Das Stadtbild
Das durch bürgerliche Bauten geprägte Stadtbild Münsters war zu allen Zeiten ein Anziehungspunkt für Besucher. Die frühen Reisenden mögen sich über Wetter und Schwarzbrot beklagt haben, doch die hohen Giebelhäuser des Prinzipalmarktes mit ihren Bogengängen wurden bewundert, genau so wie die vielen Kirchen und die altehrwürdigen Adelshöfe. Mit tiefer Verbundenheit und westfälischer Beharrlichkeit haben die Bürger ihre zerstörte Stadt nach dem Krieg wiederaufgebaut. Gegen den allgemeinen Trend zur städtebaulichen Modernität war den münsterschen Bürgern die Stimmung ihres glanzvollen alten Stadtbildes wichtiger, so dass sie es - am Original orientiert - wiedererstehen ließen.
Münster im Weihnachtsschmuck - festlich und dezent
Die Wirkung des Stadtbildes lässt sich zur Weihnachtszeit noch wunderbar steigern. So dachte sich der rührige Verkehrsdirektor Theo Breider und verabredete 1954 mit einigen Kaufleuten eine dezente Ausschmückung mit Adventskränzen, beleuchteten Fenstern und einzelnen Adventsbäumen. Bewusst wurde ein vornehm zurückhaltender Weihnachtsschmuck entwickelt, der die Architektur in ihrer Wirkung unterstützte.
In den darauffolgenden Jahren wurden Laternenpfähle mit Girlanden umwickelt und zeitweilig einige der Stadteingänge durch große Tore aus Tannenzweigen betont. Diese Tore wurden irgendwann zu kostspielig, doch sind seit einigen Jahren alle Stadteingänge durch Lichterbäume akzentuiert.
Das Breider’sche Konzept „Münster leuchtet ins Land“ für den weihnachtlichen Stadtschmuck hat sich durchgesetzt.
Schon zu Theo Breiders Zeiten war die Bewunderung der Besucher, die im Advent nach Münster kamen, uneingeschränkt positiv. Sie kamen oft aus Städten, deren aufwändiger Lichterschmuck die weihnachtliche Stimmung grell überstrahlte, und empfanden den Zauber des dezent in Szene gesetzten Prinzipalmarktes als weitaus stimmungsvoller. Auch heute sorgen Weihnachtsmärkte und Weihnachtschmuck für eine harmonisch heimelige Atmosphäre, selbst an Tagen, an denen dichtes Gedränge in den Straßen, Plätzen und Bogengänge herrschen.
Dieser schöne Erfolg verleitet manchen dazu, über andere Formen des Weihnachtsschmucks nachzudenken, und am eigenen Haus, am eigenen Ladenlokal individuelleren Schmuck anzubringen. Er verlockt dazu, weniger prominente Viertel heller glänzen zu lassen um die Kundenströme in andere Richtungen zu lenken.
Natürlich gibt es unzählige Varianten Häuser, Straßen und Plätze oder ganze Viertel unterschiedlich zu gestalten, so wie in jedem Wohnzimmer ein anderer Weihnachtbaum steht. Aber es würde dem Stadtbild Münsters seine unverwechselbare Schärfe nehmen. Das Stadtbild würde in einzelne Segmente zerfallen und nicht mehr als ganzes wahrgenommen werden. Die Gäste aus Holland, Niedersachsen oder dem Ruhrgebiet wollen das weihnachtliche Münster sehen. Sie würden wohl kaum angelockt durch ein Viertel mit bunter Überspannbeleuchtung, eine Einkaufsmeile mit Weihnachtslieder singenden Engeln oder ein Haus mit blinkenden Weihnachtsfiguren und Kunstschnee. Die festliche Stimmung der weihnachtlichen Innenstadt entsteht nur in der gemeinsamen Gestaltung.
Auch zu Theo Breiders Zeiten gab es Hauseigentümer oder Kaufleute, die sich an dem gemeinsamen Schmücken nicht beteiligen wollten. Er klingelte dann, Knecht Rupprecht gleich, an den Haustüren der „Verweigerer“ und forderte mit donnernder Stimme den Gemeinsinn ein.
Heute bedarf die Aufklärung etwas größerer Anstrengungen. Donnernde Stimmen verfehlen ihre Wirkung und die oft auswärtigen Geschäftsinhaber und Hausbesitzer haben wenig Verbindung zu speziell münsterschen Gepflogenheiten. Doch der Erfolg der vom Gemeinsinn getragenen weihnachtlichen Ausschmückung ist nicht nur augenfällig – die Stadt ist bis in die späten Abendstunden voller Gäste - sondern auch die nüchternen Zahlen über Besucher, Übernachtungen, Anfragen aus dem In- und Ausland geben Aufschluss über die hohe Anziehungskraft des weihnachtlichen Münsters.
Die Attraktivität von Münsters Stadtbild wirkt geradezu magnetisch auf unsere Gäste. Ob Besucher, Bewohner, die Wirtschaft oder öffentliche Institutionen, alle profitieren von einem intakten und attraktiven Stadtbild - nicht nur zur Weihnachtszeit, aber dann ganz besonders.
Deshalb gibt es eine gemeinsame Verantwortung, es pfleglich zu behandeln und seine Schönheit zu bewahren. Die Stadt - vertreten durch Münster Marketing und die Stadtbild- und Denkmalpflege beim Stadtplanungsamt - und der "Runde Tisch der Kaufleute" arbeiten gemeinsam daran, den Gesamteindruck der weihnachtlichen Stadtkulisse zu stärken.
Mit einer Weihnachtskarte weisen die Kaufleute auf "Münsters vier Weihnachtszeichen" hin: Adventskranz, Girlanden, Tannenzweige mit Lichterketten und Tannengruppen. Sie appellieren, den Weihnachtsschmuck schlicht, dezent und klassisch rot-grün zu halten, um Münsters unverwechselbare Weihnachtsatmosphäre zu unterstreichen.
Beratung zur konkreten Ausgestaltung und praktische Tipps zur Umsetzung des Konzepts gibt die Stadt.
Technische Hinweise zur Ausschmückung der Fenster in der Advents- und Weihnachtszeit nach dem Breiderschen Konzept
- Rothenburg bis Spiekerhof -
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