Archäologie

Seiteninhalt

Archäologie

Zwischen Grabung und Erkenntnis

Die Ergebnisse der Grabungen am Drubbel wurden 2004 in einer Ausstellung im Stadtmuseum präsentiert, die viel Anklang fand.

Wenn die Archäologen gehen und die Bauarbeiter mit ihren Baggern kommen, sind bald auch die letzten Zeugnisse vergangener Zeiten unwiderruflich zerstört.

Und doch können Wissenschaft und Forschung auch in Jahrzehnten und Jahrhunderten noch genau nachvollziehen, welche Erkenntnisse an dieser Stelle gewonnen wurden. Denn nach der Grabung ist die Arbeit der Archäologen noch nicht beendet, sie ziehen um an den Schreibtisch und ins Fundmagazin, um die Quellen für die Nachwelt zu sichern und zu erschließen.

Alle Daten müssen erfasst, geordnet und zusammengeführt werden. Die Funde werden zunächst gewaschen, beschriftet und verpackt sowie bestimmt, fotografiert und manchmal auch gezeichnet. Das kann dauern: Allein am Alten Steinweg (neues Parkhaus Mitte) kamen 40.000 bis 50.000 Fundstücke aus 1.400 verschiedenen Fundzusammenhängen zutage, die alle sachgerecht behandelt sein wollen. Dabei werden immer auch Kollegen aus benachbarten Wissenschaften hinzugezogen. So untersuchen zum Beispiel Anthropologen und Archäozoologen Knochen von Mensch und Tier, Archäobotaniker analysieren organische Reste.

Auch was auf der Grabung meist unter großem Zeitdruck auf Papier und im Bild erhoben wurde, wird jetzt nachgearbeitet und systematisch in eine Datenbank eingegeben. Sind alle Informationen in der Datenbank gespeichert, alle Funde archiviert, kann die eigentliche wissenschaftliche Auswertung mit modernstem Recherchekomfort beginnen. Erkenntnisse, die sich zum Beispiel in einer Ausstellung, einer wissenschaftlichen Publikation, einem Forschungsprojekt wiederfinden.

Und das eben nicht nur heute – wer weiß, welcher Archäologe im Jahr 3008 seinen Kolleginnen und Kollegen dankbar sein wird für die professionelle Dokumentation ihrer wissenschaftlichen Erkenntnisse zu Beginn des 21. Jahrhunderts.

Die Grabungsfunde sind in einem Magazin in der Speicherstadt untergebracht.

Das städtische Magazin in der Speicherstadt in Coerde: Auf einer Fläche von gut 500 Quadratmeter sind die Grabungsfunde untergebracht. Dicht gepackt in Regalen, die bis unter die Decke reichen, stehen zurzeit gut 8.000 Kartons verschiedener Größe, die die Funde enthalten. Mit jeder Grabung werden es mehr. Auf den Tischen vorn liegen gewaschene Scherben und Tierknochen zum Trocknen aus.

Die Fundstücke werden in Kartons aufbewahrt.

In jedem Karton ist ein Zettel, auf dem die Herkunft der Funde vermerkt ist. Jedes Objekt trägt eine Nummer, aus der hervorgeht, woher das Fundstück genau stammt. Das ist wichtig, damit die draußen untersuchten Fundzusammenhänge datiert werden können.

Urnen werden im Innendienst weiter aufbereitet.

Manchmal geht die Grabung auch im Innendienst noch weiter, zum Beispiel wenn – wie in Handorf – Urnen geborgen werden, die eine Brandbestattung enthalten. Zentimeterweise wird hier die Füllung herausgenommen, die nicht zufällig in das Gefäß gelangt ist. Manchmal sind Knochenreste sortiert oder es gibt Beigaben, die dem Toten den Weg ins Jenseits erleichtern sollten. Hier eine kleine Henkeltasse mit Speiseresten, die noch der Untersuchung bedürfen.

Tierknochenfunde werden einzeln erfasst und vermessen.

Funde von Tierknochen sind bei innerstädtischen Grabungen zahlreich. Die meisten sind Speisereste, oft aber auch Werkstattabfälle und halb fertige Produkte. Tierknochen sind eine wichtige Fundgattung, weil sie Auskunft über viele Aspekte des Lebens geben können, zum Beispiel über Viehbestand, Essgewohnheiten und Handwerkstechniken. Am Anfang der Analyse steht immer die Erfassung des Materials. Jeder einzelne Knochen muss erfasst, bestimmt und vermessen werden.

Die meisten Funde kommen nicht gut erhalten aus dem Boden - wie diese spätmittelalterlichen Lederschuhe von der Königsstraße.

Das zerdrückte Leder musste gereinigt, getränkt, neu in die alte Form gebogen und dann erst einmal mit Bändern und Wäscheklammern stabilisiert werden.