In einem seiner jüngsten Aufsätze (in dem Tagungsband "Von der Ordnung zur Norm", Paderborn 2010) erinnert der Münchner Rechtshistoriker Peter Landau an "die großartige Feststellung des vierten Laterankonzils von 1215, dass sogar das göttliche Recht verändert werden könne, da es von Jesus Christus erneuert worden sei":

"Non debet reprehensible iudicari, si secundum varietatem temporum statuta quandoque varientur humana, praesertim cum urgens necessitas vel evidens utilitas id exposcit, quoniam ipse Deus ex hiis quae in Veteri Testamento statuerat, nonnulla mutavit in Novo."

"Es darf nicht als tadelnswert beurteilt werden, wenn gemäß dem Wechsel der Zeiten menschliche Beschlüsse irgendwann einmal verändert werden, besonders wenn eine dringende Notwendigkeit oder der offensichtliche Nutzen dies fordert, da ja Gott selbst einiges von dem, was er im Alten Testament festgestellt hatte, im Neuen geändert hat."

Landau nennt diesen Passus des Laterankonzils ein Beispiel dafür, "welche Akzeptanz von Innovation die Epoche des 12. und des 13. Jahrhunderts ausgezeichnet hat."
Wieviel Innovation ist der Kirche in der Epoche des 21. Jahrhunderts zuzutrauen?


Münsteraner Forum für Theologie und Kirche (MFThK)