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Neuer Standort der Berufsfeuerwehr in Hiltrup

Am Montag, 22. März 2010, hat die Feuerwehr Münster an der Hansestraße 23 in Münster-Hiltrup die Feuerwache 3 der Berufsfeuerwehr in Betrieb genommen. Rund um die Uhr und 365 Tage im Jahr wird ab sofort ein Löschzug der Berufsfeuerwehr mit zunächst sechs, ab Oktober 2010 dann mit zehn Einsatzkräften für Brände und technische Hilfeleistungen in Bereitschaft stehen.

Integriert in den neuen Standort ist auch die Rettungswache der Berufsfeuerwehr, die bislang auf dem Gelände des Feuerwehrgerätehauses an der Friedhofstraße stationiert war. Mit dem Personal des Rettungswagens und eines Krankentransportwagens, der nur während der Tagesstunden besetzt ist, werden am Standort Hansestraße zukünftig 12 Einsatzkräfte rund um die Uhr und weitere zwei während der Tageszeiten Dienst leisten. Korrekt lautet die Bezeichnung des neuen Standortes der Berufsfeuerwehr somit auch „Feuer- und Rettungswache 3“.

Bedarf vorhanden

Auslöser für die Erweiterung der städtischen Dienstleistung „Feuerwehr“ war die Datenerhebung zur Brandschutzbedarfsplanung im Jahr 2008. Mit einem neuen Statistikprogramm wurden über 150.000 Datensätze des Einsatzleitrechners der Feuerwehr ausgewertet. Im Ergebnis musste festgestellt werden, dass die Schutzziele im Bereich Hiltrup nicht mit dem erforderlichen Erreichungsgrad von mindestens 90% eingehalten werden konnten.
Die Schutzziele der Stadt Münster sehen vor, dass die Feuerwehr in den städtisch geprägten Stadtteilen bei 90% aller Brandalarmierungen innerhalb von acht Minuten mit mindestens zehn Einsatzkräften am Einsatzort eintrifft. Die Stadt Münster orientiert sich bei ihren Schutzzielen an bundesweit geltenden Empfehlungen, die auch von der Bezirksregierung Münster bei der Überprüfung des kommunalen Brandschutzes als Maßstab herangezogen werden.

Zur Erreichung der Schutzziele werden in Münster die Löschzüge der Berufsfeuerwehr und der Freiwilligen Feuerwehr nach einem „integriertem Löschzug-Konzept“ kombiniert alarmiert. In den ländlich strukturierten Außenbezirken gewährleisten die Löschzüge der Freiwilligen Feuerwehr den ersten schnellen Zugriff. Die Löschzüge der Berufsfeuerwehr, die immer parallel mit alarmiert werden, stellen dann die erforderliche Personalstärke sicher. Dies ist insbesondere während der üblichen Arbeitszeiten wichtig, in denen viele Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr nicht oder nicht schnell genug von ihren Arbeitsplätzen zum Feuerwehrgerätehaus und dann weiter zum Einsatzort abrücken können.

Jährlich 2.000 Einsätze

In den städtisch geprägten Stadtteilen ist die Alarmierungshäufigkeit so hoch, dass sie einer Freiwilligen Feuerwehr nicht mehr zugemutet werden kann. In Münster werden allein die drei Löschfahrzeuge der Berufsfeuerwehr jährlich zu etwa 2.000 Einsätzen alarmiert. Hinzu kommen die Probleme bei der Anfahrt der ehrenamtlichen Einsatzkräfte mit ihren Privat-PKW zum Feuerwehrgerätehaus. Aufgrund der Verkehrsstruktur wird eine schnelle Anfahrt zum Gerätehaus in den Bereichen der Innenstadt immer schwieriger, die Hilfsfrist von acht Minuten kann nicht mehr mit dem gebotenen Erreichungsgrad von 90% eingehalten werden.

Bei der Brandschutzbedarfsplanung lag somit ein besonderer Fokus auf dem Stadtteil Hiltrup, in dem der Brandschutz bislang primär durch einen Löschzug der Freiwilligen Feuerwehr sichergestellt wurde. Allein aufgrund der Einwohnerzahl ist Hiltrup jedoch einer mittleren kreisangehörigen Gemeinde gleichzusetzen und kann somit nicht als „ländlich“ eingestuft werden. Die Feuerwehr hatte daher die Schutzziele für städtische Gebiete als Maßstab heranzuziehen. Die im Jahr 2008 ausgewerteten statistischen Daten wiesen für den Stadtteil Hiltrup im Jahr 2007 jedoch nur einen Erreichungsgrad von knapp über 70% aus. Aktuelle Daten aus dem Jahr 2009 deuten auf eine weitere Reduzierung der Erreichungsgrade hin.
Die Leitung der Feuerwehr entwickelte daher im Oktober 2008 ein Handlungskonzept, welches kurzfristig die Inbetriebnahme eines provisorischen Standortes der Berufsfeuerwehr und mittelfristig den Neubau einer Feuer- und Rettungswache an einem strategisch günstigen Standort vorsah. Das Konzept wurde von der Verwaltungsspitze und den politischen Entscheidungsträgern akzeptiert. Die notwendigen Ressourcen wurden kurzfristig in die Haushaltsplanung der Stadt Münster aufgenommen. Parallel wurde die Leitung des  Löschzuges Hiltrup der Freiwilligen Feuerwehr Münster über die Planungen informiert.

