Testimonium perhibere veritati

Am 15. August 2013 hat Georg Gänswein im Freiburger Münster gepredigt, die Medien haben darüber ausführlich berichtet. Der Text der Predigt ist bisher noch nicht im Internet veröffentlicht worden, lediglich Pressevertreter haben den Text bekommen – ohne Quellenverweise. Das Erzbischöfliche Ordinariat Freiburg wurde nicht zur Veröffentlichung autorisiert. Georg Gänswein hat in seiner Predigt einen diskussionswürdigen Satz gesagt: "Für die Wahrheit ist nicht das Alter, sondern die Übereinstimmung mit der Wirklichkeit maßgebend."
Der Satz von Georg Gänswein stammt allerdings nicht von ihm selbst, sondern aus einer Predigt von Georg May. Aus dieser Predigt hat Gänswein den kompletten Beginn seiner Predigt übernommen (bis "...nicht weniger wahr, auch wenn sie erst in später Zeit erkannt worden sind"). Auffällig sind in der Predigt von Gänswein auch noch lange Zitate aus Büchern Ratzingers, vor allem aus "Dogma und Verkündigung" S. 410-413. Diese Stelle in der Predigt Gänsweins ist identisch mit dem letzten Absatz dieses Textes von Ratzinger. Eine andere Stelle in der Predigt Gänsweins ist stark angelehnt an einen Text Ratzingers aus "Mitarbeiter der Wahrheit" (ab "Unsterblich also ist ..."). Statt "Und das ist es, was uns mit tiefer Freude erfüllen sollte" sagt Gänswein dann z.B. "Das ist es, was uns an diesem heutigen Festtag mit tiefer Freude erfüllen soll". Die Predigt Gänsweins wirft eine Grundfrage heutiger Homiletik im Zeitalter des Scannens und Googlens auf: Wie lang dürfen die Zitate sein, die ich aus Predigten und Büchern fremder Federn in meine Predigt einbaue, ohne dass ich ihre Urheber kenntlich mache?

Münsteraner Forum für Theologie und Kirche (MFThK)