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Hindenburgplatz

Reichspräsident Hindenburg


Wahl Hindenburgs 1925

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vergrößernReichspräsident Paul von Hindenburg, ca. 1930

"Ich bin auch nicht der alte Mann im Rollstuhl, wie man das Volk glauben machen will."
(Hindenburg, April 1925)

"Die Wahl Hindenburgs kam einer konservativen Umgründung der Weimarer Republik gleich. Sein Sieg war kein Plebiszit für die Wiederherstellung der Monarchie, aber doch ein Volksentscheid gegen die Form von parlamentarischer Demokratie, die man seit 1919 erlebt hatte."
(H. A. Winkler, 2011)

"... mit Hindenburg berief die Mehrheit der Wähler einen Mann an die Spitze des Staates, der ein zumindest ambivalentes Verhältnis zu den demokratischen Institutionen dieses Staatswesens unterhielt und der innerlich nie auf dem Boden des demokratischen Verfassungsstaates stand, auch wenn er sich in formaler Hinsicht lange Zeit durchaus pflichtschuldig an die geltenden Verfahrensregeln hielt, ohne allerdings ihren Geist zu erfassen. Welche politische Hypothek die Republik sich mit der Wahl Hindenburgs aufgeladen hatte, sollte spätestens 1930 offenkundig werden, als das demokratische Staatswesen in schweres Fahrwasser geriet und die Navigationskunst eines zuverlässigen Steuermannes dringend nötig gewesen wäre. Doch in ihrer Existenzkrise fehlte der Weimarer Republik ein fester und zuverlässiger präsidialer Rückhalt."
(W. Pyta, 2007)

"Sie wissen, innerlich stehe ich durchaus rechts. Aber ... wir sind von allen Parteien die dämlichste!"
(Hindenburg zu Wedige von der Schulenburg, Oktober 1929)

Der Reichspräsident der Weimarer Republik war kein bloß repräsentatives Staatsoberhaupt. Dessen war sich Paul von Hindenburg von Anfang an bewusst. Sein Herrschaftsverständnis und -willen machten es ihm zur Aufgabe, von den verfassungsrechtlichen Befugnissen des Amtes energisch und ausgreifend Gebrauch zu machen. Sein Gespür für geschichtspolitische Symbolik legte ihm zudem nahe, die Zeit des – vermeintlich höchst erfolgreichen - Generalfeldmarschalls Hindenburg nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Der Reichspräsident instrumentalisierte auch in der Funktion des Staatsoberhauptes immer noch sein Monopol als Kriegsfeldherr. Überwiegend trat er öffentlich in Uniform mit Pickelhaube und oft mit Marschallstab auf.

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Zenit des Ansehens

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vergrößernHindenburgfeier in Münster, 1927

Der 80. Geburtstag Hindenburgs am 2. Oktober 1927 wurde reichsweit enthusiastisch gefeiert. Hindenburg selbst nutzte die Gelegenheit, seine Distanz zur Weimarer Republik zu demonstrieren. Reichstag und Reichsregierung wurden in die offiziellen Feierlichkeiten nur marginal einbezogen. Den "alten Kameraden" schenkte das Protokoll des Büros des Reichspräsidenten die weitaus größte Aufmerksamkeit. Obwohl Hindenburg im "Zenit des Ansehens" (W. Pyta) stand, hat es ihn persönlich sehr enttäuscht, dass sich die zerstrittene politische Rechte in seiner ersten Amtszeit nicht zu einer Einigung unter seiner Führung gewinnen ließ

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Regime der Notverordnungen

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vergrößernReichskanzler Heinrich Brüning im Wahlkampfeinsatz für Hindenburg, 1932

"Es ist ein Jammer, ... wie das Vertrauen in den Alten sinkt, der eine unbeschreibliche Liebe des Volkes besaß."
(Karl von Fabeck, hoher Offizier des Weltkriegs und Verwandter von Hindenburg, April 1931)

