13. Dezember 1914

Der 13. Dezember 1914 ist der dritte Adventssonntag. "Ein milder, sonniger Tag wie im Frühling, niemand ahnte etwas Böses, alle Welt ging friedlich spazieren", berichtet die Verlegergattin Charlotte Herder in ihrem Tagebuch. Doch plötzlich ändert sich die Situation schlagartig. Französische Flugzeuge greifen Freiburg an. Im Freiburger Colombipark werden der 22-jährige Hubert Meier und die 66-jährige Alexandra von Bradke von Bombensplittern tödlich verletzt. Sie sind die ersten Luftkriegstoten in der deutschen Geschichte.
Die Erzbischöfe und Bischöfe des Deutschen Reiches verfassen am 13. Dezember 1914, also am selben Tag, einen gemeinsamen Hirtenbrief, in dem sie vom "Gottesgericht des Krieges" sprechen, das "gewisse Laster" des Volkes offenbar macht, Laster, "durch die die Ehe entweiht und um ihren Kindersegen gebracht" wird (gemeint ist wohl eine nicht lehramtskonforme Sexualpraxis wie z.B. Onanie). Die Bischöfe verkünden weiter: "Der Krieg ist ein Strafgericht für alle Völker ... Der Krieg hat vor sein Gericht geladen die moderne, widerchristliche, religionslose Geisteskultur und hat ihren Unwert, ihre Hohlheit und Haltlosigkeit, ihre Schuldhaftigkeit aufgedeckt. Aber auch in unser Vaterland war diese Kultur schon bedenklich weit eingedrungen, eine ihrem ganzen Wesen nach unchristliche, undeutsche und ungesunde Überkultur mit ihrem äußeren Firnis und ihrer inneren Fäulnis, mit ihrer rohen Geldsucht und Genusssucht, mit ihrem ebenso anmaßenden wie lächerlichen Übermenschentum, mit ihrem ehrlosen Nachäffen einer fremdländischen verseuchten Literatur und Kunst und der schändlichsten Auswüchse der Frauenmode. Das ist unseres Volkes und daher unsere große und größte Schuld. Sie fordert Buße und Sühne."
Karl Barth predigt am 13. Dezember 1914 in Safenwil: "Und nun ist uns Gott ein Fremder geworden. Das ist unser Zustand. Wir haben uns so verhalten, daß er nicht bei uns bleiben konnte. ... Der Hochmut überfiel uns, daß wir mehr sein wollten als Gottes Kinder, große, selbständige Wesen wollten wir werden, wohl gar Gott selber gleich, selber wollten wir ausmachen und wissen, was gut und böse sei. Und Gott ließ uns gehen. Nein, er ließ uns stehen, da wo wir uns hingestellt, und ging weiter, ohne uns, und wurde uns ein Fremder."
Seit dem 13. Dezember 1914 verursachte der "Tod aus der Luft" (D. Süß), der erstmals im Freiburger Colombipark zuschlug, millionenfaches Leid und ist auch im 21. Jahrhundert noch gegenwärtig.

Münsteraner Forum für Theologie und Kirche (MFThK)