Zum 100. Todestag von Heinrich Hansjakob

Beisetzung des Hochw. Herrn Stadtpfarrers und Volksschriftstellers Dr. Heinrich Hansjakob am 25. Juni
Kurz vor 3 Uhr begab sich die Prozession zum Eigenhaus des Verstorbenen, eine niedliche Behausung im Schwarzwaldstile mit angebauter Kapelle. Herr Stadtpfarrer Albrecht in Haslach nahm die Einsegnung vor. Der Zug setzte sich in Bewegung am Geburtshause, Gasthaus zur "Sonne", zuerst Schulen, Feuerwehr, Gesangverein, die beiden Herren Bürgermeister: Altbürgermeister Hättig und Amtsbürgermeister Fackler, mit dem Stadtrate, die auswärtigen Vertreter der Stadt-und Landgemeinden, Vereine und wissenschaftlichen Kollegien, die Geistlichkeit, Leichenwagen mit dem Verblichenen, Angehörige und sonstige Teilnehmer. ... Bei brennender Sonnenhitze zog der lange Leichenzug nach dem "Paradiese" des Entschlafenen, dem idyllisch gelegenen Hofstetten, in das einfache Dorfkirchlein. … Nach der kirchlichen Trauerfeier zog der Leichenzug nach der eine Viertelstunde entfernten Grabkapelle. … Nach der Gruftsegnung wurde der Leichnam in dieselbe eingelassen. Kein Auge blieb bei diesem ergreifenden Augenblick trocken. Der Gesangverein Haslach trug ein Grablied vor. Es folgten die Kranzniederlegungen mit Ansprachen. ... Herr Rechtsanwalt und Abgeordneter Fehrenbach, Präsident des Münsterbauvereins, pries ihn als echten Volksmann. Er kannte die Schmerzen des kleinen Mannes, seine Gestalten in seinen Büchern sind dem Leben des Kinzigtales abgelauscht. Durch seine Werke von Gottes-und Volksgnaden wird er fortleben. ... Seine Kanzel war ein apologetischer Lehrstuhl, seine Schriften haben in jenen Kreisen, deren Zutritt sonst dem Geistlichen verschlossen ist, viele Vorurteile gehoben. Der Mann des Widerspruches, des unruhigen, leidenschaftlichen Draufgängertums, der mit St. Augustin sagen konnte: "Unruhig ist unser Herz, bis es ruhet in dir, o Gott" hat sich selbst als Grabschrift gewählt: "Quieti ab inquieto. Qui Mariam absolvisti et latronem exaudisti, mihi quoque spem dedisti" - "der Ruhe von einem Ruhelosen, der du Maria Magdalena losgesprochen und einen Straßenräuber erhört hast, auch mir hast du Hoffnung gegeben."
(Badischer Beobachter Nr. 291, 27. Juni 1916, S. 2)


Münsteraner Forum für Theologie und Kirche (MFThK)