Bodendenkmal

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Bodendenkmal

Ein Bodendenkmal - Was ist das?

Die kleine Goldscheibenfibel von der Überwasserkirche ist ein Meisterwerk hochmittelalterlicher Goldschmiedetechnik. Die Einzelanfertigung zeigt, womit adelige Stiftsdamen der wohlhabenden Oberschicht im 11. Jahrhundert ihr Gewand verschlossen.

Was haben eine bronzene Nadel vom Acker, Verfärbungen im Boden und ein paar Wälle im Wald gemeinsam? Es sind Bodendenkmäler – zumindest potenzielle.

Um ein Bodendenkmal zu sein, müssten die drei allerdings schon einige Kriterien erfüllen. Zum Beispiel müssten sie bedeutend sein und in besonderem Maße von menschlichem Handeln, Wirtschaften und Denken zeugen. Bedeutend sind Bodendenkmäler vor allem, wenn sie von Epochen und Kulturen erzählen, für die es kaum andere Quellen gibt. Das gilt hauptsächlich für die erd- sowie die vor- und frühgeschichtliche Zeit, aber auch für weite Teile des Mittelalters und der frühen Neuzeit, wo die schriftliche Überlieferung in vieler Hinsicht lückenhaft ist.

Ein Bodenkdenkmal kann beweglich sein, wie die Bronzenadel, oder unbeweglich, wie die Wallanlage. Es kann sich noch im Boden befinden, wie die Spuren alter Hausgrundrisse, oder schon ausgegraben sein, wie die goldene Gewandspange. Es kann zur Gänze im Boden verborgen sein, wie die Fundamente eines alten Klosters, oder noch oberirdisch zu sehen, wie einalter Kanal. Dabei muss es nicht einmal von Menschenhand gemacht sein. Auch Zeugnisse tierischen und pflanzlichen Lebens können Bodendenkmäler sein, weil sie Teil der Entwicklungsgeschichte der Welt und der landschaftlichen Umgebung des Menschen sind.

Oft sagen dabei unscheinbare und vermeintlich wertlose, kaputte oder halbfertige Objekte mehr aus als herausragende Einzelstücke. Meist geben sorgfältig freigelegte Fundzusammenhänge mehr Informationen preis als hastig aus dem Boden gerissene Objekte, die keinen archäologischen Kontext mehr haben.

Luftbild Haus Amelsbüren

Gräftenhöfe prägen bis heute das Münsterland. Nirgendwo sonst gibt es diese von Wassergräben umgebenen Hofanlagen und Herrensitze in so großer Zahl. Viele von ihnen haben ihre Wurzeln im Mittelalter und waren Sitz renommierter Adelsgeschlechter. Haus Amelsbüren beispielsweise war im 13. Jahrhundert bischöfliches Lehnsgut und Heimat der Ritter von Amelsbüren. Insel und Wassergraben sind sichtbares Zeugnis dieser langen Geschichte. Deshalb sind sie Bodendenkmal. Die heutige Bebauung ist überwiegend im 19. Jahrhundert entstanden.

Historische Ansicht der münsterschen Domburg Grundriss Domburg

Auch in der Stadt sind oberirdische Bodendenkmäler eine Seltenheit. Aber viele von ihnen spiegeln sich noch im Stadtgrundriss wider. Ein gutes Beispiel dafür ist Münsters Domburg. Spiekerhof, Bogenstraße, Roggenmarkt, Drubbel, Prinzipalmarkt, Rothenburg und Johannisstraße folgen noch heute dem Verlauf der Befestigungsanlage, die im 9. Jahrhundert den Bischofsitz umgab. Die Hinterhöfe der Bürgerhäuser reichen bis an die Domimmunität heran, die im späten 13. Jahrhundert durch eine massive Mauer markiert wird. Die in der historischen Stadtansicht von 1636 abgebildeten Hofgebäude stehen direkt an dieser Grenze, die auch heute noch Gültigkeit hat.

Urnenfund bei Handorf

Die meisten Bodendenkmäler sind im Gelände nicht mehr erkennbar. Dies gilt vor allem für die oft großflächigen vorund frühgeschichtlichen Siedlungs- und Bestattungsplätze, die sich in der Regel nur noch auf dem Land erhalten haben. Nichts an der Oberfläche wies zum Beispiel im neuen Baugebiet Drei Eichen bei Handorf darauf hin, dass hier ein Brandgräberfeld der vorrömischen Eisenzeit (700 v. Chr. – 0) lag. Dicht unter der Ackerkrume kamen beim Baggern im Jahr 2007 die jahrtausendealten Urnen zutage.