Archäologie

Seiteninhalt

Archäologie

Mit System, Sorgfalt und Methode

Jede Grabung ist eine Zeitreise in die Vergangenheit, die man sich Schritt für Schritt erarbeiten muss. Was die Archäologen entdecken, hängt nicht allein vom Zufall ab. Fachwissen, Erfahrung, unterschiedliche Methoden und immer wieder die systematische Suche nach Zusammenhängen sind unerlässlich, um der Geschichte auf die Spur zu kommen.

Gerade in der dicht und immer wieder neu bebauten Stadt können viele Jahre in einer zentimeterdünnen Schicht, in einem besonderen Fundstück oder in einer bestimmten Bauweise an einem Mauerrest stecken. Deshalb ist sorgfältiges Arbeiten ab dem ersten Spatenstich ein Muss, will man sich Stück für Stück quasi rückwärts  durch die Historie graben.

Dazu sind übereinanderliegende Erdschichten abzutragen, Mauern bis zur letzten Fuge freizukratzen, Gräben, Gruben und Kloaken freizulegen. Altes und Neues ist sauber voneinander zu trennen, Funde müssen in ihrem Kontext geborgen werden, damit dieser nicht nur datiert, sondern auch der Art nach bestimmt werden kann. Der Inhalt einer Abfallgrube sieht eben anders aus als der einer Vorratsgrube.

Wird eine Grabung in der Stadt durch die Vielzahl und Dichte der sich auf engem Raum überlagernden Befunde bestimmt, sind es auf dem Land eher Großflächigkeit und fehlender Schichtenaufbau, die das Vorgehen beeinflussen und die Grabungstechnik vorgeben. Vieles ist hier weniger kompliziert als in der Stadt. Dafür muss in der Regel mehr Fläche bewältigt werden.

Filigranes Arbeiten:

Am Anfang ist es nur eine dunkle Erhebung, die neugierig macht. Was sich dahinter verbirgt, weiß man erst, wenn man mit feinem Gerät, Geduld und Fingerspitzengefühl den – oft zerbrechlichen – Fund freigelegt hat.

In Dorbaum-Drei Eichen wurde der Einsatz belohnt: In einem Brandgrab fand sich diese geschweifte Fibel mit kräftiger Bügelfalte aus Bronze. Aus Vergleichen wissen wir, dass sie in der Zeit zwischen 30 und 15 v. Chr. entstanden ist.

Für Bagger und Schaufel tabu:

Mitten auf dem Stubengassenparkplatz lag früher das Clemenshospital mit einem kleinen Friedhof im Innenhof. Hier wurden im 18. Jahrhundert vor allem die Verstorbenen des Hospitals bestattet, die fremd und ohne Angehörige waren, meist Männer mittleren Alters. Das Wissen die Archäologen – und arbeiten eher mit Kelle und Kratzer als mit Schaufel und Spitzhacke.

Vorsichtig tragen die Grabungshelfer das Erdreich ab und legen dabei auch dieses Skelett frei. Daneben zeichnet sich übrigens für das sachkundige Auge schon die nächste Aufgabe ab: Rechts ist eine dunkle Farbspur zu sehen. Hier wird das Team den Rest eines Sarges mit einer weiteren Leiche finden.

Schicht für Schicht:

Eine der wichtigsten Methoden in der Stadtarchäologie ist die Stratigraphie. Sie analysiert die Abfolge von Ablagerungen, um ihr relatives Alter zu ermitteln.

Das Erdprofil vom Alten Steinweg zeigt, wie dicht die Schichten übereinanderliegen können. Zuoberst und ganz jung liegt eine Mauer, die in das 19. Jahrhundert gehört. Etwas unterhalb davon befindet sich dünnes tiefschwarzes Erdband: der Lehmfußboden eines im 15. Jahrhundert abgebrannten Fachwerkhauses. Dann kommt eine Planierschicht, die den Fußboden eines Fachwerkhauses aus dem 13. Jahrhundert überlagert. Ganz unten sind zwei große Pfostengruben, die zu einem Haus aus dem 12. Jahrhundert gehören.

In Mauern lesen:

Der erste Teil ist geschafft, sauber freigelegt präsentieren sich am Alten Steinweg 19-21 viele Mauern auf engem Raum. Wie die Erdschichten in der Vertikalen erzählen die Mauern in der Horizontalen von verschiedenen Epochen. So erkennen die Archäologen zum Beispiel an der Ausrichtung der Mauerfluchten, dass sie nicht alle zum gleichen Gebäude gehören.

Das aufgehende Mauerwerk stammt von einem städtischen Adelshof. Darunter liegen sehr viel ältere Fundamente. Offensichtlich wurde hier ein älteres Gebäude für den „Neubau“ abgerissen. Wann das war, erzählen nicht die Mauern, dafür aber der Fund einer 1733 geprägten Münze unter dem Fußboden. Also wurde der Adelshof wohl im 18. Jahrhundert errichtet.

Und auch die Überreste des älteren Gebäudes verraten den Fachleuten einiges: So wurde es, wie die Mauertechnik zeigt, vielleicht schon im 13. Jahrhundert errichtet und nachträglich mit einem Anbau versehen (der gepflasterte Raum im Vordergrund des Bildes). Qualität und Breite des Mauerwerkes machen klar: Das Gebäude war zur damaligen Zeit durchaus repräsentativ.

Am linken Bildrand kann man übrigens noch Spuren der jüngsten Bebauung dieser Parzelle entdecken:1958 gebaute Kellerräume, die vor wenigen Jahren gedämmt wurden.

Grabungen auf dem flachen Land:

keine Schichten, die sich aufbauen, und viele Verfärbungen im Boden, die sich über eine große Fläche verteilen. Deshalb können und müssen die Archäologen hier anders arbeiten als in der Stadt.

So beispielsweise an der Lützowstraße in Münster-Handorf. Die Grabungshelfer planieren gerade die Oberkante des gewachsenen Bodens mit der Schaufel und entfernen die letzten Reste Mutterboden, die der Bagger übrig gelassen hat. In dem schon gereinigten Teil der Fläche gut zu sehen: eine Doppelkreisgrabenanlage aus der Zeit zwischen 1500 und 1200 v. Chr.

Ursprünglich hatte sich in der Mitte ein Grabhügel befunden, er ist ebenso wie die Gräber darin eingeebnet worden.