Friedenspreis des Deutschen Buchhandels für Margaret Atwood

Bericht der "Tagesschau"

"Wer sagt der jungen Generation die Wahrheit?", fragte Herbert Vorgrimler 1988 - vor fast 30 Jahren - in der Festschrift zum 60. Geburtstag von Johann Baptist Metz. "Wer spricht ihnen davon, dass ein desillusioniertes Urteil über die 'Welt' und ihre dem Untergang geweihte Zukunft zum 'apokalyptischen Stachel' der Botschaft Jesu gehört? Wer sagt ihnen, dass nicht nur Ernst Bloch und Herbert Marcuse, sondern auch Aldous Huxley, George Orwell und Margaret Atwood als Propheten ernstzunehmen sind?"
1992 erschien in der "Schlangenbrut" ein kleiner Aufsatz von Ilse Müllner, damals Doktorandin bei Erich Zenger: "... dass ich auf ihrem Schoß gebäre". Religiösität und biblische Motivik in Margaret Atwood's "Report der Magd". In Müllners Publikationsliste ist dieser Artikel ihre erste Veröffentlichung.
2001 schaffte es Margaret Atwood in die dritte Auflage des LThK. In den letzten Jahrzehnten seien neue Formen von Utopien entstanden, schrieb Henning Ottmann, z. B. Frauen-Utopien, "von denen bisher allerdings nur Margret [sic] Atwoods 'The Handmaid's Tale' (Tt 1985) überzeugt."

If I were going to convert to any religion I would probably choose Catholicism because it at least has female saints and the Virgin Mary. It does have a visible set of sacred female objects, whereas Calvinistic Protestantism doesn't. It is monolithically male. When I was visiting Mexico, sometime ago, I visited a church there. In this church there were about six Virgin Marys — one for every occasion: one dressed in white for when you're feeling happy, one wearing blue. You'd pray to each for a different reason. Then there was one in black and you prayed to her when all the others had failed. They all had little tin arms, legs, pigs, and cows pinned on them, which were offerings that people had made when the Virgin had saved something of theirs. The other alternative would be to become a Quaker because you're not given any images: you're given a relationship to the divine. While there is a God the Father, women do participate in the religion. Really I'm a pantheist.
Quelle: Earl G. Ingersoll (Hrsg.), Waltzing again. New and selected conversations with Margaret Atwood. Princeton, NJ 2006. S. 72f.

In der Gesellschaft Ende der vierziger Jahre, in der ich aufwuchs, gab es drei Dinge, die man niemals hinterfragen durfte. Erstens Geld, besonders nicht, wie viel jemand verdiente. Zweitens Religion: Ein Gespräch darüber führte direkt zur spanischen Inquisition oder zu noch Schlimmerem. Drittens Sex. Ich wuchs mit Biologen auf, und Sex [...] war etwas, was ich in den Lehrbüchern nachschlagen konnte, die im Haus herumlagen [...] Die brennende Neugier, die Kinder angesichts des Verbotenen empfinden, konzentrierte sich deshalb bei mir auf die beiden anderen Tabuzonen: Geld und Religion.
Quelle: M. Atwood, Payback. Schulden und die Schattenseite des Wohlstands. Berlin 2008.

Nach Atwood gibt es fünf Optionen, auf die Krise der Gegenwart zu reagieren:
Erstens. Man kann weglaufen und sich in seinem Schloss verstecken. Zweitens. Es gibt keine Hoffnung, also amüsieren wir uns, mit Essen und Trinken und Hurerei. Drittens. Man kann Zeugnis ablegen - die ergreifendsten Augenzeugen-Berichte sind die, die mitten im Satz abbrechen. Viertens. Man kann versuchen zu helfen. Fünftens. Man kann so tun, als wäre nichts geschehen.
Nach Atwood ist die vierte Handlungsweise die einzig vertretbare.
(Quelle: Sigrid Löffler, Die Magierin des Nordens, in: Literaturen 7/8, 2008, S. 12-23)


Münsteraner Forum für Theologie und Kirche (MFThK)