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Polizei, Feuerwehr, Rettungsdienste und Deutsche Bahn AG übten in Münster die Bewältigung eines Großschadensereignisses

Bild des Zuges

Unter der Leitung des Polizeipräsidiums Münster übten am Samstag, 26.09.2009, Feuerwehr und Polizei Münster gemeinsam mit verschiedenen Rettungsdiensten und Krankenhäusern, der Bundespolizei, der Deutschen Bahn AG, dem Landeskriminalamt NRW und dem Landesamt für zentrale polizeiliche Dienste NRW die „Bewältigung einer größeren Schadenslage“.
Angenommen wurde ein Zugunglück mit bis zu 300 Verletzten und Betroffenen. Mehr als 2.000 Kräfte der beteiligten Institutionen waren im Einsatz.
Im geübten Szenario war vorgegeben, dass ein Regionalexpress kurz nach der Ausfahrt aus dem Bahnhof Münster auf einen durch Unwetter auf die Schiene gestürzten Baum fährt, entgleist und gegen eine Straßenbrücke prallt, eine durchaus realistische Annahme.
Mit diesem Schreckensszenario und ein wenig unterstützendem Feuer und Qualm hatte die Übung pünktlich um 10.06 Uhr begonnen. Die Einsatzkräfte vor Ort waren zunächst damit befasst, sich einen Überblick über die gesamte Situation zu verschaffen. Danach galt es, die im Zug befindlichen Verletzten zu retten und medizinisch zu versorgen. Dazu war auch der Einsatz des Technischen Hilfswerkes erforderlich, da in dieser Übung angenommen wurde, dass der Zug erheblich beschädigt war.

Gleichzeitig musste sich die Feuerwehr organisatorisch darauf vorbereiten, eine Vielzahl von angeforderten Hilfskräften an ausgesuchten Plätzen zu sammeln und sie dann koordiniert zum Schadensort zu ordern. Diese logistische Großleistung glückte nach jetzigem Erkenntnisstand reibungslos, auch größere Verkehrsbehinderungen blieben aus.

Während die „Toten“ geborgen und die „Verletzten“ gerettet wurden, kümmerte sich eine Vielzahl weiterer Kräfte darum, diese Verletzten weiterzubehandeln, namentlich zu erfassen und dann von dort abzutransportieren.

Bei einem derartigen Schadensereignis ist es auch besonders wichtig, sich um die unverletzten Beteiligten zu kümmern und ihnen professionelle Hilfe von Notfallseelsorgern und Betreuungsteams anzubieten. Auch dies galt es heute zu üben.

Der Transport der Verletzten erfolgte anschließend unter realen Bedingungen, das heißt die Rettungswagen fuhren mit Blaulicht und Martinshorn zu drei vorgegebenen Krankenhäusern.
In diesem Zusammenhang kam es leider auch zu einem Verkehrsunfall. Dabei fuhr ein Rettungswagen sehr langsam mit Blaulicht und Martinshorn in den Kreuzungsbereich Kardinal-von-Galen-Ring / Ecke Waldeyerstraße ein. Ein herannahender Autofahrer erkannte die Situation und bremste ab. Drei folgende Fahrzeugführer bemerkten dieses Abbremsen ihres Vordermanns zu spät und fuhren auf die vorausfahrenden Autos auf. Dabei wurden ein 20- und ein 26-jähriger Fahrer leicht verletzt.

Eine weitere logistische Sonderleistung bestand darin, die vielen Verletzten - nach der Schwere der Verletzungen mit entsprechender Priorität versehen - zu retten, wegzutragen, zu behandeln, zu transportieren und einem Krankenhaus zu übergeben. Und dazwischen mussten auch noch alle notwendigen Personaldaten der Betroffenen erfasst werden, vor allem um Anfragen Angehöriger beantworten zu können.

Eine Übung dieser Dimension war bisher einzigartig im Bereich Münster.

