Stadt Münster, Amt für Grünflächen und Umweltschutz: Gewässerökologie

Ökologischer Zustand der Fließgewässer (Gewässerstrukturgüte)

Am Kreuzbach

Hinsichtlich eines zukunftsorientierten Gewässerschutzes ist es notwendig, die Fließgewässer nicht mehr nachrangig, sondern vorrangig durch Datenbereitstellung und Analysen bereits konzeptionell in die unterschiedlichen Planungsansätze einzubeziehen. Eine Grundlage dafür ist neben der Bestimmung der Gewässergüte die Kartierung und Bewertung des ökomorphologischen Zustands der Fließgewässer (Gewässerstrukturgüte).

Die Gewässer in Münster befinden sich - wie fast alle Fließgewässer des Norddeutschen Tieflandes - zu ca. 90% nicht mehr in ihrem ursprünglichen, natürlichen Zustand. Allgemein kennzeichnend sind sehr häufig durch Ausbaumaßnahmen strukturell beeinträchtigte Gewässerabschnitte, die teilweise stark befestigt durch bebaute und versiegelte Gebiete führen oder im ländlichen Raum spätestens infolge von Flurbereinigungsmaßnahmen ihren natürlichen Charakter verloren haben.

Das Vorkommen naturnaher und natürlicher Gewässerbereiche beschränkt sich auf wenige Abschnitte, die vornehmlich in Waldgebieten liegen, wo sich die Wasserläufe eigenständiger und ungestörter entwickeln konnten.

Die Gewässerstrukturgütekarte soll vorhandene Defizite aufzeigen und auch als Mittel zur Erfolgskontrolle nach ökologischen Verbesserungsmaßnahmen dienen. Aus der Ermittlung der aktuellen Strukturgüte läßt sich nach der Definition realistischer Planungsziele ein einzelgewässerbezogenes Handlungskonzept ableiten, das durch gezielte Maßnahmen zur Wiederherstellung eines naturnahen Gewässerzustandes bestehende Defizite beseitigen soll.

Gewässergüte

Gewässeruntersuchung

Zur Ermittlung Gewässergütedaten werden in Münster seit 1989 kontinuierlich an insgesamt 148 Probestellen im Abstand von zwei Jahren biologische sowie physikalisch-chemische Untersuchungen durchgeführt. Die Gewässergüte wird nach einer biologisch-ökologischen Untersuchungsmethode (Saprobiensystem) ermittelt. Dieser Methode liegen bestimmte in Gewässer lebende Organismen zugrunde, die als Zeiger (biologische Indikatoren) für jeweils einen Verunreinigungsgrad eines Fließgewässers charakteristisch sind. Dabei werden Arten des sog. Makrozoobenthos erfasst, d.h. Tiere des Gewässerbodens, die mit bloßen Auge erkennbar sind. Die Mikro- und Makroorganismen haben gemeinsam mit den Pflanzen einen ganz wesentlichen Anteil am Selbstreinigungsvermögen.

Aktuell (2008) werden 27 % der Gewässerabschnitte in die Güteklasse II eingestuft (1990: 15 %). Auch weiter gestiegen ist der Anteil der Gewässergüteklasse II - III (= kritisch belastet). Wurden 1990 noch 33 % als mäßig belastet bewertet, so hat sich der Anteil auf 62 % erhöht. Dieses ist für die überwiegend stark ausgebauten Wasserläufe im Tiefland mit geringen Fließgeschwindigkeiten ein durchaus akzeptables Ergebnis.

Deutlich verringert hat sich der Anteil der als stark verschmutzt (Gkl III) eingestuften Gewässer von 41 % (1990) auf nur noch 6 %. Die schlechtesten Gewässergüteklasse III - IV (= sehr stark verschmutzt) und Gkl IV (= übermäßig verschmutzt) sind gar nicht mehr vertreten.

Gewässergüteklasse 1990 1994 1996 1998 2002 2008
I (= unbelastet)            
I - II (= gering belastet)            
II (= mäßig belastet) 15 17 16 14 25 27
II - III (= kritisch belastet) 33 54 57 60 59 62
III (= stark verschutzt) 41 18 21 20 11 6
III - IV (= sehr stark verschmutzt) 10 9 6 5 2  
IV (= übermäßig verschmutzt) 1 2   1    
keine Werte wegen Austrocknung         3 5

In der Gesamtbilanz weisen somit mittlerweile 89 % der Fließgewässer (1990: 48 %; 1994: 71 %; 1996: 73 %) eine für das Untersuchungsgebiet zufriedenstellende Bewertung auf. Dass gegenüber den ersten Untersuchungen eine deutliche Verbesserung der Gesamtsituation eingetreten ist, kann in erster Linie auf zahlreiche Maßnahmen zurückgeführt werden, die auf einen konsequenten Gewässerschutz abzielen wie z. B.:

Ansprechpartner

Lutz Hirschmann
Tel. 02 51/4 92-67 93


Bewertungskarten



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