Denkmalschutz und Denkmalpflege

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Denkmalschutz und Denkmalpflege

Neues Leben in alten Mauern

Wer Denkmäler beseitigt, löscht Erinnerungen aus. Wer sie erhält, darf sie mit Recht nutzen, auch mal ganz anders als ursprünglich gedacht. Er darf sie verändern, wenn es die heutigen Bedürfnisse erfordern.
Zwei Beispiele zeigen, dass bei sinnvoller (Um-)Nutzung historischer Gebäudesubstanz durchaus ein wirtschaftlicher Nutzen zu erzielen ist.

Rudolfstraße 2 im Ostviertel

Wie sich auch in alten Mauern mit einigen Veränderungen angenehm wohnen lässt, zeigt der Verwaltungsbau einer Wohnungsgesellschaft an der Rudolfstraße 2. In seiner ursprünglichen Funktion nicht mehr gebraucht, wurde ihm neues Leben eingehaucht – als „ungewöhnliches“ Wohngebäude.
Der Betonskelett-Raster-Bau mit zurückliegendem Attikageschoss wird von dem Architekten-Ehepaar Christa Kleffner-Dirxen und Michael Kleffner 1953 errichtet und in den späten 1980er Jahren in die Denkmalliste der Stadt Münster eingetragen. 2005 sollen aus den nicht mehr gebrauchten Büros Wohnungen werden. Ziel ist es, zeitgemäßes, innerstädtisches Wohnen zu ermöglichen, ohne die Bestandsarchitektur zu verwässern. Wie wird es erreicht? Der ursprüngliche Grundriss bleibt im Grundsatz ebenso erhalten wie die meisten der zeittypischen Elemente in Material, Details und Kunst (Wandbilder von Hans Kaiser).

Rudolfstraße 2: Ansicht mit Balkonen

Ein Muss für den modernen Wohnkomfort:
die frei vorgehängten Balkone mit grüner Buntglasbrüstung. Ohne sie würde man heute von außen nicht ahnen, welchen Wandel der ehemalige Verwaltungsbau innen hinter sich hat.

Treppenhaus des Gebäudes Rudolfstraße 2Innenansicht des Gebäudes Rudolfstraße 2

Speicherstadt-Nord in Coerde

Nahrung und Viehfutter werden im Zweiten Weltkrieg in den neun großen Speichern gelagert, verarbeitet und von Coerde aus an die Garnisonen in Norddeutschland verteilt. 1938/39 hatte das Heeresversorgungsamt die Gebäude errichten lassen, inklusive Großbäckerei und eines weiteren Verwaltungsbaus. Nach Kriegsende nutzen die Briten für fast 40 Jahre die Gebäude als Winterbourne-Kaserne.

Nach dem Entspannungsprozess zwischen Ost und West brauchen sie sie Anfang der 1990er-Jahre nicht mehr. Was tun mit der 11,5 ha großen Anlage, die komplett unter Denkmalschutz steht?

Heute präsentiert sich die Speicherstadt Nord als modernes Archiv-, Büro- und Kommunikationszentrum, das unterschiedlichsten Ansprüchen gerecht wird. Ein großer Caterer mit Restaurant- und Veranstaltungsbetrieb – in der ehemaligen Großbäckerei – komplettiert und belebt den gesamten Bereich. Dank eines einheitlichen Materialkanons und sorgfältiger Detailplanung blieben trotz der so ganz anderen Nutzung der ursprüngliche Charakter und das einheitliche Erscheinungsbild des Komplexes gewahrt.

Luftbild SpeicherstadtInnenansicht eines Gebäudes in der historischen Speicherstadt