Münsters dunkle Unterwelt ist riesig ausgedehnt und ungemein verzweigt. Keine Bange, die Rede ist nicht von Mafia und Ganoven, sondern vom 1.550 Kilometer langen Kanalsystem der Stadt. Die Strecke Münster-Paris-Münster reicht nicht aus, um die Strecke auf der Autobahn zurückzulegen. Der Aufwand der Instandhaltung ist enorm: Allein in Münster sind täglich 26 städtische Mitarbeiter und zusätzlich mehrere Privatfirmen vor Ort im Einsatz.
Durch rechtzeitige Vorsorge werden kostenspieligere Schäden vermieden: Ein einwandfreier Abfluss von Schmutz- und Regenwasser auch zu Spitzenbelastungszeiten muss stets gewährleistet sein. Nach einem Ratsbeschluss gehört zum Routineprogramm, sämtliche Rohre fast alle zwei Jahre durchzuspülen. Besonders beanspruchte Kanäle werden jährlich einmal gereinigt. Mit diesen Maßnahmen geht die Stadt über die landesweit seit 1995 vorgeschriebene bloße Kontrolle der Kanäle hinaus. Der Erfolg ist deutlich: 1975 musste die "Kanalfeuerwehr" noch 320 mal wegen Rohrdefekten ausrücken, heute sind es jährlich zwei bis fünf Einsätze.
Trotz aller Pflege: Abwasserrohre haben nur eine begrenzte Lebensdauer. In Münster sind ca. 15 Prozent des Rohrnetzes älter als 50 Jahre. Nach den augenblicklichen Erkenntnissen sind zwar nur 10 Prozent der Kanalisationsstrecke schadhaft, das sind allerdings 150 Kilometer, die nach und nach saniert werden müssen. Eine teure Angelegenheit: Zwischen 1.000 und 1.500 Euro kostet ein Meter Kanalerneuerung. Jährlich werden ca. 9 Millionen Euro für die Sanierung ausgegeben.