Seit August 2008 existiert mit Ende der Sommerferien der verkehrssichere Umbau des Kreisverkehrs auf dem Ludgeriplatz. Der Ludgeriplatz wird täglich von ca. 38.000 Kraftfahrzeugen, 12.000 Radfahrern und unzähligen Fußgängern frequentiert.
Das hohe Verkehrsaufkommen des großen Kreisverkehrs hat mehrere Gründe:
Der Ludgeriplatz stellt nicht nur das Eingangstor zur nördlich gelegenen Innenstadt dar, er wird ebenfalls im Norden von der Promenade tangiert, die vor allem vom Radverkehr als innerstädtischer Verteilerring genutzt wird. Der Kreisverkehr selbst verbindet zahlreiche Wegebeziehungen, sowohl zwischen dem südlichen Siedlungsgebiet über die Hammer Straße, als auch zwischen den westlich gelegenen Wohn- und Freizeitgebieten (Moltkestraße / Am Kanonengraben) und dem sich östlich anschließenden Bahnhofsviertel (Schorlemer Str. / Hafenstraße).
Hiervon beinhalten allein vier Hauptverkehrsstraßen die Funktionen von Bundes- und Landesstraßen, während die Ludgeristraße die direkte Anbindung zur Münsteraner City darstellt. Auf der West-Ost-Achse werden die Verkehre der ansonsten räumlich getrennten ersten und zweiten Tangentenringe 1 und 2 gebündelt, die um die Münsteraner Innenstadt die Verkehre verteilen. Aus diesem Grund haben die Moltke- und Hafenstraße die auftretenden Überlagerungen zweier Verteilerstraßen zu kompensieren.
Die Fußgänger- und Radverkehrsströme orientieren sich hingegen überwiegend auf der Nord-Süd-Achse und verlaufen somit genau in Querrichtung zum Hauptstrom des Kraftfahrzeugverkehrs.
Handlungsansatz und Hintergründe
Während die Fußgängerbewegungen seit Jahrzehnten recht unproblematisch am Rande der Kreisfahrbahn über die vorhandenen, überbreiten Fußgängerüberwege verlaufen, stellt sich die Unfallsituation bezüglich der Radverkehrsführung als deutlich konfliktträchtiger dar. Anlässlich des letzten tödlichen Unfalls einer Radfahrerin im Jahr 2004 wurden Forderungen laut, die Verkehrssituation nachhaltig zu entschärfen.
Unter Beteiligung von Politik und Bürgerschaft wurden öffentlich über Monate Verbesserungsvorschläge diskutiert, die in einer öffentlichen Podiumsdiskussion mündeten, in der interne und externe Experten das Für und Wider diverser Lösungsansätze aufzeigten. Hierauf aufbauend wurde der gefundene Ausbauvorschlag zur Steigerung der Verkehrssicherheit für den Radverkehr ausgearbeitet und beschlossen, der schließlich in den Sommerferien 2008 umgesetzt wurde.
Er ist das Ergebnis des gefundenen Kompromisses, den Radverkehr künftig sicherer gemeinsam mit dem Kraftfahrzeugverkehr über die Kreisfahrbahn zu führen.
- NEU: Die Anlage von Schutzstreifen -
Die gesicherte Radverkehrsführung wird durch eine frühzeitige und gesicherte Einfädelung des Radverkehrs vor den Einmündungen zur Kreisfahrbahn erzielt, um ihn gemeinsam mit den motorisierten Verkehren und für die Kraftfahrzeugführer gut erkennbar in den Kreisverkehr zu leiten. Mit der Anlage von Schutzstreifen bis zum Rand der Kreisfahrbahn wird verdeutlicht, dass auch der Radverkehr seinen erforderlichen Bewegungsraum im Einmündungsbereich benötigt. Gleichwohl wird durch die unterbrochene Linie des Schutzstreifens, welcher Bestandteil der rechten Fahrspur ist, auch dem Radverkehr gegenüber verdeutlicht, dass dieser Bereich von Kraftfahrzeugen im Bedarfsfall überfahren werden darf.