Es wurden in dieser Gesamtübung mehrere unterschiedliche Aspekte verfolgt: Die Zusammenarbeit von Deutscher Bahn, Polizeien, Feuerwehren und vielen weiteren Organisationen allein erforderte schon einen entsprechenden Übungsumfang. Es ging hier aber nicht nur um die tatsächliche Zusammenarbeit im Schadensfall. Planungsabläufe mussten hinsichtlich ihrer praktischen Umsetzbarkeit ebenso überprüft werden wie die elektronischen Systeme, z. B. GSLnet (Softwareprogramm „Größere Schadenslage zur Erfassung von Verletzten / Toten / Gegenständen“), die ihre Stabilität im Lastbetrieb unter Beweis stellen musste. Im Ernstfall müssen sich die Einsatzkräfte auf solche Systeme verlassen können. Mit dieser Übung wurden darüber hinaus auch neue Wege beschritten, zum Beispiel in der Zusammenlegung von Auskunftsstelle (Verpflichtung für die Stadt Münster) und Hinweisaufnahme (Verpflichtung für die Polizei) in einem gemeinsamen Call-Center.

Polizeioberrat Peter Vaupel, der Leiter der Bundespolizeiinspektion Münster betonte die gute Zusammenarbeit: „Ich bin mit der Aufgabenwahrnehmung meiner Kolleginnen und Kollegen sehr zufrieden. Das professionelle und gemeinsame Agieren aller Beteiligten hat mich sehr beeindruckt.“

In die gleiche Richtung äußerte sich Gerhard Felser, Pressesprecher der Deutsche Bahn AG: „Die rund 60 an der Übung beteiligten Mitarbeiter haben die vielfältigen Notfallmaßnahmen der DB AG planmäßig erfüllt. Die Übung hat uns darüber hinaus Verbesserungsmöglichkeiten aufgezeigt, vor allem aber sehr deutlich belegt, wie reibungslos die Zusammenarbeit der unterschiedlichen Institutionen klappt.“

Benno Fritzen, Leiter der Feuerwehr Münster, äußerte sich sehr zufrieden mit der Übung:
„Sechs unterschiedliche Organisationen des Katastrophenschutzes haben bei einem erheblichen Koordinierungsaufwand im Ergebnis reibungslos zusammengearbeitet. Wenn man darüber hinaus berücksichtigt, dass örtliche und überörtliche Kräfte, die so noch nie gemeinsam agieren müssten, dies mit Bravour und ohne jegliche Komplikation geleistet haben, kann man mit dem Ergebnis nur sehr zufrieden sein. Schließlich stand bei dieser Übung nicht das handwerkliche Agieren der Einsatzkräfte im Vordergrund, hierauf können wir uns stets voll verlassen. Vielmehr ging es um die Erprobung vorliegender Konzepte hinsichtlich der Führung, der Alarmierung und der Logistik. Und dieses Übungsziel haben wir heute deutlich erreicht.“

Leitender Kriminaldirektor Ernst Träger, heute in der Funktion des Übungsleiters aktiv, resümierte: „Über 2.000 Teilnehmer haben heute engagiert zum Gelingen einer großen und lang vorbereiteten Übung beigetragen, die uns in vielen geplanten Abläufen bestätigt, aber auch wenige Schwachstellen aufgezeigt hat. Diese gilt es zu beseitigen. Das Übungsziel ist also erreicht und die gewünschte, aber im Ernstfall auch dringend nötige Zusammenarbeit unter Beweis gestellt. Und ich hatte den gesamten Tag über den Eindruck, dass gerade diese notwendige Zusammenarbeit der unterschiedlichen Kräfte im persönlichen Bereich sehr gut funktioniert hat. Zwischen Polizei, Feuerwehr, Rettungs- und Hilfsdiensten und den Krankenhäusern ging es einfach und unkompliziert Hand in Hand.“


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