Im März 1930 brach die Große Koalition unter dem sozialdemokratischen Reichskanzler Hermann Müller (1876–1931) auseinander. Von nun an ließ Hindenburg nicht mehr zu, dass sich die Sozialdemokratische Partei an einer Regierung beteiligen konnte. Darüber hinaus verhinderte er generell jede parlamentarische Mehrheitsregierung. Der Zentrumspolitiker Heinrich Brüning (1885–1970), aus Münster stammend, wurde Reichskanzler eines bürgerlichen Minderheitskabinetts. Schon nach kurzer Zeit trat ein, was Hindenburg sich gewünscht hatte: der Reichstag lehnte eine Vorlage der Regierung ab. Eine Notverordnung zur Behebung der Situation wurde ebenfalls abgelehnt. Am 18. Juli 1930 löste Hindenburg den Reichstag auf. Das "Regime der Notverordnungen" (H. A. Winkler) nahm seinen Lauf.

Im Frühjahr 1932 stand die Neuwahl des Reichspräsidenten an. Als sich die Suche nach einem aus der Sicht Hindenburgs geeigneten Nachfolger als erfolglos herausstellte, fand er Gefallen an der Idee, zumindest für eine Übergangszeit weiterhin als Reichspräsident zu amtieren. Zunächst nicht davon überzeugt, dass ihn der "überwiegende Teil des Volkes", zu dem er vor allem auch die politisch rechts stehenden Parteien zählte, rufen würde, ließ er sich schließlich doch für eine erneute Kandidatur gewinnen. Obwohl Adolf Hitler (1889–1945) als stärkster Gegenkandidat auftrat, beharrte er auf seiner Absicht, nach seiner Wahl die Rechte mit der Regierungsarbeit zu beauftragen.

Am 10. April 1932 wurde Paul von Hindenburg mit deutlicher Mehrheit wieder gewählt. Reichskanzler Brüning hatte sich als der leidenschaftlichste Wahlkämpfer für Hindenburg erwiesen, obwohl er wusste, dass der Reichspräsident ihn bei nächster Gelegenheit entlassen würde. Mehr Loyalität und Selbstverleugnung, als Brüning sie aufbrachte, war nicht möglich (W. Pyta). Dass Hindenburg schließlich mit den Stimmen der Sozialdemokraten und der Zentrumsanhänger wieder gewählt wurde, konnte er kaum verwinden und legte dies in der Folge Brüning zur Last.

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Entlassung des Reichskanzlers Heinrich Brüning

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vergrößernBrüning und Groener, 24.04.1932

"Der alte Reichspräsident hat wohl 'versagt', allerdings nicht erst am 30. Januar 1933, sondern schon ein gutes halbes Jahr vorher, als er nämlich sich am 30. Juni 1932 von Brüning trennte."
(Hermann Pünder, von Juni 1926 bis Juli 1932 Chef der Reichskanzlei, 1968 - Irrtum Pünders: Tatsächlich erfolgte die Entlassung am 30. Mai)

Seinem Groll auf den Reichskanzler ließ der wieder gewählte Reichspräsident ungezügelten Lauf. Einen Anlass, den Kanzler zu attackieren, bot ihm das Verbot von SA ("Sturmabteilungen") und SS ("Schutzstaffeln"), den Privatarmeen Adolf Hitlers, vom April 1932. Das Verbot ging auf Forderungen der Innenminister der Länder zurück. Es war im Sinne Hindenburgs kontraproduktiv, da er Hitler und die Nationalsozialisten für eine Regierungsbeteiligung zu gewinnen suchte und Hitler daher nicht verärgern mochte. Reichskanzler Brüning und der Wehr- und Innenminister Wilhelm Groener aber hatten ihm dieses Verbot abgetrotzt. Den Angriffspunkt bot Groener. Hindenburg wusste von der Illoyalität der Reichswehrführung gegenüber dem Minister. Er selbst ordnete die öffentliche Demontage Groeners, seines einstigen Vertrauten, an. Der sah sich zur Ankündigung seines Rücktritts genötigt.

Brüning solidarisierte sich mit seinem Wehr- und Innenminister. Zudem wagte er Widerspruch gegen die unwürdige Behandlung durch das Staatsoberhaupt. Er musste seine Demission einreichen. Am 30. Mai 1932 gewährte Hindenburg dem Reichskanzler dreieinhalb Minuten für die Entlassung aus dem Amt, weil er eine Marineformation zur Erinnerung an die Skagerrakschlacht abnehmen wollte. Der Generalfeldmarschall hatte das Bedürfnis, den kleinen Leutnant, der zu rebellieren gewagt hatte, abzustrafen.

