Zum 150. Geburtstag von August Messer

Messer schrieb Aufsätze für die Zeitschriften "Hochland" und "Das Neue Jahrhundert – Organ der deutschen Modernisten". Außerdem gab er die Zeitschriften "Philosophie und Leben" und "Die Schule – Monatsschrift für das gesamte deutsche Bildungswesen" heraus. Das erste Heft von "Philosophie und Leben" behandelte 1925 die Frage nach dem Verhältnis von Glauben und Wissen.
In einem Artikel für die Berliner Zeitung "Der Tag" bestritt er 1911 die Annahme, dass das Fortbestehen der katholisch-theologischen Fakultäten an staatlichen Universitäten durch den Modernisteneid von Papst Pius X. unhaltbar geworden sei. Durch den Modernisteneid sei "keine wesentliche Verschiebung in der Stellung der katholischen Theologen zur Wissenschaft" eingetreten. Man dürfe zudem "die Entrüstung über die Forderung des Eides durch den Papst nicht übergehen lassen in eine Entrüstung über diejenigen, die den Eid geschworen haben." Die Beseitigung der katholisch-theologischen Fakultäten liege nicht im Interesse des Staates: "Würde die Bildung der jugendlichen Kleriker an wissenschaftlicher Vertiefung, an geistiger Freiheit, an patriotischem Sinn gewinnen, wenn sie sich nur in der Abgeschlossenheit der bischöflichen Seminarien abspielte?" Messer plädierte für den Schutz der katholisch-theologischen Fakultäten, "damit die Kluft zwischen Katholiken und Nichtkatholiken nicht noch größer wird." Eine "Tendenz zur Abschließung" gebe es nicht nur auf katholischer Seite, sondern in der Praxis sei sie "auf der Gegenseite oft noch stärker". Messer klagte: "Was bei gläubigen Protestanten oder modern Denkenden selbst unter den sogenannten Gebildeten oft an Unkenntnis und schiefer Beurteilung und vor allem an Unterschätzung des Katholizismus geleistet wird, hat mich vielfach in Erstaunen gesetzt." In der modernen philosophischen Literatur werde die katholische Philosophie im allgemeinen ignoriert.
Hundert Jahre später ist der katholisch geprägte Philosoph August Messer in der modernen philosophischen Literatur fast vollständig vergessen.

Sekundärliteratur
Stefan Gerber, Kirche, Autorität und intellektuelle Autonomie: August Messer als "post-katholischer" Intellektueller, in: Historisches Jahrbuch 133 (2013) 123-148.
Christian Tilitzki, Die deutsche Universitätsphilosophie in der Weimarer Republik und im Dritten Reich. Berlin 2002 (s. Reg.).


Münsteraner Forum für Theologie und Kirche (MFThK)