Zu Lewitscharoffs Dresdner Rede

Die Schriftstellerin Sibylle Lewitscharoff ist spätestens seit der Verleihung des Büchner-Preises auch in theologischen und kirchlichen Kreisen bekannt. Dem Kölner Domradio gab sie gerade ein Interview, das vom Dichtertheologen Christian Lehnert geführte Liturgiewissenschaftliche Institut der VELKD in Leipzig lud sie zur Jubiläumsveranstaltung ein und das Bistum Hildesheim ließ sie beim Aschermittwoch der Künstler auftreten. Im Literaturprogramm des Katholikentages in Regensburg wird sie ebenfalls vertreten sein. Lewitscharoff sei "bekannt als überzeugte Katholikin", erfuhr man heute auf 3sat. Ein Irrtum: Wenn sie z.B. Martin Mosebachs Kritik an der Liturgiereform unterstützt, tut sie das als pietistisch geprägte Protestantin. Die Ausführungen ihrer Dresdner Rede verteidigt Lewitscharoff mit dem Hinweis, sie vertrete ein Menschenbild, "das stark aus dem Christentum kommt" (im FAZ-Gespräch mit Hubert Spiegel). Matthias Heine, Feuilletonredakteur der "Welt", bemerkt, Frau Lewitscharoff trete "seit längerer Zeit mehr und mehr als 'christliche' Stimme auf." Insofern darf man gespannt sein, welches Echo ihre Rede in theologischen und kirchlichen Kreisen findet. "Hören Sie nicht auf Frau Doktor Frankenstein", titelt die FAZ zur Rede Lewitscharoffs. Kann man ihr auf dem Katholikentag in Regensburg noch so zuhören als sei diese Dresdner Rede nie gehalten worden? Könnte man nicht ergänzend zu ihrer Lesung eine Diskussion mit Lewitscharoff zu ethischen Fragen am Lebensbeginn und Lebensende ins Programm aufnehmen? Aber wie kann man mit einer Frau diskutieren, die sich öffentlich auf eine irrationale "Abscheu" beruft, die bei ihr "stärker als die Vernunft" sei? (MFThK, 6.3.14)

Münsteraner Forum für Theologie und Kirche (MFThK)