Ehre, wem Ehre gebührt?! Straßennamen in der Diskussion

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Aktuell diskutierte Straßennamen

Humborgweg

Namensgeber: Dr. phil. Ludwig Humborg

* 19.03.1890 in Münster
† 11.01.1972 in Münster

Oberstudienrat



Empfehlung der Kommission Straßennamen

Die Kommission hat in ihrer abschließenden 4. Sitzung am 15. Juni 2011 zusammengefasst folgende Empfehlungen abgegeben:

"Die Kommission empfiehlt mehrheitlich keine Umbenennung des Humborgweges, sondern die Anbringung einer Erläuterungstafel, die auch an die Tätigkeit von Ludwig Humborg während der NS-Zeit erinnert.
Bei Würdigung der Gesamtpersönlichkeit hält es die Kommission nicht für zwingend, eine öffentliche Entehrung durch die Umbenennung vorzunehmen.
In diesem Zusammenhang ist auch relevant, dass die Stadt Münster mit Catharina Müller eine Persönlichkeit geehrt hat, die ihre Funktion als Schulleiterin 1933 verloren hat."

Die Bezirksvertretung Mitte fasste in ihrer Sitzung am 22. Mai 2012 den Beschluss zur Aufhebung des Straßennamens.


Ludwig Humborg und der Nationalsozialismus

Politische Mitgliedschaften
1939, rückwirkend zum 01.05.1937: Eintritt in die NSDAP
Weitere Mitgliedschaften: Nationalsozialistische Volkswohlfahrt (1933), Nationalsozialistischer Lehrerbund (1933), Reichsluftschutzbund (1934), Nationalsozialistische Kriegsopferversorgung (1936), Reichskolonialbund, Reichsbund der Deutschen Beamten.

Seit 1921 war er im überparteilichen Verein für das Deutschtum im Ausland (ab 1933 "Volksbund für das Deutschtum im Ausland"; VDA) aktiv, seit 1933 als Bezirksverbandsleiter, später als Kreisverbandsleiter, ab 1934 zudem als Gauverbandsredner. 1943 endete seine Mitgliedschaft. Der VDA wurde nach 1933 schrittweise gleichgeschaltet.
"Darüber hinaus bin ich seit Jahr und Tag als Redner im Dienst der wehrgeistigen Erziehung und Betreuung bei der Wehrmacht und im NSLB [Nationalsozialistischer Lehrerbund], ferner als Redner im VDA [Volksbund für das Deutschtum im Ausland], in der Partei usf. dauernd unterwegs." (Humborg, 1942, Bundesarchiv, ehem. BDC NSLB/D 0022)


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vergrößernSchreiben Humborgs zu seiner Rednertätigkeit für Gau und Reich, 1941

"Unser am meisten angeforderter und entschieden zugkräftigster Vortragsredner, dessen Vorträge unzweifelhaft von eminenter Bedeutung und Wirkung sind",
so äußerte sich 1943 der Beauftragte für militärisches Vortragswesen über Humborg, der 1940 von der NSDAP-Gaupropagandaleitung (Gau Westfalen-Nord) als Gaupropagandaredner gewonnen wurde. 1941 hielt er außerdem 14 Vorträge im Auftrag der NSDAP-Reichspropagandaleitung.
Noch 1944 wurde er im ganzen Reich und in den besetzten Gebieten als Redner eingesetzt, beispielsweise noch im März 1944 in den Niederlanden.


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vergrößernErklärung zur politischen Zuverlässigkeit Humborgs,1940

"Sowohl politisch als auch weltanschaulich und charakterlich ist er durchaus zuverlässig."
Dies wird Humborg 1940 in einem Brief der NSDAP (Gauleitung Westfalen-Nord) an den Oberbürgermeister von Münster anlässlich dessen Berufung zum Oberstudienrat an der Oberschule "Am Wasserturm" [heute: Hittorfgymnasium] bescheinigt.
Auch in einem Brief vom 9. Dezember 1940 der NSDAP (Stellvertreterstab des Führers) an den Oberpräsidenten der Provinz Westfalen, Abteilung für höheres Schulwesen, heißt es: "Über Studienrat Dr. Humborg ist in politischer Hinsicht Nachteiliges nicht bekannt geworden."