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Reichspräsident und nationalsozialistischer Reichskanzler

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vergrößernHitler und Hindenburg am Tag von Potsdam, 21. März 1933.

"Es ist ein Märchen, daß der 84jährige damals geistig nicht mehr ganz auf der Höhe gewesen sei."
(Hermann Pünder zum 30. Januar 1933, Lebenserinnerungen, 1968)

Mit der Entlassung Brünings führte Hindenburg die Weimarer Republik in eine autoritäre, offen antiparlamentarische Phase. Der Reichspräsident hat nach der Entlassung Brünings eine Mitwirkung des Reichstages an der Regierungsbildung nicht mehr zugelassen und somit die Rechte des Parlaments beschnitten. Den beiden kurzzeitigen Reichskanzlern Franz von Papen (1879-1969), bis 2. Dezember 1932, und Kurt von Schleicher (1882-1934), von Dezember 1932 bis zum 29. Januar 1933, die beide Verbindungen zu den Nationalsozialisten knüpfen konnten, blieb es verwehrt, im Sinne Hindenburgs die Regierung zu leiten. Mit Notverordnungen, mehrfachen Reichstagsauflösungen und der Zulassung der staatstreichartigen Absetzung der letzten demokratischen Regierung in Preußen 1932 hat der Reichspräsident aktiv an der autoritären Verformung der Weimarer Verfassungsordnung mitgewirkt und schließlich auf deren Auflösung hingearbeitet.

Paul von Hindenburg hat seinem Kanzler Adolf Hitler vertraut und völlig freie Hand gelassen. Schon in den Frühjahrsmonaten des Jahres 1933 ermöglichte er ihm verschiedene Notverordnungen, mit der Unterzeichnung des "Ermächtigungsgesetzes" durch Hindenburg wurde der Reichstag "legal" endgültig ausgeschaltet. Der Reichspräsident sah den Unrechtsmaßnahmen der Nationalsozialisten, wie der willkürlichen Verhaftung politischer Gegner und den ersten Pressionen gegen jüdische Bürger widerspruchs- und tatenlos zu.

Hindenburg hat aus eigener Machtvollkommenheit und aus eigenem Entschluss Adolf Hitler zum Kanzler eines Kabinetts der "nationalen Konzentration" gemacht (W. Pyta). Er glaubte, dass nur Hitler und seine Bewegung seine – Hindenburgs – Idee der nationalen Einheit Deutschlands verwirklichen würde. "Die Ernennung Hitlers zum Reichskanzler war nicht der unausweichliche Ausgang der deutschen Staatskrise, die mit dem Bruch der Großen Koalition am 27. März 1930 begonnen und sich seit der Entlassung Brünings am 30. Mai 1932 dramatisch zugespitzt hatte. [...] Nichts zwang den Reichspräsidenten dazu, Hitler zum Reichskanzler zu machen. [...] Hitlers Massenbewegung machte seine Ernennung möglich, aber erst durch den Willen Hindenburgs und des Milieus, das er verkörperte, wurde er Kanzler." (H. A. Winkler, 2011)

Hermann Pünder, der Zugang zum Reichspräsidenten hatte und Hindenburg wenige Tage nach dem 30. Januar 1933 persönlich besuchte ("Ich fand erfreulicherweise Hindenburg frisch und aufgeräumt.") schrieb in seinen Lebenserinnerungen: "Es ist ein Märchen, daß der 84jährige damals geistig nicht mehr ganz auf der Höhe gewesen sei. Körperlich ging es ihm damals zweitweise nicht ganz gut, er litt an schmerzhafter Gicht und zuweilen auch an Altersbeschwerden. Aber im Kopf war er durchaus klar, und mit seinem nüchternen Verstand ließ er sich als altgelernter Troupier so leicht nichts vormachen. Er konnte zuweilen ziemlich kaltschnäuzig sein, und Menschen oder gar die öffentliche Meinung bedeuteten ihm nicht sonderlich viel." (H. Pünder, 1968)

