Ende des "Goldenen Jahrhunderts"


  

Christoph Bernhard von Galen zu Pferd über der Silhouette Münsters, nach 1661 (Bildnachweis)

  
Im Gegensatz zu den Erwartungen, die man im Vorfeld des Kongresses gehegt hatte, konnte Münster finanziell nicht von den Friedensverhandlungen in seinen Mauern profitieren. Im Gegenteil: Nach Ende des Kongresses stand die Stadt mit erheblichen Schulden da. Mehrfach wurde versucht, vom Kaiser eine Entschädigung zu erhalten; der Stadtarzt und Ratsherr Rottendorff reiste deswegen 1653 sogar zum Reichstag nach Regensburg. Doch trotz reichlich gezahlter "Verehrungen" blieben alle Versuche vergeblich. Fiel die Bilanz des Kongresses in ökonomischer Hinsicht also negativ aus, erhoffte man sich immerhin einen Gewinn auf politischem Gebiet. Durch die Neutralisierung für die Dauer der Verhandlungen hatte Münster faktisch den Status einer freien Reichsstadt erhalten. Zwar nahm der Rat zunächst davon Abstand, sich beim Kaiser um die dauerhafte formalrechtliche Anerkennung dieses Zustands zu bemühen. Sehr wohl hingegen strebte man an, durch die Erlangung weiterer Privilegien die faktische Unabhängigkeit vom bischöflichen Landesherrn zu erweitern und auszudehnen. Diese Versuche, seine landesherrlichen Rechte einzuschränken, brachte die Stadt bald in Gegensatz zu dem 1650 gewählten Fürstbischof Christoph Bernhard von Galen. Die Lage spitzte sich immer mehr zu und mündete schließlich in den militärisch ausgetragenen Konflikt. 1657 konnte die Stadt einer Belagerung durch die Truppen Christoph Bernhards noch widerstehen; 1661 jedoch gelang dem Bischof die Eroberung der Stadt. Münster verlor seine frühere Autonomie und wurde zu einer bischöflichen Residenzstadt. Das "Goldene Jahrhundert" der bürgerschaftlich verfaßten Gemeinde war zu Ende.

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