Ehre, wem Ehre gebührt?! Straßennamen in der Diskussion

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Aktuell diskutierte Straßennamen

Franz-Ludwig-Weg

Namensgeber: Franz Ludwig

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vergrößernLudwigs Komposition Kantate 'An den Führer', vermutlich 1939

* 07.07.1889 in Graslitz/Nordböhmen
† 15.06.1955 in Münster

Musiker und Komponist


"Ein wahrhaft volkstümliches und deutsch gesinntes Werk aus dem Verehrung und Liebe für den Führer sprechen."
(Pressestimme zu Ludwigs „Kantate an den Führer, 1940)



Empfehlung der Kommission Straßennamen

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vergrößernLudwigs NSDAP-Parteitagsmusik ‚Der Tag von Nürnberg’, 1934

Die Kommission hat in ihrer abschließenden 4. Sitzung am 15. Juni 2011 zusammengefasst folgende Empfehlungen abgegeben:

"Die Kommission empfiehlt einstimmig die Umbenennung des Franz-Ludwig-Weges. Ausschlaggebend für diese Empfehlung ist, dass der Musiker und Komponist Franz Ludwig mit zwischen 1933 und 1945 komponierten Werken den Nationalsozialismus verherrlichte und diese im Rahmen von nationalsozialistischen Inszenierungen aufgeführt wurden."

Die Bezirksvertretung Mitte fasste in ihrer Sitzung am 22. Mai 2012 den Beschluss zur Umbenennung des Franz-Ludwig-Wegs in Heinrich-Hemsath-Weg.


Franz Ludwig und der Nationalsozialismus

Politische Mitgliedschaften
1936: Mitglied der Reichsmusikkammer (Nr. 209946) (Pflichtmitgliedschaft)
1937: Eintritt in die NSDAP (Mitgliedsnummr 5919536)
Weitere Mitgliedschaften: Nationalsozialistische Volkswohlfahrt (NSV), Reichsluftschutzbund (RLB)


Komposition nationalsozialistischer Werke

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vergrößernPressetext zu einer Aufführung der 'Kantate an den Führer', 01.12.1940

Franz Ludwig komponierte zwischen 1933 und 1945 eine ganze Reihe von Werken, die Adolf Hitler und die nationalsozialistische Ideologie verherrlichten. Unter diesen Stücken befinden sich unter anderem die Parteitagsmusik "Der Tag von Nürnberg" (1934), die Kantate "An den Führer" (vermutlich 1939) sowie die Kampflieder "Marschierer des Sieges" und "Soldaten im Braunhemd" (1940). Etwa die Hälfte der Kompositionen Ludwigs aus der Zeit von 1933 bis 1945 weist eine enge Verbindung zur nationalsozialistischen Ideologie auf.
Es kam zu zahlreichen öffentlichen Inszenierungen und Aufführungen im Rundfunk. Die Kantate "An den Führer" wurde nach einer Inszenierung in Hagen 1940 gefeiert als "Werk, aus dem Verehrung und Liebe für den Führer sprechen" und ein "wahrhaft volkstümliches und deutsch gesinntes Werk".

Auszüge aus dem Text der Kantate "An den Führer" bestätigen dies: "Führe uns!/ In deinen Händen/ liegt das Schicksal von Millionen,/die in deinem Herzen wohnen,/ denen du ein Glaube bist./ Gott hat dir die Kraft gegeben,/ einzig deinem Volk zu leben,/ das für dich der Pulsschlag ist./ Wir wollen mit ihm durchs Feuer gehen/ als Deutschlands würdige Erben,/ so wie wir mit ihm zu leben verstehen,/ verstehen wir auch, mit ihm zu sterben!"

"Verfehlt wäre es, die unter nationalistischen bzw. nationalsozialistischen Vorzeichen entstandenen Kompositionen Ludwigs im Gesamtwerk der Jahre 1933–1945 als Randerscheinungen zu bezeichnen. Denn allein ihre Anzahl, aber auch die Belege ihrer öffentlichen Aufführung lassen sie keineswegs nur als 'Gelegenheitswerke' erscheinen." (Sandberger 1990, S. 82.)


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vergrößernBrief Ludwigs an Joseph Goebbels, 1934

Ludwig warb aktiv und intensiv um die Gunst führender NS-Politiker. So lud er sowohl Joseph Goebbels als auch Hermann Göring zur Prämiere seines "Lambertusspiels" ein. In seinen Formulierungen und Werken passte Ludwig sich den nationalsozialistischen Kunstvorstellungen an.

In einem Brief an Joseph Goebbels vom 12. Januar 1934 pries Ludwig zur Uraufführung sein "Lambertusspiel" an: "Aus der Fülle alten deutschen Brauchtums und aus einem fast verschollenen völkischen Liederschatz schöpfend glauben Komponist und Dichter des Lambertusspiel in dreijähriger Arbeit ein echtes Volksspiel geschaffen und der Selbstbesinnung zu deutschem Wesen in der Kunst einen Antrieb gegeben zu haben."

Weiter schrieb er zum Lambertusspiel: "Ein Volksgut, das rund 60 Jahre Liberalismus, Materialismus und Snobismus überlebt hat, ohne bis in die Wurzel zerfressen und verfault zu sein, ist wahrlich ein wunderbares und dauerhaftes Ding. Wohl keinen hätte es sehr gewundert, wenn unter den Schlammströmen der demokratischen Zivilisation auch der alte Lambertusbrauch erstickt wäre."


