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Zum Tod von Gudrun Pausewang

Universum im Universum
Von Gudrun Pausewang
Bettina: Vati, was ist denn hinter dem Himmel?
Vater: Da ist das Universum, von dem wir nicht wissen, wo es sein Ende hat und ob es überhaupt ein Ende hat – ein Raum, in dem unzählige Planeten um Sonnen kreisen.
Bettina: Gibt es denn mehr als eine Sonne?
Vater: Es gibt zahllose Sonnen. Wir können sie nur nicht sehen. Und es gibt Milliarden von Sternen, kleiner und größer als unsere Erde.
Bettina: Aber wie können die denn alle noch Platz im Universum haben? Unsere Erde ist doch schon so riesig!
Vater: Das scheint uns nur so, weil wir viel kleiner als die Erde sind. Unser Planet, auf dem wir uns zu Hause fühlen, ist nur wie ein Staubkorn im Universum.
Bettina: Wie ein Staubkorn? Wie groß muss da das Universum sein! Aber wir sind genau in seinem Mittelpunkt, nicht wahr?
Vater: Wir wissen nicht, wo der Mittelpunkt des Universums ist. Von dir aus gesehen bist jedenfalls du der Mittelpunkt.
Bettina: Wenn aber unsere Erde nur wie ein Staubkorn mitten im Universum ist – was sind dann wir?
Vater: Es kommt darauf an, wie man's betrachtet. Im Universum sind wir fast ein Nichts.
Bettina: Ach –!
Vater: Aber vergiss nicht, dass wir aus unzähligen kleinen und kleinsten Teilchen bestehen, so kleinen Teilchen, dass man sie nicht einmal mehr mit bloßem Auge sehen kann. Für jedes dieser Teilchen sind wir ein Universum.
Bettina: Also bin ich ein Universum im Universum?
Vater: So ist es. Und dein kleinster Blutstropfen ist wieder ein Universum in dir.
Bettina: Da wird einem ja ganz schwindlig, Vati!
Vater: Du kannst ganz ruhig sein, Bettina: Wir sind gewollt. Ganz bestimmt sind wir gewollt und eingepasst als Teil einer großen Ordnung. Du kannst nie ins Nichts fallen.
(Quelle: G. Pausewang: Ich gebe nicht auf. Geschichten, Gebete, Gedichte. Baden-Baden 1987. S. 141f.)

Ein persönliches Gebet
Von Gudrun Pausewang
Lieber Gott,
du weißt, ich könnte wunderbar sein:
immer ehrlich und freundlich und brav und gehorsam, ordentlich gekämmt und sauber hinter den Ohren, fleißig in der Schule, Bücher und Hefte ohne Eselsohren und im Spielzeugschrank alles in Reih und Glied.

Aber du weißt auch, lieber Gott, wie mühsam das ist.
Ich schaff das so gut wie nie. Es ist so viel einfacher und leichter, seine miese Laune anderen auszulassen und faul und unordentlich zu sein und zu schwindeln.
Und es macht Spaß, den großen Leuten Streiche zu spielen und das zu tun, was sie verbieten.

Das alles weißt du und verstehst du.
Also bitte, vergiss nie, wie wunderbar ich wäre, wenn ich so wäre, wie ich sein könnte.
Ich versprech' dir: Ich gebe mir auch Mühe.
Oft.
Manchmal.
(Gudrun Pausewang, zit. n. W. Trutwin, Zeit der Freude. Düsseldorf 2014. S. 87)

Christ-sein – gleichgültig in welcher Zeit – sollte heißen: verändern. Es gilt, die Gestalt und Lehre Jesu zu entkrusten und aus dem Blickwinkel der Urchristen zu sehen. Wird aus dieser Sichtweise heraus das Christ-sein nicht atemberaubend aktuell?
(Quelle: Christ in der Gegenwart Nr. 16, 17.4.1988)

Unterschwellig scheinen Sie ja anzunehmen, dass ich Atheistin bin. Das bin ich ganz und gar nicht. Aber ich kann an den "persönlichen" Gott der Christen nicht glauben. Religiöses Nachdenken – warum denn nicht? Aber nicht nur auf dem christlichen Gleis. Über den Begriff Gott kann man auch nachdenken, wenn man kein Christ ist.
(Gudrun Pausewang im Interview mit Lothar Kuld, in: ru 29 Jg., Heft 3/1999, S. 99)

Buchbesprechungen Texte von Gudrun Pausewang Reaktionen auf den Tod Gudrun Pausewangs Sekundärliteratur

Münsteraner Forum für Theologie und Kirche (MFThK)