Könnte das Fernsehen noch mehr zur Aufklärung über das Judentum beitragen?

Im Kampf gegen Antisemitismus wird stets mehr Aufklärung über das Judentum gefordert, z.B. von Josef Schuster, dem Präsidenten des Zentralrats der Juden, oder Felix Klein, dem Antisemitismus-Beauftragten der Bundesregierung:
Auch das öffentlich-rechtliche Fernsehen wäre hier in die Pflicht zu nehmen. In der beliebten Kinderwissenssendung "Checker Tobi" wurde am 15. September 2018 eine Folge über das Judentum ausgestrahlt ("Der Judentum-Check" mit Besuch der Jüdischen Gemeinde Frankfurt a. M.). Die Sendung wurde in der ARD-Mediathek, in der BR-Mediathek und auf YouTube veröffentlicht. In der ARD-Mediathek stand unter der Folge, dass das Video noch bis zum 15. September 2023 abrufbar sei. "Checker Julian" verlinkte den "Judentum-Check" in der ARD-Mediathek noch am 11. November 2018 auf seiner Facebook-Seite. Doch kurz danach verschwand das Video plötzlich überall. Unter der ehemaligen YouTube-Adresse erhält man nur noch die Nachricht:
Auch in der Mediathek von "Checker Tobi", in der man noch die erste Folge von 2013 über das Mittelalter sehen kann, sucht man die Sendung über das Judentum vergeblich. Zu finden ist die Folge nun beim FWU-Institut, das die Lizenz zum Download und Verleih nur an Medienzentren, Schulen und Lehrer verkauft. Anders gesagt: Im öffentlich-rechtlichen Fernsehen ausgestrahlte Kinderwisenssendungen über das Judentum verschwinden nach kürzester Zeit hinter den Schranken der Online-Mediatheken der einzelnen Bundesländer oder Kirchen, wo sie nur noch von Lehrern heruntergeladen werden können. Wer mehr Aufklärung über das Judentum anmahnt, muss zugleich ein Ende dieser Löschpraxis öffentlich-rechtlicher Fernsehanstalten fordern. Aufklärung über das Judentum (und auch andere Religionen) muss alle erreichen können, vor allem dort, wo Kinder und Jugendliche sich auch jedes "Kollegah"-Video ansehen können. In den Verhandlungen mit den Produzenten müssten die Fernsehanstalten darauf drängen, dass in den Verträgen eine Klausel eingefügt wird, die es ihnen ermöglicht, Bildungssendungen dauerhaft für alle zugänglich zu halten. Warum werden nicht alle 68 Willi-wills-wissen-Sendungen (z.B. über das Judentum, die Benediktiner oder Papst Benedikt XVI.), die Lehrer in Nordrhein-Westfalen von EDMOND herunterladen können, auf YouTube eingestellt? Damit alle Kinder sie sehen können, auch die, die keine Lehrerinnen haben, die die Folgen im Unterricht zeigen? Was wird in einer Bildungsnation bei Kinderwissenssendungen höher gewichtet, das kommerzielle Zweitverwertungsinteresse oder die Zugänglichmachung für alle und damit Steigerung der Bildungschancen?

Münsteraner Forum für Theologie und Kirche (MFThK)