"Von der Eintheilung der Einwohner der Stadt"


10.000 Einwohner

  
Einwohner
(Adel,

Ritterstand)

Klerus: Lehrer
an öff.
Schulen
Laien:
höherer (Domkapitel) Erbmänner Ratsherren,

Kurgenossen

niederer
(Pfarrgeistliche,
Mönche, Nonnen)
"Gemeinheit"
  • Bürger ("Freie")
  • sonst. Einwohner ("Unfreie")
  • "Paulusfreie": zinspflichtige
    Einwohner der Domimmunität
Nach: Hermanni a Kerssenbroch Anabaptistici furoris Monasterium inclitam Westphaliae metropolim evertentis historica narratio. Übers.: Geschichte der Wiedertäufer zu Münster in Westfalen. Übers. und hg. von S. P. Widmann. Münster 1929, Kapitel 8.

Hermann von Kerssenbrock (1519 - 1585) war langjähriger Leiter der Domschule Münsters. Bekannt ist er als Verfasser einer (in Latein geschriebenen) Geschichte über die Zeit der Täuferherrschaft in Münster, die er einige Jahrzehnte nach den Täuferunruhen aus den Berichten zahlreicher Augen- und Zeitzeugen zusammentrug. Seine Wiedertäufergeschichte beginnt mit einer detaillierten Beschreibung der Stadt Münster in neun Kapiteln. Im achten Kapitel geht er ausführlich auf die Bevölkerungsstruktur der Stadt Münster im 16. Jahrhundert ein.

Die Stadtgesellschaft Münsters wurde wesentlich von der Tatsache bestimmt, daß die Bewohner nicht grundsätzliche Rechtsgleichheit genossen. Im Gegenteil: Die Menschen, die innerhalb der Stadtmauern lebten, teilten sich auf in Bürger einerseits und bloße Einwohner andererseits. Bürger war, wer das Bürgerrecht erworben hatte, wofür bestimmte Voraussetzungen zu erfüllen waren. Nur den Inhabern des Bürgerrechts stand das (aktive) Wahlrecht zum Stadtrat zu. Stadtbewohner ohne Bürgerrecht waren Juden und Soldaten sowie die gesellschaftlichen Unterschichten. Kein Bürgerrecht dafür aber Sonderrechte besaßen die Geistlichen samt den Mitgliedern der in der Stadt gelegenen Klöster, die Adeligen und ihre Hofhaltungen und die bischöflichen Beamten.
Die städtische Gesellschaftsstruktur wurde also von der unterschiedlichen Familien-, Standes- und Schichtenzugehörigkeit der Stadtbewohner geprägt. Am wichtigsten erwies sich allerdings die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Handwerker-Gilde oder einer anderen Berufsgruppe. Neben diese Berufsgenossenschaften traten topographische Gemeinschaften, allen voran die Pfarrbezirke und die Leischaften, deren Einteilung der innerstädtischen Verwaltung diente. Somit waren die Mitglieder der münsterischen Stadtgesellschaft auf vielerlei Arten miteinander verbunden. Zeitgenössiche Beobachter wie der Schulleiter Hermann von Kerssenbrock lobten die "vertrauliche Eintracht" und den sozialen Frieden, der zwischen den Bevölkerungsgruppen herrschte.

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