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Paramilitärische SA oder Reichswehr

"Das ist richtig so, ohne Blutvergießen geht es nicht"
(Hindenburg zu Hitler, Juli 1934)

Das Auftreten der SA nach der Machtergreifung beunruhigte die NS-Führer selbst, aber auch die Reichswehr. Im Juli 1933 ist der Stahlhelm der SA angegliedert worden, damit verfügte sie über geschätzte 1,5 Millionen Mitglieder. Beim Stabschef der SA, Ernst Röhm (1887-1934) gab es durchaus Pläne, bei der "Wiederwehrhaftmachung" Deutschlands der SA eine bevorzugte Rolle zuzuweisen.

Dem Oberbefehlshaber der Reichswehr Hindenburg war es ein wichtiges Anliegen, der Generalität Macht und Stabilität im Reich zu sichern. Deshalb war auch ihm die SA unbequem. Die NS-Führer konstruierten die Gefahr eines Aufstandes durch die bewaffnete SA ("Röhm-Putsch" am 30. Juni 1934). Adolf Hitler und Hermann Göring selbst sowie weitere hohe NS-Führer planten minuziös die Ermordung Ernst Röhms, zahlreicher weiterer SA-Führer und vieler missliebiger Opponenten. Zu den Opfern zählte auch Erich Klausener, der Leiter der Katholischen Aktion in Berlin, der den Nazis als "gefährlicher Katholikenführer" verhasst war. Bei seinem Bericht über die Mordaktion nahm der Reichskanzler Hitler vom Reichspräsidenten Hindenburg die für ein Staatsoberhaupt unerhörte Bestätigung "Das ist richtig so, ohne Blutvergießen geht es nicht" entgegen.

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Applaus zum Mord

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vergrößernGlückwunsch Hindenburgs an Hermann Göring, 30.07.1934

Auch der von Hindenburg 1932 für einige Monate zum Reichskanzler ernannte ehemalige Berufssoldat General Kurt von Schleicher und seine Ehefrau wurden in ihrem Haus überfallen und ermordet. Dem 1933 vom Hauptmann d. R. zum General beförderten Hermann Göring (1893-1946) sandte Hindenburg zu diesem verbrecherischen Vorgehen ein Glückwunschtelegramm, unterzeichnet "mit kameradschaftlichen Grüßen".

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Politisches Testament

"Wie Siegfried unter dem hinterlistigen Speerwurf des grimmigen Hagen, so stürzte unsere ermattete Front ..."
(Hindenburg in seinem politischen Testament, 1934)

Am Morgen des 2. August 1934 starb Paul von Hindenburg. Er hat der Nachwelt ein politisches Testament hinterlassen, wie es in der preußischen Geschichte Tradition hat. Es wurde am 11. Mai 1934 niedergeschrieben und am 15. August 1934 veröffentlicht. Noch einmal bekräftigte er die Dolchstoßlegende, die Mär von der verräterischen "Heimatfront".

Der Schlussteil lautet: (Zitiert nach W. Hubatsch, 1966)
"Mein Kanzler Adolf Hitler und seine Bewegung haben zu dem großen Ziele, das deutsche Volk über alle Standes- und Klassenunterschiede zur inneren Einheit zusammenzuführen, einen entscheidenden Schritt von historischer Tragweite getan. Ich weiß, daß vieles noch zu tun bleibt, und ich wünsche von Herzen, daß hinter dem Akt der nationalen Erhebung und des völkischen Zusammenschlusses der Akt der Versöhnung steht, der das ganze deutsche Volk umfaßt.
Ich scheide von meinem deutschen Volk in der festen Hoffnung, daß das, was ich im Jahre 1919 ersehnte, und was in langsamer Reife zu dem 30. Januar 1933 führte, zu voller Erfüllung und Vollendung der geschichtlichen Sendung unseres Volkes reifen wird.

In diesem festen Glauben an die Zukunft des Vaterlandes kann ich beruhigt meine Augen schließen.
Berlin, den 11. Mai 1934    von Hindenburg."

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Stand: September 2012


 

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