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Leitfaden Gesunde Schule

Konzept der Gesundheitsförderung

Von der Gesundheitserziehung zur gesundheitsfördernden und gesunden Schule

Kinder und Jugendliche benötigen vielfältige Kompetenzen und eine möglichst günstige soziale Umwelt, wenn sie zukünftig fähig sein sollen, ein gesundes Leben zu führen. Denn die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen ist heute trotz der Verbesserung der materiellen Lebensverhältnisse und der großen medizinischen Fortschritte bei Vermeidung und Behandlung von Infektionskrankheiten auf eine neue Art und Weise gefährdet.

Die weitverbreitete Konsumorientierung genau wie spezielle Konsumgewohnheiten der Heranwachsenden werden oft dafür verantwortlich gemacht aber auch der starke Medieneinfluss und hochgeschraubte Anspruchshaltungen. Häufig werden auch die veränderten Familienstrukturen benannt. Diese gesellschaftlichen Entwicklungen enthalten sowohl die Chancen als auch die Gefahren, die sozial recht ungleich verteilt sind.

Generell lässt sich jedoch beobachten, dass - unabhängig von dem sozialen Hintergrund der Heranwachsenden - die Auswahlmöglichkeiten steigen und damit die Verantwortung für die eigene Lebensgestaltung größer geworden ist. Diese Möglichkeiten kompetent, erfolgreich und gesundheitsförderlich wahrzunehmen, erfordert in hohem Maße psychische und soziale Fähigkeiten, die in vielen Familien und Erziehungseinrichtungen nicht ausreichend vermittelt werden.

Dazu kommt ein starkes soziales Ungleichgewicht materieller und persönlicher Ressourcen von Familien, ein günstiges Sozialisationsklima zu schaffen. Wirtschaftliche und psycho-soziale Notlagen von Familien führen zu seelischen Belastungen für die Kinder, die wiederum häufig schulische Probleme und gesundheitsriskantes Verhalten der Heranwachsenden zur Folge haben.

Eine Folge dieser Entwicklungen ist, dass die Schule, um ihren Bildungsauftrag erfüllen zu können, heute verstärkt Erziehungsaufgaben übernehmen muss. Um gesundheitsförderlich wirken zu können, muss die Schule Kinder und Jugendliche im Sozialisationsprozess unterstützen und Erfahrungsdefizite aufarbeiten. Denn Bildung selber ist ein wichtiger gesundheitsförderlicher Faktor. Sie ist erstmal eine wichtige Voraussetzung für individuelle Berufschancen und kann darüber hinaus die persönlichen Kompetenzen für eine gesundheitsförderliche Lebensführung verbessern.

Die traditionelle Gesundheitserziehung zielte auf die Vermeidung von Gesundheitsrisiken durch Aufklärung und Wissensvermittlung; sie versuchte Verhaltensänderungen hauptsächlich durch Einsicht, Abschreckung bzw. Verbotsstrategien zu erreichen. Gerade für die Vermeidung gesundheitsriskanten Verhaltens (z. B. Rauchen), das erst in späteren Lebensjahren zu ernsthaften Gesundheitsschäden führen kann, war diese Form der Gesundheitserziehung wenig wirksam.

Gesundheitserziehung kann erst dann Erfolge erzielen, wenn es gelingt, Wissen in Einstellungen und (dauerhaftes) Verhalten umzusetzen. Dazu müssen auch Verhaltensweisen eingeübt werden, und die Kinder und Jugendlichen immer wieder ermutigt werden, diese Verhaltensweisen gewohnheitsmäßig anzuwenden. Eine solche Gesundheitserziehung ist und bleibt ein wichtiger Bestandteil wirksamer Prävention. Prävention zielt auf die Vermeidung ganz konkreter Krankheiten und Missstände. Sie macht immer dann Sinn, wenn es eindeutige, benennbare Ursachen (Risiken) für Krankheiten gibt, die durch klar definierte Maßnahmen ausgeschaltet werden können.

Präventionsprogramme, die geeignet sind, langfristig Erfolge zu erzielen, sollten problemspezifisch, zielgruppenorientiert, dauerhaft und im Routinebetrieb verankert sein. Wenn sie auf Verhaltensänderungen zielen, müssen sie neben Wissensvermittlung auch Elemente von Verhaltenstrainings und Kompetenzvermittlung enthalten. Sie sollten entweder über die Schule komplette Jahrgänge erreichen oder für ganz bestimmte Risikogruppen konzipiert sein. Derartige Programme gibt es z.B. im Bereich der Zahnprophylaxe, der Verkehrssicherheitstrainings (Radfahrführerschein) und der Aids-Prävention.

Gesundheit ist aber mehr als die Abwesenheit von Krankheit. Die Gesundheit von Menschen als Möglichkeit und Resultat wird von vielfältigen Bedingungen geprägt. Diese liegen in der physischen und sozialen Umwelt einerseits, andererseits in den persönlichen Verhaltens- und Reaktionsweisen begründet. Aus dieser Erkenntnis heraus ist das Konzept der "Gesundheitsförderung" entstanden, das maßgeblich von der Ottawa-Charta zur Gesundheitsförderung beeinflusst wurde, die 1986 von der Weltgesundheitsorganisation verabschiedet wurde. Gesundheitsförderung geht von der Frage aus:

Was stärkt die Gesundheit, und welche Bedingungen fördern eine gesunde Entwicklung von Menschen?

"Gesundheitsfördernde Lebenswelten schaffen" und "Persönliche Kompetenzen entwickeln" geben zwei von fünf Leitlinien der Ottawa-Charta als Ziele an. Für die Schule als eine der wichtigsten Lebenswelten der Heranwachsenden könnte das konsequenterweise zu dem Versuch führen, den Lern- und Arbeitsort Schule selber so zu gestalten, dass das Wohlbefinden und die Gesundheit der Lernenden und Lehrenden möglichst optimal gefördert wird.

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