Bodendenkmal

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Warum Bodendenkmalpflege und Archäologie?

An Büchern und Aufsätzen zu Münsters Geschichte mangelt es wahrlich nicht. Kaum vorstellbar, dass es da noch weiße Flekken gibt. Und selbst wenn, muss man dafür „graben“? Wäre es nicht effektiver, einfach in alten Quellen nachzulesen?

Sicher, ohne das Studium alter Schrift- und Bildquellen kommt die Forschung nicht aus. Doch all dieses Material beschreibt gerade mal ein Prozent der menschlichen Geschichte in unserer Region. Denn in Westfalen setzt die schriftliche Überlieferung erst zur Zeit Karls des Großen ein, also im 8. Jahrhundert n. Chr. Die ersten Menschen lebten hier aber bereits vor fast 70.000 Jahren.

Selbst für das Mittelalter ist die Quellenlage in Münster nicht gut. Zwei Stadtbrände im 12. Jahrhundert und das Wüten der Wiedertäufer 1534/1535 haben ganze Archivbestände vernichtet. Von einer dichten Überlieferung kann in Münster daher erst seit dem 16. Jahrhundert die Rede sein. Für die Zeit davor sind archäologische Funde und Befunde die wichtigsten Quellen.

Außerdem sagen Schriften und Bilder nicht immer die „reine Wahrheit“. Sie sind zeitgebunden und in einer bestimmten Absicht entstanden. Oft sollen sie Botschaften vermitteln und nicht die Realität abbilden. Archäologische Quellen sind da authentischer. Sie sind materielle Spuren, die Menschen an einem konkreten Ort und in einer bestimmten Zeit tatsächlich hinterlassen haben. Deshalb sind sie durch nichts zu ersetzen. Sie genießen zu Recht den Schutz des Denkmalschutzgesetzes und in Münster seit Mitte der 1990er Jahre die besondere Aufmerksamkeit der städtischen Denkmalbehörde.

Gleichwohl sind archäologische Entdeckungen häufig zufällig, zeigen nur einen Ausschnitt der Geschichte. Erst im Zusammenspiel mit anderen Quellen – Schriften, Karten, Bildmaterial – entsteht ein Gesamtbild.

Eine Karte mit einer wehrhaften Botschaft: Everhard Alerdinck zeichnete 1636 Münster aus der Vogelschau, hier ein Ausschnitt der nordöstlichen Stadtviertel. Sie ist sehr genau und wirklichkeitsnah gezeichnet. Mit einer Ausnahme: Die Befestigungsanlagen sind unverhältnismäßig groß. Ein klares Signal an den zeitgenössischen Betrachter: Münster ist eine gut befestigte Stadt, die nicht so leicht einzunehmen ist.

Auch ein Bild kann eine gute Quelle sein wie dieses Ölgemälde von Conrad von Faber aus dem Jahr 1536. Es zeigt den Bürgermeister Frankfurts, Justinianus von Holzhausen, und seine Frau Anna von Fürstenberg.

Während beispielsweise der Kelch auf der Balustrade und der reiche Schmuck der Frau durchaus real sind, ist die Architekturkulisse im Hintergrund, wie damals üblich, frei hinzukomponiert – und von stadthistorischem Interesse. Zeigt sie doch Münster und Umgebung zur Zeit der Täuferherrschaft.

Man weiß: Am 21. Mai 1534 war von Holzhausen als bischöflicher Kriegsrat bei den Truppen Franz von Waldecks, die vor den Toren der Stadt lagerten. Im Vordergrund ist die zerstörte Mauritzkirche mit ihrem Friedhof und den Wassergräben zu sehen, die die Stiftsimmunität umgaben. Dahinter liegt die Stadt mit ihrem doppelten Befestigungsring und den zahlreichen Kirchentürmen. Die Türme des Domes sind deutlich zu erkennen. Ganz im Hintergrund zeigt sich eine Berglandschaft, die der Fantasie entsprungen ist.

König Heinrich III. kam am 29. Dezember 1040 höchst persönlich nach Mimigernaford, um der Einweihung der Kirche des adeligen Damenstiftes St. Marien beizuwohnen. So viel ist dieser Schenkungsurkunde zu entnehmen, der einzigen schriftlichen Quelle zu diesem historischen Großereignis. Aber wie sah das Liebfrauenstift damals aus? – Nur die Archäologie kann hierauf Antworten liefern.

Weniger verlässlich ist dagegen, zumindest in Teilen, diese Karte des Amtes Wolbeck, des bis zur Säkularisation größten Verwaltungsbezirkes im Oberstift Münster. Heinrich von Trier zeichnete sie 1603 im Auftrag der Münsterschen Hofkammer. Sie ist eine Grenz- und Gebietskarte. Auf Wirklichkeitsnähe und Detailreichtum kam es bei der Darstellung des Verwaltungsmittelpunktes daher nicht an. Der Künstler nahm sich die Freiheit, eine reiche Architektur dreidimensional abzubilden. Phantasiereich, aber realitätsfern, wie ein Vergleich mit dem noch heute erhaltenen Drostenhof zeigt. Das Amtshaus und ehemalige bischöfliches Schloss entzieht sich dem Vergleich. Es wurde 1767 abgebrochen.