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Zum Tod von Lotte Tobisch

Ich bin nicht religiös im herkömmlichen Sinn, ich muss sagen: leider; ich beneide alle Menschen, die wirklich religiös sind und ohne zu zweifeln an einen guten und gerechten Gott glauben können. Ich beneide sie und habe den höchsten Respekt vor ihnen. Aber auch vor den religiösen Institutionen. Ich finde nichts schlimmer und auch dümmer, als wenn militante Atheisten sagen, das sei alles Humbug und gläubige Menschen seien alle schwachsinnig. Das ist nur präpotent, unverschämt, intolerant und ungeheuer überheblich. Die Milliarden Menschen verschiedener Konfessionen sollen alle schwachsinnig sein? Ob Gott die Menschen oder die Menschen Gott erschaffen haben, darüber kann man diskutieren. Aber eines muss doch jedem klar sein: dass alle Religionen dazu erdacht wurden, damit die Menschen als Menschen miteinander überhaupt leben können. Dass die Menschen trotzdem immer wieder aufeinander losgehen und sogar die Religionen als Vorwand dafür nehmen, spricht nicht gegen die Religionen, sondern nur gegen die Menschen.

Die Bergpredigt ist einer der schönsten Texte, die es auf der Welt gibt.

So oder so: Ob Gott die Menschen oder die Menschen Gott erfunden haben – mit der Geschichte des Kindes von Bethlehem beginnt das Wunder der jüdisch-christlichen Kultur des Abendlandes. Und darum sollte man den importierten Weihnachtsmann aus Wien hinauswerfen und den Kleinen ihren Altersgenossen, das Wiener Christkindl, wiederschenken.

Ärzte werden bestätigen, dass es unmöglich ist, das tägliche gesehene und erlebte Leid mitzuleiden. Das bedeutet aber nicht, dass man nicht mitfühlen kann. Wer mitfühlt, muss nicht zwangsläufig mitleiden. Das ist vermutlich ein Trugschluss unserer jüdisch-christlich geprägten Kultur. Würden wir all das Unrecht und all die Grausamkeiten, die wir täglich durch Medien binnen Sekunden ins Wohnzimmer zu hören und zu sehen bekommen, mitleiden, würden wir krank werden.

So wie Luftmangel zum Tod führen kann, kann auch eine mangelhafte Zufuhr der für eine Demokratie kulturell erforderlichen Werte zu deren Niedergang beitragen.

Ich halte Papst Johannes Paul II., obwohl an ihm soviel ausgesetzt wird und ich sicherlich nicht in allen Punkten seiner Meinung bin, für einen heiligen Mann.


Münsteraner Forum für Theologie und Kirche (MFThK)