Warum Gesundheitsförderung in der Sekundarstufe I?
Prävention und Gesundheitsförderung findet bisher überwiegend in Grundschule und Kindergarten statt. Dem liegt der prinzipiell richtige Gedanke zugrunde, dass Prävention und Gesundheitsförderung möglichst frühzeitig ansetzen sollten, um gesunde Verhaltensrepertoires zur Gewohnheit auszubilden und riskante Verhaltensweisen gar nicht erst entstehen zu lassen. Präventionsprogramme zur Zahngesundheit und Verkehrssicherheit, aber auch die Förderung von Bewegung und gesunden Ernährungsweisen sind hier besonders wichtig.
In der Sekundarstufe I sollten Verhaltensweisen verfestigt und das Wissen vertieft werden. Dabei ist besonderer Wert darauf zu legen, dass auch Kinder aus bildungsfernen, ausländischen oder Aussiedlerfamilien erreicht werden. Zusätzlich ist die gesundheitsförderliche Gestaltung des Lebensraumes Schule eine wichtige Aufgabe der weiterführenden Schulen.
In der Sekundarstufe I stehen aber auch neue Themen und Aufgaben an. Die Schülerinnen und Schüler werden in dieser Zeit zu Jugendlichen, d.h. sie werden körperlich erwachsen, ohne dass sie den sozialen Status von Erwachsenen bekommen. Ökonomisch bleiben sie abhängig von ihrer Familie; gleichzeitig bekommen Gleichaltrige (peer-groups) eine entscheidende Bedeutung und die Jugendlichen entwickeln einen unabhängigen Lebensstil im Freizeit- und Konsumbereich.
Die Mädchen und Jungen müssen sich in dieser Phase neuen Entwicklungsaufgaben stellen, dazu gehören u.a.
Ihre Bewältigung stellt hohe Anforderungen. Psycho-soziale Belastungen sind häufig; viele Jugendliche antworten darauf mit einem gesundheitsgefährdenden Risikoverhalten, insbesondere im Gebrauch legaler teilweise illegaler Drogen.
Die Jugend ist weithin geprägt von der Übernahme erwachsener Verhaltensweisen, aber auch der Abgrenzung von als negativ empfundenen erwachsenen Bevormundungen. Alltägliche Verhaltensweisen der Erwachsenen (auch vieler Eltern, Lehrerinnen und Lehrer) sind nicht notwendigerweise ein Vorbild gesunden Lebensstils.
In dieser Lebensphase werden Bemühungen der Gesundheitsförderung nur wenig Erfolg haben, wenn gesundheitsbewusstes Verhalten mit Verboten und Einschränkungen des angestrebten Lebensstiles gleichgesetzt wird. Gesundheitsfördernde Maßnahmen für Jugendliche werden vermutlich am ehesten dann positive Effekte aufweisen, wenn sie die Jugendlichen in ihrem Bemühen nach Identität, Anerkennung und eigenen Lebensformen unterstützen können.
Christine Menke
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