Ehre, wem Ehre gebührt?! Straßennamen in der Diskussion

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Ausstellung in der Bürgerhalle

Begegnung mit elf Namensgebern

26. Januar bis 16. März 2012

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In der Ausstellung "Ehre, wem Ehre gebührt?!" über Straßennamen in Münster begegnen den Besuchern die Namensgeber Karl Wilhelm Jötten, Hans Pfitzner, Ludwig Humborg, Franz Ludwig, Hermann Stehr, Friedrich Castelle, Karl Wagenfeld, Heinrich Lersch, Agnes Miegel, Alfred Stühmer. Hinzu kommt Paul von Hindenburg, zu dem eine zusätzliche Infotafel und eine Vitrine mit Originalexponaten zum "Tag von Potsdam" vorbereitet wurden.

Im Zentrum der Präsentation in der Bürgerhalle des Rathauses steht das Verhalten dieser Namenspatrone während des Nationalsozialismus. Lebensgroße Personensilhouetten geben biographische Informationen und lassen die Personen selbst zu Wort kommen. Originale Aussagen und Texte dokumentieren, wie Schriftsteller oder Musiker in ihren Texten und Musikstücken die nationalsozialistische Ideologie aufgriffen, zeigen Hitler und seine Politik verherrlichende Auszüge aus Gedichten, Zeitungsbeiträgen oder Reden.

Hans Pfitzner oder Hermann Stehr veröffentlichten mehrfach politische Erklärungen, mit denen sie das NS-Regime unterstützten. Andere hielten linientreue Vorträge wie Ludwig Humborg. Zitate aus privaten Briefen belegen die frühe nationalsozialistische Einstellung von Agnes Miegel, zeigen bei Heinrich Lersch, dass sein Verhältnis zum Nationalsozialismus eher uneindeutig war. Die Rede Hitlers zum 1. Mai 1933 empfand Lersch als "phantastisch" und "unvergesslich". Er wollte sich jedoch nicht komplett den Stempel der NS-Behörden aufdrücken lassen, denn er könne, "so lang er nicht an der Staatskrippe frisst, stolzer sein wie irgendein anderer in Deutschland!"
Im Fall Jötten zeigen die Quellen einen ehrgeizigen Wissenschaftler, der pseudowissenschaftliche Untersuchungsergebnisse zu Zwangssterilisationen zur Sicherung der eigenen Karriere veröffentlichte. Alfred Stühmers Andienung an den Nationalsozialismus hatte Grenzen; er bezog Stellung zur Behandlungspflicht jüdischer Patienten.

Auch das Verhalten der Namensgeber nach 1945 spielt in der Ausstellung eine Rolle. Nicht nur Agnes Miegel lehnte eine Auseinandersetzung mit ihrer Position in der NS-Zeit ab.

Die Ausstellung bietet auch Antworten auf allgemeine Fragen rund um die Straßennamen: Seit wann werden Personen mit Straßennamen geehrt? Welche Personengruppen wurden und werden seit 1870 bevorzugt mit einem Straßennamen bedacht?


Stand: September 2012


 

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Vortrag zur Eröffnung der Ausstellung, 25.01.2012