Zum 100. Todestag von Joseph Bautz (19. März)

In seinem Artikel über Joseph Bautz in der dritten Auflage des LThK schrieb Gisbert Greshake nur einen Satz:
Die Behandlung der von ihm bevorzugten eschatologischen Themen (deswegen sein Beiname "Höllen-Bautz") ist das Musterbeispiel für eine hermeneutisch nicht reflektierte Eschatologie, die in eine "Physik der Letzten Dinge" (Y. Congar) entartet ist.

Da Bautz, jeder Belehrung unzugänglich, sich und die Kirche durch seine "Methode" und deren fragwürdige Ergebnisse in Verruf gebracht hatte, ging Dölger dem "Höllenbautz" lieber aus dem Wege. Der Verfasser dieser Biographie hat noch zu Beginn der zwanziger Jahre als Religionslehrer in Detmold (Lippe) zu spüren bekommen, wie sehr die unklugen eschatologischen Lehren des damals schon verstorbenen münsterischen Dogmatikers das Urteil vieler evangelischer Christen über die katholische Kirche bestimmten und den Frieden zwischen den beiden Konfessionen störten.
Theodor Klauser in der Biographie seines Lehrers Franz Joseph Dölger (1980)

In einem andern, furchterregenden, nur von Menschen mit taustarken Nerven lesbaren Werk über die Hölle begründete Bautz seine These, dass die Höllenteufel die im innersten Kern unseres Planeten befindliche Hölle sporadisch verlassen und an die Oberfläche der Erdkruste kommen, um die Menschen zu verführen. Die Teufel nähmen ihrer Substanz nach innerlich im Menschen Wohnung, wobei es vorkomme, dass die Teufel in einem Tierleib aufträten oder, was zumeist der Fall sei, bloß in Gestalt eines Tierwesens. [...] Professor Bautz, dem seine engeren Fachkollegen den Spitznamen Höllenbautz gaben, wurde dadurch denkmalmäßig geehrt, dass seine Gesichtszüge dem an einer Kirche in Münster aufgesockelten Erzengel Michael eingemeißelt wurden.
Rudolf Amelunxen (1957)
Frage an die Bistumshistoriker: Um welche Kirche in Münster handelt es sich?

Die plastisch-apokalyptischen Bilder eines ewigen Feuerpfuhls – von Dante bis (um Großes mit Kleinem zu vergleichen!) Bautz – haben die Hölle weithin einer ernsthaften Diskussionswürdigkeit beraubt und sie eher noch stärker als das Paradies mit seinen lichten Kulissen diskreditiert.
Helmut Thielicke (1978)

Peter Dinzelbacher kritisierte die Darstellung Bautz' in Herbert Vorgrimlers "Geschichte der Hölle":
Bautz wird als "der katholische Höllenfachmann" abqualifiziert, was ihm insofern nicht gerecht wird, als sein Buch über die Hölle 1. wenig anderes tat als zu wiederholen, was offizielle Lehrmeinung der Catholica, speziell des Thomismus, war bzw. ist, und er sich 2. keineswegs, wie insinuiert wird, einseitig auf die Qualen der Unterwelt konzentrierte, sondern genauso Bücher über das Fegefeuer, den Himmel, das Weltgericht und die Auferstehung schrieb, also eine Gesamteschatologie verfaßte.
(Rezension in Archiv für Kulturgeschichte 80, 1998, 485-487)


Münsteraner Forum für Theologie und Kirche (MFThK)