Das neue Buch von Axel Hacke:
Die Tage, die ich mit Gott verbrachte

"Sind Sie nicht hier, weil Sie unglücklich sind mit dem, was Sie geschaffen haben?", fragte ich.
"Ja", sagte Gott.
"Und weil Sie Trost benötigen?"
"Ja."
"Und nicht nur das, sondern mehr?"
Er nickte langsam.
"Verzeihung?"
Er nickte so langsam, dass es kaum zu erkennen war.

Ohne diesen eigenartigen einsamen Gott auf der Suche nach Verzeihung und Versöhnung gäbe es mich nicht.

War es möglich, dass Gott hier war, weil er Trost brauchte? Darauf kommt man ja nicht so leicht, wenn man an Gott denkt, denn Milliarden von Menschen suchen Tag für Tag Trost bei etwas, das sie für Gott halten. Wer hat da den Gedanken, dass es Gott ist, der getröstet werden muss, weil er schließlich weiß, dass er der Zentralverantwortliche ist für all das Unheil, das sich immer von Neuem über die Welt ergießt?

"Wie kann man eine Welt schaffen, deren Kern die Gleichgültigkeit ist!?"
"Weil ich nicht einzelne Menschen geschaffen habe, sondern nur das Leben. Jeder Einzelne von euch verschwindet, aber das Leben bleibt", antwortete Gott.

"Allmacht wird überschätzt", seufzte Gott. "Sie reicht nicht zurück, sie wirkt nur nach vorne."
"Dann ist sie ja keine Allmacht."
"Ich sagte dir doch schon: Manche Dinge übersteigen eure Vorstellungskraft."

Wir sind alle Teilnehmer eines großen Schauspiels. Man kommt und man geht auf die Bühne. Mancher hat eine große, der andere eine kleine Rolle. Und ich bin mittendrin. Das macht mich glücklich.



Münsteraner Forum für Theologie und Kirche (MFThK)