Um eigenständig von der Straße auf die Gehwege aber auch wieder von Gehwegen auf die Straße zu kommen, benötigen Rollstuhlfahrer Bordsteinabsenkungen. Aber auch Personen, die Kinderwagen oder Rollatoren schieben, und Kinder, die die Gehwege noch mit ihren Fahrrädern zum Befahren nutzen dürfen, können durch abgesenkte Bordsteine leichter auf die sicheren Gehwege gelangen. Aus diesen Gründen lässt das Tiefbauamt jedes Jahr einige Bordsteine an einmündenden Straßen auf ein Maß von 3 cm (sonst sind es 10 cm) absenken. Die verbleibenden 3 cm dienen blinden und sehbehinderten Menschen, die zur besseren Orientierung einen Stock benutzen, als "Tastkante", die den Gehweg eindeutig von der Fahrbahn trennt.
Sollten Ihnen fehlende Bordsteinabsenkungen bekannt sein, so teilen Sie uns diese bitte unter der Telefonnummer 02 51/4 92-66 48 oder 02 51/4 92-66 44 mit.
Blindengerechte Zusatzgeräte an Signalanlagen sind technische Einrichtungen, die speziell blinden und sehbehinderten Mitbürgern die Möglichkeit geben, signalgeregelte Kreuzungen gefahrlos zu überqueren. Sie werden bedarfsorientiert installiert und bieten so für Menschen mit Seheinschränkungen ein für sie geschlossenes Routensystem.
Diese Zusatzgeräte werden durch ein akustisches Orientierungssignal von den Betroffenen aufgefunden. Die Grünphase wird von ihnen über einen Vibrationstaster erfühlt.
In Abstimmung mit dem Blinden- und Sehbehindertenverein der Stadt Münster wurden in den vergangenen Jahren 272 Ampelanlagen über vielbefahrene Straße mit Blindentastern ausgestattet. Die Standorte verteilen sich über das gesamte Stadtgebiet. Es ist vorerst vorgesehen, im Laufe des Jahres 2012 folgende Ampelanlagen mit Blindensignalgebern auszurüsten (Änderungen und Ergänzungen vorbehalten):
Die Stadtwerke Münster bauen seit 2006 an vielen Bushaltestellen zur besseren Übersicht über die Buslinien Fahrgastinformationsstelen. Damit auch blinde und sehbehinderte Menschen diese Edelstahl-Stelen finden, hat das Tiefbauamt zur besseren Orientierung jeweils in Höhe dieser Stelen einen ca. 90 bis 100 cm breiten Streifen aus Natursteinpflaster quer über den Gehweg laufen lassen. Nach neuem Standard werden zukünftig auch Leitsysteme aus kontrastreichen Bodenindikatoren auf diese Fahrgastinfo hinweisen. Blinde und sehbehinderte Menschen können mit Hilfe ihres Taststockes die "Unregelmäßigkeit" im Gehweg ertasten und wissen, dass auf Knopfdruck eine sprachliche Orientierungshilfe wartet. Aber auch durch die Schuhsohlen lassen sich diese Unebenheiten erfühlen.
Zur Verbesserung der Einstiegsverhältnisse für alle Fahrgäste werden die Warteflächen an Bushaltestellen auf 16 cm angehoben, so dass die verbleibende Höhendifferenz nur noch 9 cm beträgt. Das Tiefbauamt baut seit Anfang des Jahres 1996 einen speziellen Niederflurbusbordstein ein. Der Bordstein ermöglicht ein dichtes Heranfahren an den Bussteig, ohne die Reifen des Busses zu beschädigen. Die Haltestellen werden so angeordnet, dass eine geradlinige An- und Abfahrt der Busse gewährleistet ist. Hierdurch kann die Spaltbreite zwischen Türeinstieg und Haltestellenwartefläche gering gehalten werden und die verbleibende Höhendifferenz besser überwunden werden. In 2012 sollen im Rahmen eines eigenen Programms an folgenden Bushaltestellen Niederflurbusbordsteine eingebaut werden (Änderungen vorbehalten):
Die behindertenfreundlichen Umbaumaßnahmen werden zu 75 - 80 % vom Land gefördert.
Bei Umbauten von ganzen Straßenzügen auf denen sich auch Bushaltestellen befinden (z.B. Königstraße, Warendorfer Straße, Amelsbürener Straße…) werden diese ebenfalls weitestgehend barrierefrei ausgebaut. Diese Standorte werden nicht speziell hier aufgeführt.