Ludwig Humborg nach 1945

Die alliierte Militärregierung entließ Humborg 1946 für einige Monate aus dem Dienst. 1948 wurde er durch den deutschen Entnazifizierungsausschuss als unbelastet eingestuft. Er gab an, er sei nur Mitglied der Partei geworden, um sein Engagement für den VDA fortsetzen zu können. Hingegen behauptete er an anderer Stelle, sich zunehmend aus dem VDA zurückgezogen zu haben, als dieser "in das Fahrwasser der Partei geriet".
Nach 1945 räumte er zwar seine Rednertätigkeit für den VDA, die Wehrmacht, den Westfälischen Heimatbund, den Reichsluftschutzbund sowie Vorträge in den Niederlanden ein, erwähnte jedoch nicht seine Aufträge durch die NSDAP.
Humborg erklärte darüber hinaus, dass er jahrelang münsterische Oberschulen stellvertretend habe leiten müssen, trotzdem aber "für den Oberstudiendirektorposten der Bispinghof- wie Hermann-Löns-Schule Partei und Stadtverwaltung nicht genehm" gewesen sei. Auch habe er keine einzige außerschulische Tätigkeit freiwillig übernommen oder sich dazu gedrängt, sondern sei zu jeder Arbeit geholt bzw. aufgefordert worden.

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Zur Person Ludwig Humborg

Lebenslauf

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vergrößernPorträt Ludwig Humborgs, o. J.

1914/15 und 1919: Prüfungen für das Höhere Lehramt

1914: Promotion über "Die Hexenprozesse in der Stadt Münster"

1919-1922: Studienassessor in Oldenburg i. O.

1922-1938: Studienrat am Städtischen Gymnasium und Realgymnasium

1938-1941: Studienrat an der Oberschule für Jungen Am Wasserturm, seit 1941 als Oberstudienrat

1941/1942: Oberschule für Mädchen Am Bispinghof

1942-1946: Oberschule Am Wasserturm sowie Hermann-Löns-Schule

1939-1946: stellvertretender Schulleiter Wasserturm-Schule, Oberschule Am Bispinghof sowie Hermann-Löns-Schule

1946-1955: Lehrer am Ratsgymnasium

1955: Pensionierung

Humborg war Mitglied der Großen Schützengesellschaft, Dicke-Wiewe-Petri-Bruderschaft, Bruderschaft Sankt Georgs-Ritter und der Sankt Antonii-Erzbruderschaft. Er engagierte sich seit 1953 als Gründungs-Vorsitzender im Heimatverein "Vereinigung Niederdeutsches Münster" und im Verein für Westfälische Geschichte. Er lehrte außerdem an der Volkshochschule Münster und gehörte der städtischen Kommission zur Benennung von Straßen an. Darüber hinaus verfasste er zahlreiche heimatkundliche Schriften verschiedenster Art. Er hielt historische, kunsthistorische und geographische Vorträge, gab einschlägige Führungen und setzte sich für die Stadtbildpflege ein.


Ehrungen

1960: Paulus-Plakette der Stadt Münster

1960: Bundesverdienstkreuz 1. Klasse

1972: Straßenbenennung (erstmalige Benennung des Aa-Seitenwegs)

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Quellen und Publikationen

Quellen:
Landesarchiv NRW, Abt. Westfalen, Personalakten A H 431 Schulkollegium
Landesarchiv NRW, Abt. Rheinland, Bestand NW 1039-H/1215, Bestand NW O 4165
Bundesarchiv Berlin (Ehem. BDC) 31XX/J0129
Bundesarchiv Berlin (Ehem. BDC) 3200/J0004
Bundesarchiv Berlin (Ehem. BDC) NSLB/MF B 0007
Bundesarchiv Berlin (Ehem. BDC) NSLB/D 0022
Stadtarchiv Münster, Persönlichkeitensammlung

Publikationen:

  • Rudolf Luther, "Blau oder Braun?" Der Volksbund für das Deutschtum im Ausland VDA im NS-Staat 1933-1937, Neumünster 1999.
  • Tammo Luther, Volkstumspolitik des deutschen Reiches 1933-1938: Die Auslanddeutschen im Spannungsfeld zwischen Traditionalisten und Nationalsozialisten, Stuttgart 2004.

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Stand: September 2012


 

Adresse, Anfahrt, Öffnungszeiten

Humborgweg

Hausnummern: 2
gemeldete Einwohner: 4

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