Die Nachfrage gerechte Bereitstellung von Grundstücken für den Wohnungsbau ist eine der wichtigsten Aufgaben einer erfolgreichen kommunalen Wohnungs- bzw. Siedlungspolitik einer Stadt. Mit der Zuständigkeit für die Aktivierung von neuen Baugebieten (Planung, Erschließung, ggf. Grunderwerb) verfügt die Stadt über Instrumente zur Einflussnahme auf das Marktgeschehen. Die fachliche Steuerung der Wohnbaulandentwicklung wird in Münster durch ein regelmäßiges Monitoring zur Wohnbaulandentwicklung und das Baulandprogramm unterstützt.
Monitoring zur Wohnbaulandentwicklung
Beobachtung und Steuerung der Wohnbaulandentwicklung anhand von Indikatoren haben in Münster eine lange Tradition. Seit Ende der 70er Jahre stützt sich die Baulandpolitik in Münster auf die Analyse und Berichterstattung zur Baulandausweisung. Dabei werden die Zielvorgaben zur Baulandbereitstellung ständig überprüft. Eine dieser vom Rat der Stadt festgelegten Zielvorgaben betrifft den Vorrat an baureifen Flächen für den Wohnungsbau. Dieser soll dem vier- bis fünffachen des durchschnittlichen Jahresverbrauchs der jeweils letzten fünf Jahre entsprechen. Die Umsetzung dieser Vorgabe wird seit Jahren durch eine Bilanzierung von Flächenbereitstellung (Planung und Erschließung) und Flächenverbrauch (Bautätigkeit) begleitet.
Diese regelmäßige Leistung ist im Laufe der Jahre zu einem Baulandmonitoring im Dienste eines strategischen Controllings weiter entwickelt worden, mit dem auch die Wirkungen der Baulandpolitik nachgehalten werden. Mengenangaben können heute nach einer Vielzahl qualitativer Aspekte differenziert werden. Das Baulandmonitoring liefert interne Grundlagen für die Erarbeitung des Baulandprogramms und zur Fortschreibung des Handlungsprogramms Wohnen.
Neubaugebiete für den Eigenheimbau und innerstädtische Standorte für Mehrfamilienhäuser
Mit Hilfe der empirischen Befunde aus dem Baulandmonitoring kann nachgewiesen werden, dass 80% der Eigenheimbautätigkeit in geplanten Neubaugebieten stattfindet. Aufgrund der siedlungsräumlichen Rahmenbedingungen in Münster liegen diese häufig am Rand der Außenstadtteile und verteilen sich auf eine Vielzahl von Baugebieten. Die Planung und Aktivierung neuer Wohnbaugebiete in einem ausreichenden Maß auf der Grundlage eines jährlich zu aktualisierenden Baulandprogramms ist weiterhin Voraussetzung für die Fortführung des Eigenheimbaus in Münster. Standorte im Siedlungsbestand spielen für den Eigenheimbau eine untergeordnete Rolle.
Ganz anders ist die Situation beim Mehrfamilienhausbau. Die in diesem Bereich tätigen Unternehmen bevorzugen attraktive innerstädtische Lagen. Dies gilt für den Bau von Miet- und Eigentumswohnungen. Die vorhandenen Vorräte an baureifen Flächen für den Mehrfamilienhausbau in den Neubaugebieten der Stadtteile werden dagegen nur zögerlich nachgefragt. Diese Vorräte sind - auch wenn sie quantitativ ausreichend erscheinen - daher keineswegs Garant für ein gutes Standortangebot. Um den Mehrfamilienhausbau auf dem angestrebten Niveau zu halten, ist weniger die klassische Baulandentwicklung als die Verfügbarkeit von Standorten in den nachgefragten innerstädtischen Lagen erforderlich. Der Rat der Stadt Münster hat daher der Verwaltung den Arbeitsauftrag erteilt, die Entwicklung von Standorten für den Mehrfamilienhausbau im Siedlungsbestand zu forcieren.
Zusammenhang von Baulandbereitstellung und Bevölkerungsprognose 2020
Durch die Wohnbaulandentwicklung wird Bautätigkeit ausgelöst. Neue Wohngebäude werden in der Regel zeitnah bezogen und beeinflussen die Einwohnerentwicklung. Annahmen zur künftigen Bautätigkeit sind daher seit Jahren eine wichtige Grundlage für die Bevölkerungsprognose und wirken maßgeblich auf die kleinräumige Verteilung der Einwohner. In der Bevölkerungsprognose 2020 sind neben der Bautätigkeit in Neubaugebieten erstmalig auch die durch die erwarteten Standortentwicklungen im Siedlungsbestand ausgelösten baulichen Effekte berücksichtigt worden. Dadurch stellt sich die Einwohnerentwicklung im Stadtbezirk Mitte günstiger dar, als in früheren Prognosen. Die Bevölkerungszuwächse in den Außenstadtteilen mit Neubaugebieten werden dagegen abgeschwächt.
Bericht "Wohnbaulandentwicklung 2005"
erschienen in der Reihe: Beiträge zur Stadtforschung Stadtentwicklung Stadtplanung / ISSN: 0933-9078
Heft Nr. 2/2005 - September 2005
Bericht "Wohnbaulandentwicklung"
erschienen in der Reihe: Beiträge zur Stadforschung Stadtentwickung Stadtplanung / ISSN: 0933-9078
Heft Nr. 1/2001 - Mai 2001