8. Folge, 8.3.20
"3 Fragen an ..." – Das MFThK-3-Fragen-Interview
Drei Fragen an Prof. Dr. Martin Dürnberger
anlässlich des Erscheinens seines Buches

MFThK-Leseprobe aus Martin Dürnbergers "Basics Systematischer Theologie"

Wie würden Sie Ihren theologischen Ansatz in dem Buch charakterisieren? Wo würden Sie ihn in der theologischen Landschaft der deutschsprachigen Länder verorten?

Allgemein gesprochen bin ich ein Kind der anthropologischen Wende, das ein gewisses Faible für Erkenntnistheorie und Elemente der Theorie kommunikativer Rationalität hat – und neuerdings einen leichten crush für Thomas von Aquin.
Auch im vorliegenden Buch lassen sich diese Grundorientierungen nicht verleugnen, allerdings gehe ich insgesamt klassisch vor – ich versuche also nicht, meinen spezifischen Ansatz zu argumentieren, sondern orientiere mich weitgehend am traditionellen Setting der demonstrationes. Zwar geht es gleich am Beginn dezidiert um epistemologische Basics, dann aber um die Champions League-Fragen der Theologie – nach Gott, nach Jesus Christus, der Kirche.
Zumindest an einer Stelle thematisiere ich aber explizit, wie all das mit meinem Ansatz verwoben sein könnte: Die vierte Zwischenreflexion bildet gewissermaßen – nach der Theodizee und vor der Christologie platziert – eine Art systematische Schaltstelle des ganzen Buches. Das ist gewissermaßen ein Cliffhanger, mehr verrate ich nicht. 😉

Die heutige Systematische Theologie muss an der Skylla popkultureller Anbiederung und Banalisierung ebenso heil vorbeikommen wie an der Charybdis eines unzeitgemäßen Archaismus und Traditionalismus. Wie muss der Kompass ausgerichtet werden, damit das gelingt?

Das ist tatsächlich eine zentrale Herausforderung – und vermutlich gibt es für sie keine definitiven Lösungen. Gerade wenn es um "Basics" und "Grundlagen" geht, kann man auf beiden Seiten leicht in Straßengräben fallen und liegen bleiben: in effekthaschende Comedy voller popkultureller Codes und in die ehrfurchtheischende Beschwörung der guten alten Zeit.
Ich persönlich lasse mich jedenfalls von der Idee einer gewissen spielerischen Leichtigkeit leiten, und zwar sowohl der Popkultur als auch den theologischen Klassikern gegenüber: Verbissenheit wäre ein schlechter Ratgeber – im Sinn von: Ich muss diese Referenz einbauen, ich muss jenen Theologen darstellen ... In den Basics kommt etwa Thomas an verschiedenen Stellen sehr ausführlich vor – aber nie deshalb, weil er nun mal zum Kanon gehört, sondern weil sein Denken in meinem Verständnis unglaublich geistreich ist und Esprit daraus hervorleuchtet.
Vielleicht ist dieses epistemische Lustprinzip ein Hinweis, wie man den Kompass am besten justiert: Vielleicht sollte man Popkultur und theologische Tradition nicht fest umarmen, sondern damit tanzen. Und für Tanz und Theologie gilt jedenfalls bekanntlich, was Beckett sagt: "Ever tried. Ever failed. No matter. Try again. Fail again. Fail better."

Welche Aufgaben halten Sie für die wichtigsten Aufgaben der Systematischen Theologie im 21. Jahrhundert?

Das Grundherausforderung scheint mir zu sein, dass sich Resonanzräume ständig verändern – Argumente mögen brillant und Gründe großartig sein: Aber wo (in Kirchen und Gesellschaften) sind die Räume, in denen sie gehört werden, in denen sie ankommen können und Gewicht haben? M.E. ist daher (nicht nur theologische) Wissenschaftskommunikation eine zentrale Zukunftsfrage (und das wiederum ist ein Grund, warum mir z.B. die Salzburger Hochschulwochen am Herzen liegen).
Wie begegnet man dieser Herausforderung? Ich glaube, dass eine theologische Schlüsselkompetenz die Improvisation ist. Wenn sich Akteur*innen und Parameter ständig dynamisch ändern, muss man in der Lage sein zu improvisieren. Genau das setzt aber solide Grundlagen voraus: Auf einem Instrument kann man nur improvisieren, wenn man es wirklich beherrscht. Theologisch heißt das: Man braucht unbedingt Grundlagen und Basics (und zwar Basics systematischer Theologie 😉).


Münsteraner Forum für Theologie und Kirche (MFThK)