Radverkehrskonzept 2010 - Mit dem Rad in die Zukunft
Die Stadt Münster ist gerade in der jüngsten Vergangenheit mit Preisen und positiven Bewertungen für ihre Fahrradfreundlichkeit von den Verbänden der Auto- und der Fahrradlobby ausgezeichnet worden. Kein Grund, sich auszuruhen, denn das Erreichte muss weiter gepflegt und künftigen Ansprüchen gerecht werden. Das neue Radverkehrskonzept 2010 wurde im Juli 2004 von der Politik beschlossen. Es bietet einen Orientierungsrahmen für die Radverkehrsplanung der nächsten Jahre (Radverkehrskonzept 2010; pdf, 23 KB).
Die im "Programm Fahrradfreundliche Stadt Münster" vor 12 Jahren vorgesehenen Maßnahmen zum Ausbau der Fahrradinfrastruktur sowie begleitende Untersuchungen zum Radverkehr sind weitgehend abgearbeitet. Das Radverkehrskonzept 2010 will jetzt die Handlungsschwerpunkte zur Weiterentwicklung und Förderung der Radverkehrsnutzung neu ausrichten. Die Verwaltung hat hierzu externe Anregungen aus Politik und Bürgerschaft ausgewertet und die Erkenntnisse aus einem verwaltungsinternen Workshopverfahren sowie aus dem BYPAD-Prozess (Bicycle Policy Audit) einfließen lassen. Aus dem Bewertungsprozess ergeben sich für das Radverkehrskonzept 2010 die folgenden drei Handlungsfelder:
- Verkehrssicherheit erhöhen
- Radverkehrsinfrastruktur ausbauen und unterhalten
- Information, Kommunikation und Service weiter ausbauen
Verkehrssicherheit erhöhen
- Die Unfallschwerpunkte für Radfahrer werden systematisch untersucht und nach Möglichkeit entschärft.
- Viele Leezen sind nicht verkehrssicher. Vor allem das Fahren im Dunkeln ohne Licht ist fahrlässig. „Licht-Kampagnen“ sollen das Bewusstsein dafür wecken.
- Studierende fahren besonders häufig mit nicht verkehrssicheren Rädern. Für sie soll es ein besonderes Reparaturangebot geben.
- Die Verkehrssicherheitsarbeit an Schulen soll noch weiter intensiviert werden mit Sicherheitschecks für Fahrräder und Schulwege, Fahrtrainings u.s.w.
Radverkehrsinfrastruktur ausbauen und unterhalten
- Noch bestehende Lücken im Radverkehrsnetz sollen geschlossen und nicht mehr zeitgemäße Bordsteinradwege saniert werden. Außerdem wird das Fahrradstraßen-Programm kontinuierlich fortgeführt. Überflüssige Barrieren (so genannte Umlaufschranken oder Drängelgitter) verschwinden nach und nach.
- Das Abbiegen an Kreuzungen soll durch Fahrradschleusen und Fahrradampeln erleichtert und sicherer werden. Es soll geprüft werden, ob Radfahrer zukünftig vor der roten Ampel nach rechts abbiegen dürfen. Vielleicht gibt es ja bald einen Grünen Pfeil nur für Radfahrer? Und: Radwege in Kreuzungen und an Grundstückseinfahrten sollen rot markiert werden, damit sie mehr ins Auge fallen.
- Das Fahrradparken in der Altstadt, aber auch in den Wohngebieten soll verbessert werden. Bike & Ride an Bus- und Bahnhaltestellen wird ausgebaut und optimiert.
- Die Fahrradwegweisung wird komplettiert. Parallel erarbeitet die Stadtverwaltung ein Unterhaltungs- und Wartungssystem, das Mängel wie gestohlene oder unlesbar gemachte Schilder erfasst und die Wegweisung möglichst bald wieder instand setzt.
- Auch Rad- und Wirtschaftswege müssen angemessen unterhalten werden, gibt es doch vielfältige Ursachen für Mängel: Baumwurzeln sprengen Asphaltdecken auf, Wirtschaftswege werden durch landwirtschaftliche Maschinen verschmutzt und Glasscherben gefährden die Reifen. Im Winter müssen Radwege außerdem wie Straßen zuverlässig von Eis und Schnee geräumt werden. Dafür kann ein besonderer Räumdienst zuständig sein.
- Wo parkt die Leeze in den Semesterferien? Meist irgendwo auf der Straße. Dort setzen ihr Wetter und Langfinger zu. Nicht selten verstellt sie auch den Gehweg. Abhilfe soll eine zentrale, sichere Parkmöglichkeit für Räder schaffen, die in den Semesterferien nicht genutzt werden.
- Der Zugang zu den „Fahrradkäfigen“ an Bahnhöfen ist nicht einheitlich und auch nicht mehr zeitgemäß. Das soll sich ändern: Ein Ansprechpartner soll für alle Anlagen zuständig sein. Außerdem wird geregelt, ob man mit einem Schlüssel oder mit einer Code-Karte in die Anlage kommt, was es kostet und andere organisatorische Fragen.
Information, Kommunikation und Service weiter ausbauen
- Menschen, die bereits Rad fahren, sollen darin bestärkt werden. Aber wie erreicht man sie? Einige zum Beispiel über Organisationen wie den Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC). Die Vereinsstruktur erleichtert die Kommunikation, man kann sich an gewählte Vertreter wenden oder die Vereinszeitschrift nutzen.
- Zwar ist für Studierende "Fahrrad" kein Fremdwort. Doch Erstsemester und Neu-Hinzugezogene werden am Besten gleich über Münsters Lieblingsverkehrsmittel und die zum Teil münster-typischen Radverkehrsangebote informiert.
- Schülerinnen und Schüler erleben das Fahrrad oft als die große Freiheit: Endlich selbständig fahren! Schnell fahren! Und ohne Erwachsene! Damit das Radfahren ein ungetrübtes Vergnügen bleibt, müssen sie die Verkehrsregeln kennen, ein verkehrssicheres Fahrrad fahren und die Gefahrenstellen auf dem Weg zur Schule oder zu den Freunden erkennen. Ein Engagement bei dieser Zielgruppe lohnt sich, denn hier ist noch echter Enthusiasmus vorhanden.
- Was nutzen gute Angebote, wenn kaum einer sie kennt? Welcher Bauherr weiß beispielsweise, dass bei Neu- und Umbauten nach Landesbauordnung an Parkplätze für Fahrräder gedacht werden muss? Mit Befragungen, Preisrätsel und Aktionstagen kann Interesse zu speziellen Themen geweckt werden.
- Das Internet gewinnt immer mehr an Bedeutung. Die städtischen Seiten zum Radfahren werden optimiert und ausgebaut, eine mehrsprachige Gestaltung ist in Planung, aktuelle Themen werden verstärkt präsentiert.
- Die größte Breitenwirkung hat aber wohl immer noch die Presse, überall verfügbar und täglich neu. Ziel ist es, dass alle Bürgerinnen und Bürger regelmäßig etwas über das Fahrrad und seine Vorteile, über aktuelle Projekte und Planungen lesen können.