Der neue Roman von Karine Tuil

"Vielleicht sollten wir nicht danach streben, glücklich zu sein, sondern nur danach, das Leben erträglich zu gestalten."

"Wer ist schon Platon im Vergleich zu Rabbi Akiva?"

Er war wütend auf die ganze Welt. Also suchte er nach Erklärungen. [...] Das Judentum bot ihm keine Antworten, aber es bot Fragen – alle Fragen. Und Kommentare, Millionen von Kommentaren. Das reichte aus, um ihm einen Teil seiner Ängste zu nehmen. Er las das Buch Hiob und stellte fest, dass er nicht allein war. Ein anderer vor ihm hatte auch schon so sehr gelitten.

"Man sollte niemals vergessen, dass die einzige Konstante im Leben die Enttäuschung ist."

"Ich glaube an die tröstlichen Eigenschaften der Literatur." Er nahm mehrere Bücher von seinem Schreibtisch und schob sie in eine Tasche, die er ihr reichte. "Ich habe diese Werke ausgesucht, weil ich hoffe, dass sie dir helfen können. Lies vor allem Rilke: Du musst das Leben nicht verstehen – das sagt alles." Er holte geräuschvoll Luft, als sei ihm der Hals eng geworden, und fuhr fort: "Die Erfahrung hat mich eines gelehrt: Das Leben bietet uns sehr wenige Gelegenheiten, glücklich zu sein. Die Liebe ist eine davon. Aber sie ist selten und ihre Dauer begrenzt. Das Lesen jedoch kann man täglich neu genießen. Ja, lesen ist das Einzige, was mich vollkommen glücklich gemacht hat."

"Die meisten Menschen ziehen die Bequemlichkeit dem Risiko vor, weil sie Angst vor einer Veränderung oder einem Scheitern haben, dabei müssten sie am meisten Angst vor einem vergeudeten Leben haben."


Münsteraner Forum für Theologie und Kirche (MFThK)