Das Stadttheater

Kleine Theatergeschichte

Vom Krameramtshaus zu den Städtischen Bühnen

Dass die Münsteraner Franz Freiherr von Fürstenberg nicht nur ihre Universität sondern auch die Begründung ihrer Theatertradition verdanken, ist den wenigsten bekannt: Der kultur- und bildungsbeflissene Minister ließ 1774 im ehemaligen Schlachthaus der Metzgergilde am Roggenmarkt nach Plänen des damaligen Stararchitekten Wilhelm Ferdinand Lipper das sogenannte Komödienhaus errichten, Münsters ersten Theaterbau. Während vor der Eröffnung dieses städtischen Theaters in den Räumen des Krameramtshauses vornehmlich Schauspiele gezeigt werden konnten, kamen die rund 20.000 Münsteraner nunmehr auch in den Genuss von Singspielen und Opern. Mit fortschrittlichen Aufführungen von Werken Giacomo Meyerbeers und Richard Wagners begeisterte das kleine Theater um die Mitte des 19. Jahrhunderts sein Publikum. Prominentester Akteur an dieser Spielstätte war Albert Lortzing, der zwischen 1826 und 1833 als Schauspieler und Sänger in Münster tätig war und später mit seiner Oper "Zar und Zimmermann" Musikgeschichte schreiben sollte.

Nach dem Abbruch des Hauses 1890 entstand mit dem wenige Jahre später eröffneten Lortzing-Theater im ehemaligen Adelshof der Familie von Romberg an der Neubrückenstraße ein eleganter Theaterbau, der mit der benachbarten, 1920 fertiggestellten Stadthalle ein einzigartiges architektonisches Ensemble darstellte. Nach seiner Zerstörung im 2. Weltkrieg fiel der Entscheid gegen eine originalgetreue Rekonstruktion der verlorenen Bauten: Als "Donnerschlag" in der Theaterarchitektur feierte die Fachpresse den Neubau der Städtischen Bühnen Münster durch die Architekten Harald Deilmann, Max von Hausen, Ortwin Rave und Werner Ruhnau im Jahre 1954.
Dem Großen Haus (955 Sitzplätze) wurde mit dem 1971 eröffneten Kleinen Haus mit rund 280 Plätzen eine zweite Spielstätte angegliedert, die aufgrund ihrer variablen Raumsituation vornehmlich den Erfordernissen zeitgenössischer, experimenteller Theaterformen gerecht werden konnte.

Die Städtischen Bühnen Münster mit Wolfgang Quetes als Generalintendant vereinigen heute mit dem Musiktheater, dem Schauspiel, dem Kinder- und Jugendtheater, dem Tanztheater sowie dem Sinfonierorchester unter der Leitung von Fabrizio Ventura fünf Sparten unter einem Dach. Rund 25 Premieren bei 550 Aufführungen pro Spielzeit garantieren ein anspruchsvolles Programm, das durch die Produktionen der Niederdeutschen Bühne, zahlreiche Gastspiele, Lesungen, Vorträge und Ausstellungen vielfältig ergänzt wird.

Fotos aus dem Jahr 1956.
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Das Theatercafé