"3 Fragen an ..." – Das MFThK-3-Fragen-Interview
Drei Fragen an Prof. Dr. Dorothea Sattler (Univ. Münster)
anlässlich des Briefes von Erzbischof Luis Ladaria an Kardinal Marx vom 25. Mai 2018

Was war Ihre erste Reaktion, als Sie den Brief lasen?

Ich war und bin überrascht. Ich habe angenommen, dass das Ergebnis der Beratungen in Rom war, dass die Deutsche Bischofskonferenz nach einem Weg suchen möge, Einvernehmen in dieser Thematik zu erreichen. Eine große Mehrheit der deutschen Bischöfe hat sich für eine pastoral sensible Lösung der Kontroverse bemüht. Ich leide mit den Bischöfen, die viel Zeit und Kraft mit dieser Initiative über viele Jahre hinweg verbunden haben.

Haben Sie eine Erklärung für diesen Brief?

Der Brief liegt sachlich auf der Linie der Antworten römischer Institutionen auf Initiativen anderer Bischofskonferenzen in dieser Thematik. Offenkundig soll nicht mit unterschiedlichem Maß gemessen werden. Zugleich erlaubt der kirchenrechtliche Text in dieser Frage eine Entscheidung von Bischofskonferenzen. Wir üben in der römisch-katholischen Kirche gegenwärtig einen angemessenen Umgang mit Mehrheiten und Minderheiten, Dissensen und Kontroversen in der eigenen Konfession ein. Offenkundig ist das mühsam. Synodalität müssen wir in der römisch-katholischen Kirche neu lernen.

Welche Konsequenzen wird der Brief für die Ökumene und Theologie in Deutschland haben?

Die pastorale Praxis ist viel offener im Blick auf die eucharistische Gemeinschaft in konfessionsverbindenden Familien, als dies die gegenwärtigen römisch-katholischen Richtlinien abbilden. Das weiß auch jeder Bischof. Ich hoffe, dass im Gedächtnis der Glaubenden bleiben wird, mit welcher Entschiedenheit die große Mehrheit der deutschen Bischöfe sich dafür ausgesprochen hat, die Liebe in der Ehe und in der Familie durch das gemeinsame eucharistische Mahl zu stärken. Kurzfristig erwarte ich Reaktionen aus der Enttäuschung heraus, nicht einmal ein so kleiner Schritt aufeinander zu in der Frage der Mahlgemeinschaft sei möglich. Wichtig wäre es nun, die Anstrengungen zu vertiefen, gemeinsam über das inhaltliche theologische Verständnis von Eucharistie und Abendmahl nachzudenken. Wir feiern das Gedächtnis Jesu Christi – das verbindet uns mehr und inniger, als je Fragen nach der kirchlichen Institution uns noch trennen könnten.


Münsteraner Forum für Theologie und Kirche (MFThK)