- NEU: Die Ausbildung der Zufahrtsbereiche -
Die Linienführung des Schutzstreifens auf der rechten Fahrspur folgt dabei dem Flächenbedarf von Pkw’s und kleineren Lieferwagen, neben dem sich der Radverkehr in der Regel konfliktfrei aufstellen kann. Breite und vor allem längere Fahrzeuge benötigen hingegen mehr Platz beim Abbiegen. Für sie muss der Einmündungsbereich deutlich aufgeweitet werden.
Dieser notwendige Flächenbedarf wurde in der Vergangenheit vom Radverkehr intensiv missbraucht, um sich am (stauenden) Verkehr vorbei auf die Kreisfahrbahn zu drängen. Die Folge dieses Verkehrsverhaltens mündete alljährlich in entsprechend hohen Unfallzahlen in den Ein- und Ausfahrtbereichen des Kreisverkehrs.
Ursächlich hierfür ist primär das Problem der mangelnden Interaktion zwischen den Verkehrsteilnehmern zu nennen, also des Bewusstseins der unzureichenden gegenseitigen Wahrnehmung - des „Sehen-und-Gesehen-werdens“.
Dieses Gefährdungspotential wird allzu oft mit der Nichteinhaltung notwendiger Seitenabstände zum anderen Verkehrsteilnehmer verschärft und ist bislang sowohl auf Seiten der Kraftfahrzeugführer, als auch auf Seiten der Radfahrer feststellbar.
- NEU: Holperflächen als Hinweis auf den „Toten Winkel“ -
Dieses Problem tritt in verschärfter Form im Innenbereich der Zufahrten auf. Um zu vermeiden, dass sich Radfahrer im Bereich des sogenannten „Toten Winkels“ aufhalten, ist dieser Bereich im Zuge des Umbaus besonders ausgestaltet worden: Breite, quer zur Fahrtrichtung angeordnete und im Niveau leicht erhöhte Streifen erzeugen einen für den Radverkehr unkomfortablen Fahrbahnbelag, den man in der Regel nicht ein weiteres Mal freiwillig benutzt. Der dort vorhandene Höhenversprung von unter 3cm Höhe trägt dazu bei, den Radverkehr auf Dauer vom Befahren dieser Flächen abzuhalten.
Die Erfahrung zeigt, das dies, nach den ersten persönlichen Erfahrungen der Radfahrer, auch durchaus praktiziert wird – oder bewusst durch eine riskantere Fahrweise in Kauf genommen wird.
- NEU: STOPP-Zeichen an allen Einmündungen -
Zusammen mit der Einrichtung der Stopp-Regelung an allen Zufahrten durch Zeichen 206 (Halt – Vorfahrt gewähren) ist insgesamt ein nochmals deutlich geringeres Geschwindigkeitsniveau auf der Kreisfahrbahn festzustellen.
Durch das eingeforderte Stoppen in den Einmündungen wird in erheblichem Maße die Umsicht und damit verbunden das rücksichtsvollere Verhalten gegenüber den übrigen Verkehrsteilnehmern gefördert.
Dieses Verkehrsverhalten stellt allerdings gerade für den Radverkehr eine zusätzliche Hürde dar, da dieser generell einen höheren Aufwand zum Stoppen und Wiederanfahren betreiben muss als der Fahrer eines Kraftfahrzeuges.
Neben der Änderung der Zufahrtssituation durch Aufstellen der STOPP-Zeichen wurden ergänzend auch die Hinweisschilder zum Toten Winkel an allen zuführenden Straßen aufgestellt, um auf die existierende Gefahrensituation für Radfahrer im Kurveninneren der Zufahrten ausdrücklich hinzuweisen.
Sämtliche Maßnahmen basieren auf den Erkenntnissen der vorangegangenen Jahre, deren Entwicklung auf der Seite "Mehr Sicherheit für Radfahrer am Ludgeriplatz" dargestellt ist.