Archäologie

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Archäologie

Auf der Baustelle

Eine echte Daueraufgabe in einer historischen Stadt wie Münster ist die archäologische Begleitung von Kanal- und Straßenbauarbeiten. Schließlich liegt hier viel Neues über Altem, da sind auch die Baustellen auf der Straße eine gute Gelegenheit genauer hinzuschauen. Denn nicht immer haben alte Versorgungsleitungen und Schächte alle archäologischen Befunde zerstört. Meist kann und muss dabei allerdings parallel zum Bau gearbeitet werden. Das bedeutet: Es ist laut und hektisch und die Zeit ist knapp. Wenn es besonders wichtig ist, steht manchmal auch mehr Zeit zur Verfügung.

Baustelle am Drubbel im Sommer und Herbst 2002

Ein gutes Beispiel sind die Ausgrabungen am Drubbel im Sommer und Herbst 2002. Der Blick auf die Baustelle zeigt vor allem zweierlei: Die Befunde liegen dicht unter der Oberfläche und sind entweder ganz oder gar nicht zerstört. Auf dem Gehweg vor der Münsterschen Zeitung hatten tiefliegende Versorgungsleitungen jedwede archäologische Substanz beseitigt. Auf der Straße dagegen war die historische Bebauung unter dem Pflaster noch fast komplett vorhanden. Studenten und Bauforscher dokumentieren die freigelegten Mauern.

Fund am Drubbel: Spinnwirtel aus Ton Einzelne Perlen der Rosenkränze wurden aus Knochen herausgebohrt.

Es müssen nicht immer die großen Funde sein, die vom Leben in der Vergangenheit erzählen. Die Spinnwirtel aus hellem und dunklem Ton belegen, dass am Drubbel in Mittelalter und früher Neuzeit Textilien für den Hausgebrauch hergestellt wurden.

Knochenschnitzer produzierten hier an der Marktstraße Rosenkränze, die sich sicher gut verkaufen ließen. Dazu sägten sie aus den Mittelfußknochen von Rindern oder Pferden zunächst die Leisten, aus denen dann die einzelnen Perlen gebohrt wurden.

Historische Ansicht des Drubbels

Der Drubbel an der Lambertikirche unmittelbar vor seinem Abriss, aufgenommen von der ehemaligen Regensbergschen Buchhandlung (heute Hasardeur) aus. Die Ansicht von 1906 zeigt die Häuser Nr. 11-16 im Zustand des 18. Jahrhunderts. Das aus zwölf mehrgeschossigen Häusern bestehende Ensemble musste weichen, weil es dem Verkehr im Wege stand. Die Stadt hatte mehr als 400.000 Reichsmark für diese Immobilie bezahlt. Der Komplex, in dem über die Jahrhunderte hinweg überwiegend Kleinkaufleute und Handwerker wohnten, hatte insgesamt nur eine Grundfläche von 436 Quadratmetern.

Luftbild der Grabungen am Drubbel

Die Grabungen am Drubbel aus der Luft. Gut zu sehen ist die in einem Zug errichtete Außenmauer der fünf Häuser, die zur Domburg hin lagen. Genauso gut zu erkennen sind die vielen Leitungen, die die Häusergruppe queren und an ihr entlang laufen. Die Untersuchungsfläche konnte nie ganz geöffnet werden. Der fließende Verkehr musste weiterlaufen und die Anfahrt für die Feuerwehr immer möglich sein. Deshalb konnte die Breite der Untersuchungsabschnitte nie frei gewählt werden.

Gesamtplan der Drubbel-Grabungen

Am Ende jeder Ausgrabung steht ein Gesamtplan, der die wichtigsten Ergebnisse zusammengefasst enthält. Der Plan vom Drubbel zeigt die ergrabenen Hausgrundrisse des 13. Jahrhunderts mit all den baulichen Veränderungen, die sie im Laufe der Zeit erfahren haben. Er zeigt auch den unmittelbar an den Gebäudekomplex angrenzenden Straßenraum mit den sich überlagernden Nutzungshorizonten, die die Geschichte dieses für Münster so wichtigen Verkehrsweges erzählen. Nach der Grabung mussten die Stadthistoriker einige Annahmen revidieren. Die Häuserzeile ist nicht sukzessive entstanden wie vermutet, sondern gemeinsam von den Bürgern geplant und in einem Zug gebaut worden. Und: Die bisher am Drubbel lokalisierte Marktsiedlung des 9. und 10. Jahrhunderts lag hier nicht, denn erst seit dem 11. Jahrhundert wird der Straßenraum nachweislich genutzt. An Neuem im Detail gibt es natürlich viel mehr.