Der neue Roman von Gerhard Falkner

Die Freiheit, die dadurch in die Welt kam, dass Gott in seiner Allmacht sich nicht darauf festlegen wollte, ob der Mensch gut sei oder böse, und er ihm daher die Wahl ließ, der Sünde zu widerstehen oder nicht, ist heute ganz ihres göttlichen Ursprungs beraubt und damit natürlich auch dem Segen der Gnade entzogen. Sie beschränkt sich grob gesagt darauf, zu kaufen, was man will, und zu reisen, wohin man möchte. Die sogenannten Dinge des täglichen Lebens, die offen für Geld zu erwerben sind, versuchen darüber hinwegzutäuschen, dass alles andere, außer vielleicht einem herzlichen Lachen, inzwischen ebenfalls auf dem Einkaufszettel steht. Liebe, Verehrung, Erfolg, in hohem Grade bereits die Gesundheit und sogar unsere verrückte Selbstachtung. Dass Gott in seiner Allwissenheit natürlich alle Verdammten von vornherein im Auge gehabt haben muss, denn wie hätte er nicht wissen können, wer sich wie entscheidet, das schuf ein theologisches Problem. Die Antwort der Scholastiker: Gott weiß nicht, was er weiß, verriet eine gewisse Größe, weil sie in sein ens absolutum das Moment seiner Negation einzubegreifen wusste.
Mit der Vorstellung von Freiheit wurde, seit man den Begriff dafür kennt, allerdings viel Unfug getrieben. Nachdem die amerikanischen Verkürzungen dieser universellen Kategorie, wie sie in der Bill of Rights ihren Niederschlag gefunden hatte, eine ganze Weile eine Wohltat für die Welt und die Menschheit bedeuteten, ist sie heute ein Idiotenidol, das vollkommen ohne Inhalt ist - also tendenziell auch wieder etwas Religiöses.

Münsteraner Forum für Theologie und Kirche (MFThK)