Um Menschen mit Behinderungen, insbesondere Rollstuhlfahrerinnen und Rollstuhlfahrern, den Einstieg in den Bus zu erleichtern, sind an den aufgeführten Bushaltestellen die Bordsteinkanten auf 16 bis 18 cm erhöht. Da sich die Busse beim Halt absenken können, ist ein nahezu stufenloser Ein- und Ausstieg möglich. Ein großer Teil der Busse verfügt zudem über mechanische Klapprampen. Sie können bei Bedarf per Hand von Begleitpersonen bzw. Fahrgästen ausgeklappt werden. Die Klapprampen sind meistens an der mittleren Eingangstür, bei einigen Bussen jedoch an der Fahrertür.
Beim Leitsystem für Menschen mit Seheinschränkungen hat das Tiefbauamt seinen Ausbaustandard im Jahr 2011 angepasst:
Der sehbehinderte oder blinde Mensch wird über einen Auffindestreifen aus Rippenplatten (Rippen in ursprünglicher Gehrichtung) darauf hingewiesen, dass er sich in der Höhe der Einstiegsstelle in den Bus befindet. Dieser Streifen verläuft in einer Breite von 90 cm quer über den Gehweg und kann die „natürliche“ innere Leitlinie einer Hauswand mit dem Einstiegsbereich in den Bus verbinden. Folgt der blinde oder sehbehinderte Mensch den Rippenplatten in Richtung Fahrbahnrand, so wird er dort durch ein 90 x 90 cm großes Aufmerksamkeitsfeld aus Noppenplatten auf den Einstieg und den Bordstein am Fahrbahnrand hingewiesen. Der Haltestellenmast oder eine Fahrgastinformation stehen in Fahrtrichtung hinter dem Aufmerksamkeitsfeld im Schwenkbereich eines Langstocks.
Aber auch der Übergang vom Gehweg in einen Radwegbereich muss deutlich gemacht werden. Speziell wenn blinde und sehbehinderte Menschen sich quer über den Gehweg zu einem Einstieg in den Bus bewegen, kommt es häufig zu einem Konflikt mit Radfahrern. Hier kann wieder eine bestimmte „Beschilderung“ am Boden helfen, Menschen mit Sinneseinschränkungen auf diesen Konflikt hinzuweisen. Dieses Thema ist speziell in Münster, einer Stadt mit sehr hohem Radfahreranteil, wichtig. Durch den auffallend weißen Streifen, der den Radweg einrahmt, soll auch der Radfahrer für die besondere Querungssituation sensibilisiert werden, denn obschon er halten muss, wenn Busfahrgäste ein- und aussteigen, wird dies in der Praxis häufig nicht gemacht.
Weiterhin wird entlang des erhöhten weißen Bordsteines ein 30 cm breiter weißer Leitstreifen aus Rippenplatten in Gehrichtung verlegt. Dieser helle Leitstreifen ist zur Herstellung eines ausreichenden visuellen Kontrastes eingerahmt von dunklen Gehwegplatten und mündet in das Aufmerksamkeitsfeld aus weißen Noppenplatten am Buseinstieg. Der Hell-Dunkel-Kontrast ist gerade für Menschen mit Seheinschränkungen sehr wichtig.
Der Leitstreifen entlang des Bordsteines kann nicht nur seine leitende Funktion für Menschen mit Sehbehinderungen erfüllen, sondern auch als eine Warnfunktion für Fahrgäste der Busunternehmen dienen. Vergleichbar ist dies mit den kontrastreichen Markierungen an Bahnsteigen, die beim Einfahren der Züge nicht überschritten werden sollen. Gerade auch für Kinder ist dieser eindeutig erkennbare weiße Streifen ein deutliches Signal, den Bereich zwischen Streifen und Bordstein zu meiden. Er ist ein Zugewinn an Sicherheit sowohl für alle wartenden Fahrgäste als auch für die Busfahrer/-innen. Praxiserfahrungen zeigen, dass die Fahrgäste bei der Anfahrt des Busses in den Haltestellenbereich hinter die Linie zurücktreten und sich somit aus dem Bereich des Seitenspiegels entfernen.
Die Stadt Münster wird auch in diesem Jahr keine eigenen neuen Wartehallen aufstellen. Die WALL AG aus Berlin hat in den vergangenen Jahren im Innenstadtbereich bereits einige vorhandene ältere Wartehallen gegen neue Hallen ausgetauscht. In diesem Jahr sollen die letzten Werbe-Wartehallen im backsteinroten Design aufgestellt werden. Dies geschieht an Haltestellen, die bereits Werbe-Wartehallen haben. Die Stadt Münster wird von der WALL-AG ein paar ausgemusterte Hallen erwerben und farbig umlackiert und aufgearbeitet an neuen Standorten aufstellen, an denen noch keine Hallen oder alte Metallhallen stehen.