, der große Dinge tut, die man nicht ergründen kann, und Wunder, die man nicht erzählen kann."


Quelle: BZV Sulzbach-Rosenberg

Münsteraner Forum für Theologie und Kirche (MFThK)