Das neue Buch von Johannes Hürter

Brief an die Mutter, Münster 16. Januar 1939
[Ich] musste früh um 8 nach Detmold, wo in Erinnerung an die Lippewahl im Jahre 33 große nationalsozialistische Feier war. Gisela begleitete mich, damit sie doch einmal den Teutoburger Wald kennen lernte. Sie nahm mit mir als Ehrengast teil und hörte sich die Rosenberg-Rede an. Er sprach 1 Stunde über die greulichen Juden. Die Judenfrage sei erst gelöst, wenn es keinen Juden mehr in Deutschland gebe und sie seien entschlossen, das auch durchzusetzen. Am besten wäre es überhaupt, wenn in ganz Europa kein Jude mehr sei! Zum Schluss wandte er sich auch noch gegen die Kirchen, weil sie den Antisemitismus verurteilten. Er führte alle möglichen judenfreundlichen Äußerungen an, von Pfarrern, worauf das ganze Publikum rief: Aufhängen! Aufhängen! (Die Pfarrer).

Brief an die Eltern, Berlin 25. Juni 1937
[...] Jetzt sind hier Bekenntnispfarrer verhaftet, auch gegen die Katholische Kirche geht der Krieg. Es ist keine gute Sache. Man sagt, die Kirchenwahl solle demnächst stattfinden mit der Frage: Willst Du Deinem Führer vertrauensvoll die Ordnung der Kirche in die Hände legen? [...]

Brief an die Eltern, Berlin 4. Februar 1934
[...] Hitlers Rede hat uns sehr gefallen. Das einzige, was wohl schief gesehen war, war der Passus bzgl. der Kirche. Sie läuft ja nicht gegen den naz.soc. Staat, sondern gegen die Irrlehrer an. Die Fürstensätze waren ganz anders gemeint als sie die Reichstagsleute verstanden haben. Hitler hat doch nur sagen wollen: Das deutsche Volk soll später einmal darüber entscheiden, was für eine Regierungsform es will. Die Vorbedingungen für diesen Entschluss will ich schaffen. Es war aber bezeichnend für die Leute im Reichstag, wie der Beifall am stärksten bei den Worten gegen die Kirche und bei den scheinbar gegen die Fürsten gerichteten Ausführungen war.

Brief an die Eltern, Kolberg 20.5.1934
Göbbels hat uns mit seiner großen Rede gegen die Miesmacher wohl auch nicht genützt. Die Worte gegen die Katholische Kirche waren wie ein Peitschenhieb ins Gesicht und das vergessen die Cardinäle in Rom sicher nicht. Man erzählt, die Kirche sei bereits gewillt, das Konkordat zu kündigen.

Brief an seine Frau, Kopyl 11. Juli 1941
Hier im wirklichen Russland sind die Kirchen nun alle zerstört. Die Kreuze sind von den Türmen entfernt. Hier in Slusk ist die griechisch-katholische Kirche zerstört, aus ihren Steinen ist ein Gauleiter-Haus an ihrer Stelle im Bau. Die römisch-katholische Kirche ist eine Selterwasserfabrik. Die protestantische ist mit einer Fabrik zusammenvereinigt. In den Dörfern sind die Gotteshäuser - soweit wir es gesehen haben - Spritzenhaus oder Lagerräume geworden. Ob nun doch ein Gottesgericht über diese Zerstörer hereinbricht?


Münsteraner Forum für Theologie und Kirche (MFThK)