Ehre, wem Ehre gebührt?! Straßennamen in der Diskussion

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Umgang mit strittigen Straßennamen

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vergrößernStrittige Straßennamen: beibehalten, umbenennen, erläutern?
(Foto: Heiner Witte, 2011)

Hitzige Diskussionen in Bezirksvertretungen oder im Rat, Streit zwischen Umbenennungswilligen und Anwohnern: An der Frage, ob Straßen und Plätze nach umstrittenen Reichspräsidenten oder in der NS-Zeit aktiven Schriftstellern, Kulturfunktionären, Wissenschaftlern und Gelehrten benannt sein sollten, scheiden sich die Geister.

Ehren oder nicht ehren? Weiter erinnern, vom Straßenschild entfernen oder mit Erläuterungen versehen? Diese Fragen sind zentraler Bestandteil der Diskussionen um die Umbenennung von Straßen - nicht nur in Münster.

In vielen Städten und Gemeinden stehen Debatten über NS-belastete Namen auf der tagespolitischen Agenda. In einigen Städten erschien die Namensgeberin Agnes Miegel für Schulen oder Straßen nicht mehr tragbar: In Düsseldorf, Willich, Osnabrück und Wilhelmshafen wurde die Agnes-Miegel-Schule umbenannt, in Bielefeld, Celle, Detmold und Neuenkirchen (Kreis Steinfurt) erfolgte eine Straßenumbenennung. In Erlangen fand sich keine politische Mehrheit für eine Umbenennung. In Neuenkirchen hat sich der Rat für die Umbenennung nicht nur der Agnes-Miegel-Straße, sondern auch der Castelle- und Wagenfeldstraße ausgesprochen. In Drensteinfurt soll das Problem mit der Anbringung einer Erläuterungtafel unter dem Straßenschild gelöst werden.

In Münster steht der Hindenburgplatz seit langem in der Diskussion. Seit 1945 lagen zahlreiche Anträge auf Umbenennung zur Entscheidung durch politische Gremien vor. Aktuell steht der Beschluss über den Antrag der SPD-Ratsfraktion zur Umbenennung des Platzes an.

Auch bei anderen Straßen ergibt sich die Frage, ob die Ehrung einer Person durch einen Straßennamen noch gerechtfertigt ist.

Wie ist mit Straßennamen umzugehen, die Personen ehren, bei denen sich nach neuesten Erkenntnissen gezeigt hat, dass sie zwischen 1933 und 1945 den Nationalsozialismus unterstützten? Diese Fragen stellt auch eine Bürgerumfrage zu Beginn des Jahres 2012.


Empfehlungen für den Umgang mit strittigen Straßennamen

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vergrößernUmbenannt: Carl-Diem-Weg, 2010

Die demnächst in Münsters politischen Gremien anstehenden Entscheidungen über strittige Straßennamen wurden vorbereitet durch die "Kommisson Straßennamen", die Empfehlungen für die aktuell diskutierten Namensgeber ausgesprochen hat. Auftrag der Kommission war es, über den Umgang mit Straßennamen zu beraten, deren Namensgeber möglicherweise aktiv den Nationalsozialismus unterstützt haben.

Eine Entscheidung wurde bereits umgesetzt:
Umbenennung des Carl-Diem-Wegs
Die Kommission hatte bereits in ihrer ersten Sitzung am 25.09.2010 einstimmig die Abänderung des Namens "Carl-Diem-Weg" empfohlen. Dies ist bereits umgesetzt. Die Bezirksvertretung Münster-West hat am 04.11.2010 einstimmig beschlossen, dass der Straßenname Carl-Diem-Weg gestrichen wird und die Straßenbezeichnung "Sentruper Straße" erhält.

Möglichkeiten der Entscheidung bei den aktuell diskutierten Straßennamen:

  • Umbenennung: (Empfehlung für Hindenburgplatz, Agnes-Miegel-Straße, Pfitznerstraße, Jöttenweg, Franz-Ludwig-Weg, Wagenfeldstraße, Castelleweg und Stehrweg)
  • Keine Umbenennung (Empfehlung für Stühmerweg)
  • Keine Umbenennung, aber Erläuterungstafel (Empfehlung für Humborgweg, Heinrich-Lersch-Weg)

Vorgeschichte

In Zusammenhang mit umstrittenen Straßennamen gab es in den letzten Jahren mehrere Initiativen und Beschlüsse:

  • Antrag der Bezirksvertretung Mitte zur Umbenennung von "Jöttenweg"
  • Beschluss der Bezirksvertretung West zur Umbenennung von "Carl-Diem-Weg"
  • Ratsantrag zur Umbenennung des Hindenburgplatzes
  • Beschluss der Bezirksvertretung Mitte, die Verwaltung um Prüfung und Bericht zu allen Straßennamen in Münster-Mitte zu bitten, deren Namensgeber an Unrechtstaten bzw. Kriegsverbrechen des Nationalsozialismus Anteil hatten.

Für den Bezirk Münster-Mitte ergab die 2008 abgeschlossene Überprüfung durch den vom Stadtarchiv beauftragten Historiker Dr. Daniel Schmidt (Historisches Seminar der WWU), dass unter den Namensgebern niemand unmittelbar an Kriegsverbrechen beteiligt war. Sieben Namensgeber haben nach den Recherchen des Historikers das NS-Regime - auch öffentlich erkennbar - aktiv gestützt; d.h. sie sind in eigener Initiative für das NS-Regime eingetreten und haben ihre Fähigkeiten dem NS-Regime aktiv zur Verfügung gestellt, um es zu stabilisieren bzw. bei der Erreichung seiner Ziele zu unterstützen (sogenannte "Kategorie 3").

Dieser Sachstand wurde im Mai 2009 vom damaligen Oberbürgermeister dem Ältestenrat und den damaligen Bezirksbürgermeistern in einer gemeinsamen Sitzung mitgeteilt. Man war sich einig, in einer kleinen Kommission - mit wissenschaftlicher Beratung durch die Historiker Prof. Dr. Hans-Ulrich Thamer und Prof. Dr. Alfons Kenkmann - vertraulich die Bewertung des Sachstandes zu besprechen, um zu Empfehlungen für das weitere Verfahren zu kommen. Man war sich außerdem einig, diese Kommission erst nach der Kommunalwahl zu bilden, um mögliche personelle "Brüche" zu vermeiden.

Im April 2010 wurde auf gemeinsame Absprache von Ältestenrat und Bezirksbürgermeister/-innen die Kommission "Straßennamen" gebildet. Mitglieder sind Vertreter/-innen aller Ratsfraktionen, Oberbürgermeister Markus Lewe als Vorsitzender sowie die wissenschaftlichen Fachberater Prof. Thamer und Prof. Kenkmann.
Der Auftrag der Kommission wurde in zwei Punkten erweitert:

  • sie sollte zu Straßennamen der "Kategorie 3" im gesamten Stadtgebiet (nicht nur im Bezirk Mitte) beraten;
  • sie sollte in ihren Überlegungen auch auf den vorliegenden Ratsantrag auf Umbenennung des Hindenburgplatzes eingehen.

Stand: September 2012


 

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