Denkmalschutz und Denkmalpflege

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Denkmalschutz und Denkmalpflege

Wer will fleißige Handwerker sehen

Sie sind in der Denkmalpflege unverzichtbar und besonders gefordert: die Handwerker. Denn Universalrezepte sind hier fehl am Platz. Für jeden Einzelfall überlegt die Denkmalpflege gemeinsam mit ihnen, welche Technik geeignet ist, um einen Schaden zu beheben, welche
Restaurierungs- oder auch Konservierungsmethoden eingesetzt – manchmal sogar erst entwickelt werden müssen. Ziel ist immer die langfristige und unverfälschte Erhaltung historischer Substanz.

Wie haben die Handwerksbetriebe früher gearbeitet? Welche Materialien wurden verwendet? Wie wurden sie verarbeitet? – Manch umfangreiche Recherche ist erforderlich, um die richtige Lösung für das jeweilige Denkmal zu finden.

Hier einige Beispiele für das handwerkliche Können der Fachleute in der Denkmalpflege:

Maurer bei der Arbeit

Maurer

Die Größe des Ziegels oder die Art der Verfugung kann etwas über die Bauzeit eines Gebäudes aussagen. Hier gilt es, sensibel das alte Bild wiederherzustellen und auf die Wechselwirkung zwischen alten und neuen Materialien zu achten. Spezialwissen ist bei Bögen und Gewölben gefragt, um das Alte sorgfältig zu ergänzen und statisch zu stabilisieren, wie hier auf Haus Wiek.

Altes Fenster

Tischler

Ein altes Holzfenster muss nicht gleich auf den Schutthaufen wandern. Oft sind nur die Wasserschenkel verwittert, also der untere Vorsprung mit Wassernase, der das Eindringen von Schlagregen verhindern soll. Und die kann der Tischler durch sorgfältig gearbeitete Pass-Stücke ersetzen.
Zugegeben: Für sich allein ist das alte Holzfenster kein Energiesparer. Doch zum Kastenfenster ausgebaut, entspricht es auch modernen Anforderungen. Dazu wird ein zweites Fenster mit Wärmeschutzverglasung vorgesetzt.

Mit großer Sorgfalt tragen Maler zur Restaurierung eines Gebäudes bei. Alte Tapete im Haus Rüschhaus.

Maler

In welcher Farbe einst ein Denkmal erstrahlte, hatte etwas mit damaligen Materialien, Techniken und natürlich dem Geschmack seiner Besitzer zu tun – und ist heute oft nur noch schwer zu erkennen. Deshalb haben Maler und Denkmalpfleger, ehe zum Pinsel gegriffen wird, zunächst die historischen Beschichtungen zu beurteilen. Es gilt, die Farbgebung auf den Gebäudetyp abzustimmen und das Material für den Anstrich auf die Bausubstanz.

Glücksfall Rüschhaus: Gut versteckt hatte sich ein Stück Originaltapete im Gartensaal. Dank dieses Vorbilds konnte die historische Tapete im Handdruckverfahren erstellt werden. Mit viel Sorgfalt und Augenmaß angebracht geben die Mennige-Bordüre und das florale Muster heute wieder ein harmonisches Gesamtbild ab. So kann der Gartensaal wie zu Zeiten der Annette von Droste-Hülshoff erlebt werden.

Glaser bei der Arbeit

Glaser

Umwelteinflüsse und Vandalismus gefährden historische Bleiverglasungen. Manchmal ist es bei dieser alten Handwerkskunst tatsächlich unvermeidlich, auf neues Glas oder neues Blei zurückzugreifen. Doch der Anspruch der Fachleute ist ein anderer. Um die historische Substanz weitgehend zu erhalten, diskutieren sie in jedem Einzelfall, welches Material, welche Technik einzusetzen sind, ob und wie sich Neues mit Altem verträgt. Dann werden vorsichtig alle Einzelteile speziell gereinigt und fehlende Teile ergänzt. Die einzelnen Stücke werden verbleit, verlötet und mit Kitt abgedichtet. So erstrahlen beispielsweise die wertvollen Maßwerkfenster der Kreuzkirche wieder in neuem, altem Glanz.

Zimmermann

Ein historisches Fachwerkgerüst erzählt von den technischen Fähigkeiten vergangener Zeiten. Das soll so bleiben und stellt damit die Zimmerleute heute vor eine besondere Herausforderung. Zunächst muss das Gerüst so gesichert werden, dass marode Teile vorsichtig ausgetauscht werden können. Oberstes Ziel ist es, möglichst viel Originalsubstanz zu erhalten. Verbindungen zwischen Alt und Neu sollten beispielsweise mit traditionellen Holzverbindungen wie Holznagel oder Blattsassen erfolgen. Dieses erfordert hohes handwerkliches Geschick.

Der Steinrestaurator entfernt mit einem Pinsel vorsichtig Patinaschichten und bringt so den ursprünglichen Stein zum Vorschein.

Steinrestaurator - Steinmetz - Steinbildhauer

Ob als Einzelfigur, Baudetail einer Fassade oder Wandfläche – Naturstein gehört zu vielen Denkmälern und reagiert mitunter sensibel auf Witterungs- und Umwelteinflüsse. Die Denkmalpflege will diesen Verwitterungsprozessen frühzeitig begegnen. Dazu braucht es umfangreiches Fachwissen.

So entfernt beispielsweiseder Steinrestaurator mit dem Micromeißel vorsichtig Patinaschichten. Mit der Injektionsspritze wird loses Steinmaterial gefestigt und wieder mit dem Untergrund verbunden. Ziel ist es, den Stein im Original zu erhalten. Der Steinmetz fügt dort Passstücke ein, wo der Zahn der Zeit eine Konservierung nicht mehr zulässt. Und bei Skulpturen kann im Einzelfall der Bildhauer erforderlich sein, um wichtige fehlende Details nachzumodellieren. Nach der vorsichtigen Endreinigung kann der Stein wieder einige Jahre Witterungseinflüssen ausgesetzt werden.