Ehre, wem Ehre gebührt?! Straßennamen in der Diskussion

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Rund um die Straßennamen

Warum Straßennamen?

Navigationssystem vom Mittelalter bis heute

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vergrößernStadtplan von 1636

Auf einem der ersten Stadtpläne von Münster aus dem Jahr 1636, angefertigt von Everhardt Alerdinck, stehen neben Namen von Kirchen, Klöstern und Stadttoren auch viele Straßennamen. Diese ersten Straßenbezeichnungen sind "gewachsene" Namen. Sie hatten sich im Volksmund über die Jahrzehnte langsam eingebürgert.
Der Alte Steinweg war der älteste mit Steinen gepflasterte Weg (Steenpad), am Roggenmarkt stand der alte Domkornspeicher, am Alten Fischmarkt wurde Fisch verkauft, der Name Salzstraße ging vermutlich auf ein altes Salzdepot zurück, und an der Buckstiege wohnte Familie Buck.

Viele dieser alten Straßennamen finden sich schon in Urkunden aus dem 11. bis 14. Jahrhundert. Sie hatten sich damit zur Orientierung in der Stadt bestens bewährt.
Aus der alltäglichen Notwendigkeit, bestimmte Stellen in der Stadt zu bezeichnen, wuchs über Jahrhunderte bis heute ein Orientierungssystem mit Straßennamen, Hausnummern, verbindlicher Schreibweise und sogar einem amtlichen Schild.

Um 1900 wuchs die Stadt stark über ihre alten Grenzen hinaus. Um die Altstadt entstand ein geplantes Netz an Straßen, deren Namen die Obrigkeit vergab. Sie gestaltete für diesen Bereich einen neuen Straßennamenkorpus und erkannte dabei auch die Möglichkeit, ein politisches Zeichen zu setzen.

Seit den 1990er Jahren gibt es alles digital. Sämtliche 1.960 Straßennamen und 60.500 Hausnummern sind mit genauen Koordinaten gespeichert.


Wer macht(e) die Straßennamen?

Die "Politik" entscheidet

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vergrößernFestsaal im Rathaus

Straßennamen werden "von der Politik", also von den Bezirksvertretungen oder dem Rat der Stadt Münster beschlossen. Nach der Hauptsatzung (§ 21, Abs. 1, Nr. 11) ist die Neubenennung und Umbenennung von Straßen, Wegen und Plätzen, Grün- und Parkanlagen sowie Schulen Aufgabe der Bezirksvertretungen.

Nur bei besonders bedeutenden Straßennamen entscheidet der Rat, zum Beispiel bei Straßen, die nach Partnerstädten der Stadt Münster, nach Ehrenbürgern, Oberbürgermeistern, Oberstadtdirektoren oder Trägern der Paulus-Plakette benannt werden sollen.

Neu- bzw. Umbenennungen erfolgen auf Antrag von Bürgerinnen und Bürgern und von Ratsfraktionsmitgliedern. Jede Bürgerin und jeder Bürger kann Vorschläge machen, denn § 24 der Gemeindeordnung lautet: "Jeder hat das Recht, sich einzeln oder in Gemeinschaft mit anderen schriftlich mit Anregungen oder Beschwerden in Angelegenheiten der Gemeinde an den Rat oder die Bezirksvertretung zu wenden."


Die Stadtverwaltung schlägt vor

Wenn heute Straßennamen für neue Baugebiete nötig sind, sucht das Vermessungs- und Katasteramt zuerst in alten Katasterkarten nach Flurnamen, historischen Lagebezeichnungen oder auch nach Ergänzungen zu den vorhandenen Straßennamen in der Umgebung. Bei ganzen Baugebieten können alle Straßennamen ein gemeinsames Thema haben. In der Vergangenheit waren es "Musikerviertel" und "Dichterviertel" oder neuerdings die Straßennamen nach europäischen Hansestädten im Hansa-Businesspark in Amelsbüren.

In Gewerbegebieten können Straßennamen das Image der Stadt Münster als Wirtschaftsstandort unterstreichen. Deshalb werden Straßen dort gerne nach Namen von Erfindern, Unternehmern oder Persönlichkeiten aus der Wirtschaft benannt.

Das Vermessungsamt führt außerdem eine Vorschlagsliste von Straßennamen, auch über all die Personen, denen erstmalig eine Straße gewidmet werden soll.


Wer vergab früher die Straßennamen?

Um 1900 wuchs Münster stark über die Altstadtgrenzen hinaus. Viele neue Straßennamen waren zu vergeben. Waren die Namen vorher eher "gewachsen", so gab es nun erstmals Regeln zur Benennung von Straßen. Die erste reichseinheitliche Regelung zur Vergabe von Straßennamen geht auf die Nationalsozialisten (1939) zurück.

In der Zeit zwischen 1945 und 1976 lag die Verwaltung der Straßen und ihrer Namen beim Vermessungsamt, das 1948 mit dem Katasteramt fusionierte. Zwischen 1947 und 1974 erarbeitete eine Benennungskommission (besetzt mit Ratsmitgliedern, Verwaltungsmitgliedern, sachverständigen Lokalhistorikern, Stadtarchivaren) Vorschläge zur Benennung von Straßen. Diese wurden dem Rat zur Entscheidung vorgelegt.

Von 1976 bis 1999 kümmerte sich das Ordnungsamt um die Straßenbenennungen. Ab 1999 bis heute gehört die Namensvergabe wieder zu den Aufgaben des Vermessungs- und Katasteramtes. Eine historische Beratung erfolgte mindestens seit 1945 bei Bedarf durch das Stadtarchiv.

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Stand: September 2012



Informationen des Vermessungs- und Katasteramts:


 

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