Ehrenamtliche Unterstützung der NS-Kulturpolitik

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vergrößernBrief Ludwigs an den Präsidenten der Reichsmusikkammer, 1937

Ludwig unterstützte die nationalsozialistische Kulturpolitik, in dem er sich ehrenamtlich in ihren Institutionen engagierte. Unter anderem war er ehrenamtlicher Musikfachberater der Gauleitung Westfalen Nord, womit er ein wichtiges Bindeglied zur Reichsmusikkammer darstellte. Außerdem war Ludwig ehrenamtlicher Kreischorleiter für das Gaukulturamt Westfalen-Nord und Landesleiter des Reichsmusikkammer-Gaues 29.
Darüber hinaus betätigte sich Ludwig als einer von drei verantwortlichen Juroren des für alle Chöre verpflichtenden "Wertungssingens" in Telgte, bei dem neben eigenen Stücken auch Pflichtchöre gesungen werden mussten, die ganz dem Geist der NS-Kulturpolitik entsprachen.
In Bewerbungen, die Ludwig in den Jahren 1933 bis 1945 schrieb, listete er stets seine ehrenamtlichen Positionen auf und betonte so sein Engagement für das nationalsozialistische Regime. In einem Brief an den Präsidenten der Reichsmusikkammer beschwerte sich Ludwig 1937, dass die – nun hauptamtliche – Stelle des Landesleiters der Reichsmusikkammer-Gaues 29 nicht mit ihm, sondern mit einem anderer Bewerber besetzt wurde. Auch hier hob Ludwig sein Engagement für die nationalsozialistische "Bewegung" hervor, die er sogar schon vor aktiv 1933 unterstützt habe:
"Ich habe mich [...] schon vor dem Umbruch für die Bewegung eingesetzt, indem ich in dem Saale des damals einzigen nationalsozialistischen Gasthofes in Münster, dem Löwenhof, einen großen Klavierzyklus mit sämtlichen Klavierwerken Wolfgang Amadeus Mozarts 1932 veranstaltet habe."

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Franz Ludwig nach 1945

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vergrößernLudwigs Komposition 'An Deutschland', Ende 1940er Jahre

Der Entnazifizierungsausschuss in Münster, der sich 1949 mit dem Komponisten befasste, stufte ihn als 'Entlasteten' ein, mit der Begründung, er habe sich nicht in der Partei betätigt. In der Wissenschaft und der regionalen Presse wurde die nationalsozialistische Vergangenheit Ludwigs verdrängt.

Es gibt Hinweise darauf, dass es zu keinem grundlegenden Bruch in der politischen Überzeugung Ludwigs kam. Ende der 1940er Jahre komponierte er den Chorsatz "An Deutschland" auf einen Text von Wilhelm Pleyer, dessen Refrain "Deutschland, Deutschland über alles, über alles sei geliebt..." eindeutige Assoziationen mit der ersten Strophe des "Deutschlandliedes" hervorruft.

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Zur Person Franz Ludwig

Lebenslauf

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vergrößernFranz Ludwig, ca. 1955

1907–1911: Studium der Musik und Musikwissenschaft an der deutschen Universität in Prag und am Königlichen Konservatorium in Leipzig

Ab 1913: "Fürstlicher Hofpianist" in Sondershausen

1916-1918: Kriegsdienst

1919: Ruf nach Münster. Versuch, mit seiner Beteiligung eine Musikhochschule aufzubauen, scheitert

1920: Gründung eines privaten Klavierseminars "Ludwigbund"

1934: Uraufführung seines Hauptwerkes, des Oratoriums "Lambertusspiel"

Bis 1939: Selbstständiger Musiklehrer und Chordirigent, Veröffentlichung zahlreicher Bücher zur Musikgeschichte sowie Kompositionen

1939-1943: Tätigkeit als "Hilfslehrer im Kriegseinsatz", Musikunterricht an Schulen in Münster

1943–1945: Hilfslehrer in seiner böhmischen Heimat (Kaaden, Treplitz)

Nach 1945: Rückkehr nach Münster, Fortsetzung seiner Tätigkeit als Lehrer, Dirigent und Komponist


Ehrungen

1942: Musikpreis der Stadt Bocholt für "Variationen über Robert Schürmanns Krieglied für großes Orchester"

1974: Straßenbenennung

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Quellen und Publikationen

Quellen:
Universitäts- und Landesbibliothek Münster, Nachlass Franz Ludwig
Landesarchiv NRW, Abt. Rheinland, Bestand NW 1038/1342


Publikationen:

  • Wolfgang Sandberger, "Selbstbestimmung zu deutschem Wesen in der Kunst." Der Komponist und Musikpädagoge Franz-Ludwig in der NS-Zeit. In: Franz-Josef Jakobi/Thomas Sternberg (Hg.), Kulturpolitik in Münster während der nationalsozialistischen Zeit, Münster 1990, S. 66-85.
  • Hans-Joachim Vetter, Korreferat zum Vortrag von Wolfgang Sandberger und Diskussion. In: Franz-Josef Jakobi/Thomas Sternberg (Hg.), Kulturpolitik in Münster während der nationalsozialistischen Zeit, Münster 1990, S. 86-88.

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Stand: September 2012


 

Adresse, Anfahrt, Öffnungszeiten

Franz-Ludwig-Weg

Hausnummern: 18
gemeldete Einwohner: 43

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