Zum 100. Todestag von Julius Bachem (22. Januar 2018)

Zitate von Julius Bachem

Die Parole "Katholisch ist Trumpf" ist ebenso unrichtig wie unklug.

Das Zentrum unterstützt die Polen nicht, weil sie Katholiken sind, sondern weil ihnen nach seiner Überzeugung unrecht geschieht. Die Politik des Hakatismus negiert die Gleichheit aller Staatsbürger vor dem Gesetz.

Eine Flutwelle konfessioneller Erregung und konfessionellen Haders geht wieder über Deutschland hin. Wenn solche Zustände sich entwickeln, liegt die Schuld niemals auf einer Seite allein.

Wenn es ein Wort gibt, mit dem in Deutschland viel Unfug getrieben wird, so ist es das Wort "national". Im Kampf der Parteien sollte man sich hüten, dem politischen Gegner die nationale Gesinnung abzusprechen. Das Wort "antinational" sollte aus dem Lexikon der Kraftsprüche, die im politischen Kampf angewandt zu werden pflegen, gestrichen werden.

Im Interesse des konfessionellen Friedens ist zu bedauern, dass die Kurie sich in der Frage des Antimodernisteneides augenscheinlich von den besonderen Verhältnissen Deutschlands nicht hinlänglich Rechenschaft gegeben hat. Das gilt auch für den Passus über die Reformation in der Borromäus-Enzyklika.

Was hat das Zentrum mit der Borromäus-Enzyklika oder dem Antimodernisteneid zu tun? Hat es sie etwa veranlaßt? Hat es sie gewünscht oder, nachdem sie ohne sein Zutun ergangen waren, von Partei wegen begrüßt? Das wird niemand behaupten können. Das Zentrum hat keineswegs als Fraktion alles zu vertreten, was die Kurie zu tun oder zu unterlassen für gut befindet.

Man muß von einer antiklerikalen Flutwelle reden. Überall sieht man sie und hört weithin ihr Getöse. Sie geht über fast alle Länder Europas hin, hier stärker, dort weniger stark brandend, je nach Charakter und Temperament der Bevölkerung und je nach der Entwicklung der politischen, sozialen und kirchlichen Verhältnisse der einzelnen Länder. Ohne schwere Mitschuld der katholischen Kreise, namentlich der führenden Kreise, haben die Dinge diese Entwicklung nicht nehmen können. Aus dem öffentlichen Leben ihrer Länder ausgeschaltet oder in der Einflußnahme stark zurückgedrängt, haben die Katholiken jetzt Muße, nicht nur über unheilvolle Zeiterscheinungen zu wehklagen, sondern auch darüber nachzudenken, was sie getan und unterlassen, um eine solche Entwicklung zu ermöglichen oder zu erleichtern.


Münsteraner Forum für Theologie und Kirche (MFThK)