Der neue Roman von John Green

Liebe ist der Weg, der dich zum Menschen macht.

"Der Irrsinn des Reichtums", murmelte meine Mutter. "Manchmal denkt man, man verschwendet Geld, aber in Wirklichkeit verschwendet das Geld uns." Sie starrte in ihren Tee und dann wieder zu mir. "Aber nur, wenn man es anbetet. Man ist immer nur der Diener dessen, was man anbetet."
"Wir müssen also aufpassen, was wir anbeten", sagte ich.

Die meisten Erwachsenen sind ausgehöhlt. Man kann ihnen zusehen, wie sie versuchen, ihre innere Leere mit Alkohol oder Geld oder Gott oder Ruhm zu füllen oder was immer sie verehren, dabei lässt es sie von innen verfaulen, bis nichts mehr übrig ist außer dem Geld oder dem Schnaps oder Gott oder welcher Ersatzreligion sie sonst nachgejagt sind.

Vielleicht hast du auch schon mal geliebt. Ich meine wahre Liebe, die Art von Liebe, die meine Großmutter meinte, wenn sie den Ersten Brief des Apostels Paulus an die Korinther zitierte, die Art von Liebe, die gütig und geduldig ist, die nicht neidet oder prahlt, die alles erträgt und alles glaubt und alles übersteht. Ich werfe nicht gern mit dem L-Wort um mich; es ist zu edel und zu kostbar, um es durch übermäßigen Gebrauch abzunutzen. Man kann ein gutes Leben führen, ohne die wahre Liebe zu kennen, Liebe von der Korinther-Sorte, doch ich war gesegnet, denn ich hatte die wahre Liebe in Harold gefunden. Harold war ein 16 Jahre alter Toyota Corolla.

Der Unterschied zwischen lebendig oder nicht lebendig – das ist etwas. Aber von den Sternen aus betrachtet, gibt es fast keinen Unterschied zwischen den verschiedenen Arten von lebendig, zwischen mir und dem frisch gemähten Gras, auf dem ich liege. Beide sind wir Unwahrscheinlichkeiten: das, was im Universum einem Wunder am nächsten kommt.

Wir hatten nie viel geredet oder uns angesehen, aber das war egal, weil wir zusammen denselben Himmel sahen, was viel intimer ist, als einander in die Augen zu sehen. In die Augen kann man jedem sehen. Aber jemand zu finden, der dieselbe Welt sieht, ist ziemlich selten.

"Mich stört es nicht, wenn Leute sich Sorgen machen", sagte ich. "Sorgen sind die angemessene Reaktion auf das Leben. Das Leben ist besorgniserregend."

"Jungs sind eklig", sagte ich. "Alle sind eklig. Die Menschen und ihre ekligen Körper. Mir wird schlecht, wenn ich nur daran denke."

Das war die Geschichte, die immer alle hören wollten – aus Dunkelheit wurde Licht, aus Schwäche Stärke, Zerbrochenes wurde wieder ganz.

Ich dachte die ganze Zeit über die Frage nach, ob die Tatsache, dass mehr als die Hälfte der Zellen in meinem Körper nicht meine sind, die Definition von "ich" als Singular-Pronomen nicht infrage stellt, ganz zu schweigen vom "Ich" als Lenker meines Schicksals.

Vielleicht bin ich bloß eine Lüge, die ich mir selbst einflüstere.

"Was ich mich frage, ist, gibt es überhaupt ein Selbst, unabhängig von den Umständen? Ist da ein tieferes Ich, das die echte, wahre Person ist, dieselbe Person, egal, ob sie arm oder reich ist, egal, ob sie einen Freund hat oder nicht, egal, ob sie auf die eine Schule geht oder auf die andere? Oder bin ich bloß eine Situation, eine Folge von Umständen?"

Du hältst dich für den Künstler, aber du bist die Leinwand.

"Wenn Chewie und Rey in heißer, haariger, empathischer Liebe vereint waren, dann sollten wir Gott danken, dass zwei willige, erkenntnisfähige Erwachsene zueinandergefunden haben in dieser kaputten dunklen Galaxie."

Wir Menschen sind so auf die Sprache angewiesen, dass wir, was wir nicht benennen können, kaum begreifen. Und dann tun wir so, als wäre es nicht real.

"Ich mag kurze Gedichte mit schrägem Reimschema, weil so das Leben ist."
"So ist das Leben?" Ich versuchte zu verstehen, was er meinte.
"Ja. Das Leben reimt sich, aber nie an der Stelle, wo man es erwartet."

Die Welt ist Milliarden von Jahren alt und das Leben das Produkt genetischer Mutationen. Aber die Welt ist auch die Geschichten, die wir über sie erzählen.

Das Leben ist Sehnsucht.


Münsteraner Forum für Theologie und Kirche (MFThK)