Geeignetes Grundstück gesucht
 
Problematisch gestaltete sich zunächst die Suche nach einer geeigneten Liegenschaft, die dann aber Mitte 2009 doch in einer Gewerbeimmobilie an der Hansestraße gefunden werden konnte. Nach Klärung der bauordnungsrechtlichen Fragen gelang es dem Amt für Immobilienmanagement und den technischen Abteilungen der Berufsfeuerwehr dann in einer Bauzeit von nur 6 Monaten die ehemalige Lagerhalle mit Bürotrakt in eine provisorische Feuerwache umzubauen.
Auch wenn die provisorische Feuerwache den Einsatzkräften der Berufsfeuerwehr eine gute Aufenthaltsqualität bietet, so kann sie doch nur eine Interimslösung darstellen. Es fehlen Hofflächen für Übungen und geeignete Räumlichkeiten zur Einrichtung von Werkstätten, wie sie auf den Feuerwache 1 und 2 vorhanden sind. Der größte Mangel des jetzigen Standortes aber ist seine ungünstige Lage am Rande des Stadtgebietes. Unter strategischen Aspekten muss baldmöglichst ein Standort im Norden von Hiltrup gesucht werden. Nur so ist es möglich, die Löschzüge 1 und 2 in den übrigen Stadtteilen fristgerecht zu unterstützen.
Der Löschzug Hiltrup der Freiwilligen Feuerwehr bleibt vorerst am bisherigen Standort an der Friedhofstraße. Erst wenn für den geplanten Neubau der Feuerwache 3 ein geeignetes Grundstück gefunden ist, wird entschieden, ob der Löschzug der Freiwilligen Feuerwehr mit an den neuen Standort zieht. Die Leitung der Feuerwehr Münster hat den Mitgliedern des Löschzuges hier ein weitgehendes Mitspracherecht eingeräumt. Der Löschzug der Freiwilligen Feuerwehr in Hiltrup bleibt in jedem Falle erhalten, denn er ist ein wichtiger Bestandteil der Gefahrenabwehr in Münster. Er wird zukünftig zur Verstärkung der Berufsfeuerwehr bei umfangreicheren Einsätzen alarmiert oder bei Paralleleinsätzen als Ersatz für die Berufsfeuerwehr ausrücken. 

Verbesserung des Brandschutzes

Die Inbetriebnahme der neuen Feuerwache 3 bedeutet eine deutliche Verbesserung des Brandschutzes in Münster, insbesondere für die Bevölkerung in Hiltrup und den südlichen Stadtteilen.  Auch die rettungsdienstliche Versorgung erfährt eine deutliche Verbesserung: Da alle Beamten der Berufsfeuerwehr ausgebildete Rettungsassistenten sind, kann in der Feuerwache 3 zukünftig ein zweiter Rettungswagen stationiert werden. Bei parallelen Notfällen im Bereich Hiltrup kann demnächst noch schneller geholfen werden. Der zweite Rettungswagen muss dann nicht mehr von der Feuerwache 2 am Hafen nach Hiltrup anrücken.
Der Umbau der Gewerbeimmobilie an der Hansestraße 23 zu einer provisorischen Feuerwache machte Investitionen in Höhe von rund einer Mio. Euro erforderlich, die sich aus Umbaukosten in Höhe von rund 680.000 Euro und der Beschaffung eines Tanklöschfahrzeuges in Höhe von 320.000 Euro zusammensetzen. Die übrigen in der neuen Feuerwache stationierten Einsatzfahrzeuge im Wert von ca. 1,5 Mio. Euro werden durch Umsetzungen von anderen Standorten bereit gestellt. 
 
Zur Sicherstellung des Dienstbetriebes der Feuerwache 3 muss das Personal der Berufsfeuerwehr um 25 Einsatzkräfte erhöht werden. Der Rat der Stadt Münster hat mit seinen Beschlüssen zu den Haushalten 2009 und 2010 hierfür die Voraussetzungen geschaffen. Der Betrieb einer Feuerwache mit 10 Einsatzfunktionen (Einsatzkräften) im ganzjährigen Schichtdienst erfordert normaler Weise 42 Stellen. Die erhöhte Präsenz im Süden der Stadt machte jedoch eine Reduzierung der Einsatzfunktionen auf der Feuerwache 1 möglich, so dass der rechnerische Mehrbedarf  an Personal um 17 Stellen reduziert werden konnte. Insgesamt erhöht sich der finanzielle Mehrbedarf der Berufsfeuerwehr durch die Inbetriebnahme der Feuerwache 3 jährlich um 600.000 Euro.

(Foto: Helmut P. Etzkorn)


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